Tourismus-Boom auf der Mosel: Trier will mehr profitieren

Tourismus : Tourismus-Boom auf der Mosel: Trier will mehr profitieren

Zwei neue Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe sollen nicht nur den Stadtwerken zusätzliche Einnahmen sichern.

Das Geschäft mit Flusskreuzfahrten boomt auch auf der Mosel. Davon will die Stadt Trier noch mehr profitieren als bisher. Zusätzlich zu den privat betriebenen Anlegestellen für große Schiffe am Zurlaubener Ufer sollen deshalb zwei weitere Anleger an der Zurmaiener Straße in Trier-Nord gebaut werden. Bis zu vier Kreuzfahrtschiffe könnten dort ab dem Sommer 2021 festmachen, um ihren Gästen den Besuch in Trier ohne große Umwege zu ermöglichen.

Wie Dezernent Thomas Schmitt am Mittwochabend im zuständigen Ausschuss erläutert hat, sollen die Stadtwerke Trier (SWT) die neue Anlage in der Nähe der Hospitalsmühle (siehe Karte) bauen und betreiben. Wesentlich ist dabei die geplante Versorgung der Schiffe mit Ökostrom, was den lärmenden Einsatz der Schiffsgeneratoren überflüssig werden lässt. Die Entscheidung darüber trifft der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 10. März. Davor soll auch der Ortsbeirat Trier-Nord informiert werden. Weil das Gelände den Stadtwerken gehört, wäre der 2,5 Millionen Euro teure Bau der neuen Anlegestellen kostenneutral für den städtischen Haushalt.

Foto: TV/Schramm, Johannes

Das Potenzial „Die Binnen-Personenschifffahrt ist ein stetig wachsender Markt und erfreut sich insbesondere bei älteren Gästen zunehmender Beliebtheit. Aktuell rechnet die Branche darüber hinaus mit einem weiteren Wachstumsimpuls durch die erhöhte Nachfrage aus dem asiatischen Markt.“ So begründet die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage den Bedarf für zusätzliche Anlegestellen. Wie groß das Geschäft ist, dass der Stadt bereits jetzt durch die Lappen geht, ist nicht genau zu benennen, denn die einzigen Anlegestellen in Zurlauben werden von privaten Anbietern betrieben. Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM), kennt aus Anfragen an die Firma Kolb aber die Zahl der Schiffe, die im vergangenen Jahr dort aus Kapazitätsgründen abgewiesen wurden. „100 konnten nicht bedient werden.“ Der Cheftouristiker belegt auch den Trend zu Flusskreuzfahrten. „Vor zwei Jahren wurden 70 Anfragen abgelehnt. Die Steigerung ist also deutlich.“

Die Einnahmen Von Bedeutung für die Umsätze durch Touristen von Flusskreuzfahrtschiffen – 32 Euro pro Passagier und Tag – ist auch die zunehmende Größe der Schiffe, die heute in der Regel eine Länge von 110 bis 135 Metern und Platz für 150 Fahrgäste haben. Von den aktuell fünf Anlegern in Stadtnähe sind lediglich zwei für größere Schiffe geeignet. Aktuell legen Schiffe deshalb oft im Trierer Hafen in Pfalzel an oder weichen auf andere Gemeinden wie Riol und Schweich aus. Das industrielle Umfeld des Trierer Hafengeländes halten nicht nur Touristiker wie Norbert Käthler für ungeeignet für das eher auf das Premiumsegment ausgerichtete Angebot von Flusskreuzfahrtschiffen. Ein Anlegen von Kreuzfahrtschiffen zwischen Stahl- und Abfallbetrieben werde einem professionellen Tourismusangebot der ältesten Stadt Deutschlands nicht gerecht. Die Option Industriehafen Pfalzel lehnt Käthler deshalb ab. „Einige Reedereien haben angekündigt, dass sie auf einen Besuch in Trier verzichten, wenn ihre Schiffe im Hafen festmachen müssen.“

Foto: Stadtwerke Trier

Die zwei barrierefreien Anleger im Bereich der Hospitalsmühle würden nach Einschätzung der Stadt die Nachfrage der Reedereien decken und dem Tourismusangebot der Stadt Trier einen wichtigen Baustein hinzufügen. Zudem könnte die Stadt zusätzliche Einnahmen aus der Beherbergungssteuer verbuchen, die auch für schwimmende Hotels gilt, die in Trier festmachen. Dezernent Thomas Schmitt verweist auch auf das Projekt „Stadt am Fluss“ und die Möglichkeit, mit den verpflichtenden Renaturierungsmaßnahmen das Moselufer in diesem Bereich aufzuwerten. Für die Stadtwerke sei das Projekt ein neues Standbein als Mobilitätsdienstleister. Das Unternehmen erwartet Synergieeffekte, die sich langfristig insbesondere durch die Bündelung von Liegegebühren, Ökostromabsatz sowie Wasserabsatz ergeben sollen.

Der Zeitplan Alle im Ausschuss vertretenen Fraktionen haben dem Projekt zugestimmt, das – sofern der Stadtrat positiv votiert – im März in das Genehmigungsverfahren gehen soll. Baubeginn wäre dann ein Jahr später, Fertigstellung im Sommer 2021. Bis zur entscheidenden Stadtratssitzung will die Verwaltung auch die von der Grünenfraktion geforderten Musterrechnungen vorlegen, wie viel CO2 pro Schiff eingespart werden kann, wenn an der Anlegestelle Ökostrom geliefert wird und die Schiffsgeneratoren ausbleiben. Auch der Wunsch nach eigenen Bushaltestellen und ein Konzept zur schnellen Verbindung zur Innenstadt soll erarbeitet und umgesetzt werden.