Totenglocke für die alte Kapelle läutet noch nicht

Totenglocke für die alte Kapelle läutet noch nicht

Die alte Kapelle auf dem Trierer Hauptfriedhof ist in die Jahre gekommen. Fassade und Innenräume sind marode. Nun soll das kleine Gotteshaus vor dem weiteren Verfall gerettet werden. Dabei will die Trier-Gesellschaft helfen und als Bauherr die Stadt beim Erhalt des 1870 errichteten Bauwerks unterstützen.

Trier. Geradezu malerisch wirkt die alte Kapelle auf dem Trierer Hauptfriedhof, wie sie von Bäumen umringt im Sonnenschein liegt. Hinter dem 1870 errichteten Sandsteinbau mit dem Lang- und den beiden flankierenden Querhäusern steht zwischen zwei Blauzedern ein Kreuz mit dem schmerzgeplagten Christus. Doch der Schein trügt. Denn das denkmalgeschützte Bauwerk im neogotischen Stil ist sanierungsbedürftig. Das gilt sowohl für die Außenfassade als auch für den Zustand der Innenräume. Die Stadt allein kann diese Aufgabe nicht bewältigen. Und so tritt die Trier-Gesellschaft auf den Plan, die die Erhaltung Trierer Kulturdenkmale zum Ziel hat. Diese Aufgabe übernimmt der Verein seit 1982, die Sanierung des Petrusbrunnens war das 100. Projekt, das mit Hilfe von Spenden gestemmt wurde.Verein erreicht "neue Sphären"

Nun hat der Verein die Sanierung der alten Kapelle auf dem Hauptfriedhof zu seinem neuen Großprojekt erklärt. Damit würden "neue Sphären" erreicht, wie Karlheinz Scheurer, der Vorsitzende der Trier-Gesellschaft, sagt. "Die alte Kapelle wird unser größtes Projekt werden. Das war bisher der Frankenturm. Die Mitglieder stehen voll dahinter. Das wurde bei unserer Generalversammlung nochmals deutlich." Viel Rückhalt braucht der Verein dabei auch aus Mitglieder- und Bürgerreihen, wie ein Blick auf den Kostenvoranschlag zeigt. "Die Baukosten belaufen sich auf circa 400 000 Euro", sagt Ralf Frühauf, Pressesprecher der Stadt Trier. Damit werde der komplette Bau saniert. "Eine wesentliche Forderung des Konzepts ist die nachhaltige Instandsetzung aller Gebäudeteile", sagt Frühauf. Der Plan sieht für den Außenbereich laut Frühauf Folgendes vor: "Zur Vermeidung aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk werden alle Keller und Fundamente freigelegt und gegen nichtdrückendes Wasser abgedichtet." Auch die Natursteinfassade werde saniert, außerdem würden sich die "Renovierungsarbeiten im Innenbereich über alle Wand-, Boden- und Deckenflächen erstrecken. Der ursprüngliche Zustand wird wiederhergestellt", sagt Frühauf. Um mit den Arbeiten beginnen zu können, müssen Stadtvorstand, Dezernatsausschuss und Stadtrat noch zustimmen. Für Karlheinz Scheurer gibt es aber keine Bedenken, dass das Vorhaben nicht abgesegnet werden könne. "Ich bin von Haus aus ein sehr optimistischer Mensch: Wir machen das ja nicht zum ersten Mal." Er rechne damit, dass der Stadtrat in seiner Sitzung Ende Juli grünes Licht gebe. Die Trier-Gesellschaft will als Bauherr auftreten wie etwa schon bei Frankenturm- und Petrusbrunnensanierung. Zuschüsse sollen bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz beantragt werden. Generell bestehe große Bereitschaft, das Projekt zu unterstützen: "Ich spüre, dass es den Bürgern ein Anliegen ist, dass die Kapelle wieder aufgepäppelt wird und auch wieder häufiger für Aussegnungen genutzt werden kann", sagt Scheurer. Denn natürlich braucht der Verein Spenden, 7000 Euro seien bereits eingegangen, obwohl das Projekt noch nicht einmal offiziell vorgestellt wurde. Außerdem hofft Scheurer auf Unterstützung aus der Volksfreund-Spenden-Aktion "Meine Hilfe zählt". Er geht davon aus, "dass wir 100 000 Euro zusammenbekommen werden". Wenn alle Beschlüsse vorliegen, kann die Sanierung beginnen. "Ich denke, dass die Kapelle frühestens im Herbst nächsten Jahres fertig sein wird", sagt Scheurer. Das freut auch Friedhofsmeister Heinz Tholl: "Ich bin der Trier-Gesellschaft dankbar, dass sie sich der alten Kapelle angenommen hat, um sie in den Zustand zu versetzen, der ihr und dem Hauptfriedhof gerecht wird."Das Spendenkonto der Trier-Gesellschaft hat die Kontonummer 468033 bei der Sparkasse Trier (BLZ 58550130).trier-gesellschaft.deExtra

Die alte Kapelle wurde 1870 errichtet. In den Querhäusern waren die Einsegnungshalle sowie die Leichenhalle und ein Sezierraum - bis vor etwa 50 Jahren war hier die städtische Pathologie. Außerdem gibt es dort Halterungen. An ihnen und den Gliedmaßen der Toten wurde eine Schnur mit Glöckchen befestigt - eine Rückversicherung. Denn bewegte sich der Tote, klingelte das Glöckchen. So wurde verhindert, dass jemand nur scheintot war und begraben wurde. Eines der Maßwerkfenster hat der Trierer Glasmaler Jakob Schwarzkopf gestaltet. cofi

Mehr von Volksfreund