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Tourismus: Ausfälle bis in den April - Wenn Gästeführer keine Gäste haben

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus : Ausfälle bis in den April - Wenn Gästeführer keine Gäste haben

Keine Urlauber, keine Versammlungen – und damit keine Gästeführungen. Das hat dramatische Folgen für die Guides.

Die Tourist-Information ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Wer sich über Trier und sein touristisches Angebot informieren will, muss zum Telefonhörer greifen oder eine E-Mail schicken. Die Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) will ihre Pforten in unmittelbarer Nachbarschaft zur Porta Nigra erst wieder ab dem 20. April öffnen.

Normalerweise tummeln sich zu dieser Zeit im Jahr schon zahlreiche Gruppen auf dem Porta-Nigra-Platz, die auf ihre Stadtführungen warten – oft sind das Schulklassen aus Frankreich oder chinesische und amerikanische Reisegruppen. Oder es sind Touristen, die einfach nur eine Stadtführung gebucht haben, um etwas über Triers Geschichte zu erfahren. Nicht so in Zeiten, in denen der Virus Sars-CoV-2 das öffentliche Leben lahmlegt.

Welche Folgen die Stornierungen der Stadtführungen für den Umsatz des Unternehmens bedeuten, das an den Vermittlungsprovisionen verdient und zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Trier ist, lässt sich laut Pressesprecherin Paula Kolz aktuell nicht abschätzen.

Von sich aus hatte die ttm bereits circa 100 Stadtführungen sowie rund 130 Gruppenführungen bis einschließlich 19. April abgesagt. Auch hier lässt sich der Verlust zurzeit nicht ermitteln, da die Zahl der verkauften und jetzt rückabzuwickelnden Tickets bisher nicht abschließend analysiert sei. Wer die finanziellen Einbußen der Virus-Pandemie auf das Geschäftsergebnis am Ende trägt, ist gegenwärtig ebenfalls offen. Thematisiert würde dies, wenn man den Verlust beziffern könne. Bevor man sich um die Finanzen kümmere, „müssen deutlich wichtigere organisatorische und dem Schutz der Bevölkerung dienende Maßnahmen umgesetzt werden“, sagt Kolz.

Mit den Folgen der Stornierungen allein gelassen sehen sich zurzeit die Gästeführer in der Stadt Trier. Cathy und Jens Baumeister, Gästeführer in Trier, rechnen mit Einnahmeverlusten zwischen 4000 und 10 000 Euro. Die Veranstaltungen der beiden bis Ende April waren schon vor dem allgemeinen Veranstaltungs- und Kontaktverbot storniert. Jens Baumeister trägt die Entwicklung mit Fassung: „Es ist ein wenig wie Urlaub, nur dass ich mich zwischendurch um den Orga-Kram kümmere. Und wir haben Zeit, an unserem nächsten Buch über die Weinfreunde Marx und Engels zu arbeiten.“ Cathy und Jens Baumeister hoffen, dass sich ab Juni die Auftragslage wieder normalisiert. „Dann wäre uns schon sehr geholfen, wenn die Leute vermehrt an unseren Führungen und Lesungen teilnehmen würden.“

Anke Reichelt, Vorsitzende des Vereins der Gästeführer Trier und Region (VGT), geht davon aus, dass die Virus-Pandemie alle rund 150 Gästeführer in der Region treffen wird. „Die Absagen der Gästeführungen bedeuten für jeden von uns erhebliche Verdiensteinbußen“, sagt Reichelt. Gerade für die hauptberuflichen Kollegen seien die Folgen „dramatisch“. Diese Gästeführer würden häufig neben Stadtführungen auch Führungen im Dom oder in den Museen anbieten. Zurzeit sei noch unklar, ob sie für Umsatzeinbußen entschädigt würden.

Der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD) macht den Gästeführern wenig Hoffnung, dass Dritte für den finanziellen Schaden aufkommen. Verdienstausfallversicherungen würden nur greifen, wenn die Gästeführer selbst erkranken. „Die Gäste haften für den Verdienstausfall nicht, denn sie trifft kein Verschulden daran, dass die Führungen abgesagt werden“, schreibt der Verband in einem Rundbrief an seine Mitglieder.

Auch die ttm teilt diesen Standpunkt. „Bei den von uns angebotenen Führungen haben wir uns an die Stornierungsfristen gehalten“, sagt die Pressesprecherin Paula Kolz. Will heißen: Für seitens der ttm gekündigte Führungen gibt es grundsätzlich keine Entschädigungen.

Der BVGD und der Bundesverband Museumspädagogik appellieren an Politik und Verwaltung, hier  unbürokratisch zu helfen: „Sonst befürchten wir einen Aderlass für Bildung und Vermittlung, von dem sich die deutschen Museen für lange Zeit nicht erholen werden“, schreibt der Bundesverband Museumspädagogik in einem offenen Brief an Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien.

Dass es unkomplizierter geht, zeigt das Focke-Museum in Bremen. Dort erhalten freiberufliche Kräfte aktuell Werkverträge, um ihre Führungen zu überarbeiten und um schriftliche Führungskonzepte zu erarbeiten. Für Cathy Baumeister ist das eine „super Idee“.