Fremdenverkehr : Wandern, radeln und Wein trinken

Warum der Tourismus in der Verbandsgemeinde Ruwer zulegt. Wohnmobilisten und Mountainbiker dürfen hoffen.

Als Günther Schuh 1979 bei der Verbandsgemeinde Ruwer die Bereiche Fremdenverkehr und Wirtschaftsförderung übernahm, steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen.  „Zwischen damals und heute liegen Welten. Es gab so gut wie keine Infrastruktur, das Urlaubsverhalten der Menschen hat sich total geändert, und von Digitalisierung wusste man noch nichts”, sagt der 63-jährige Verwaltungsmann. Heute sei der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.

Seinen Arbeitsplatz im schicken Pavillon der Tourist-Information am Ruwer-Hochwald-Radweg in Kasel wird der Osburger Ende März 2019 verlassen – nach 48-jähriger Tätigkeit bei der Verwaltung. Doch bevor Schuh seinen wohlverdienten Ruhestand antritt, arbeitet er noch seine Nachfolgerin Anne Marx ein.

Einarbeitung der Nachfolgerin Die 36-jährige Diplom-Geografin und zweifache Mutter lebt in Thomm, kennt also wie Schuh die VG Ruwer aus dem Effeff. „Unsere Region ist lebenswert, es ist ein Privileg, dort zu wohnen und zu arbeiten, wo andere Urlaub machen.” Der Job in der Tourist-Info der VG Ruwer in Kasel sei ihre „Wunschstelle”. Vor der Tür der Radweg, hinter der Tür der Saar-Hunsrück-Steig – „besser geht es nicht”, sagt die Geografin. Dass die Tourist-Info rege genutzt werde, liege nicht zuletzt am stark frequentierten Radweg.

Radeln, wandern, Wein und Kulinarik – diese Eckpfeiler des Tourismus im Ruwertal möchte Stephanie Nickels, Bürgermeisterin der VG Ruwer, in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Für 2019 hat sie sich zum Ziel gesetzt, das Tourismuskonzept aus dem Jahr 2007 weiterzuentwickeln. Unter anderem soll geprüft werden, ob Wohnmobilstellplätze ausgewiesen werden können. Bisher gibt es noch keine in der VG. Als weitere touristische Zielgruppe werden Mountainbiker ins Auge gefasst. Anfang 2019 steht der Bau von drei Schutzhütten an: am Saar-Hunsrück-Steig bei Holzerath, an der Traumschleife Römer-Keltenpfad bei Lorscheid und an der Traumschleife Romika-Weg bei Gusterath.

Das Leader-Projekt „Antike Realität mobil erleben” (der TV berichtete) wird ebenfalls zu Beginn des kommenden Jahres im Bereich der VG Ruwer umgesetzt. Und zwar gleich an drei Standorten: an der Römischen Wasserleitung in Waldrach, dem Fürstengrabhügel bei Thomm und der Tempelanlage beim Lindenkreuz in Gusterath. Mittels moderner Visualisierungstechnik werden Realität und Computergrafiken so miteinander verschmolzen, dass nicht mehr existierende Kulturgüter für den Betrachter so erscheinen wie in ihrer Blütezeit.

In Vorplanung ist die Ausweisung von sogenannten Lauschpunkten am Ruwer-Hochwald-Radweg. Dadurch soll der Erlebnischarakter der 48 Kilometer langen Strecke von Trier-Ruwer bis Hermeskeil hervorgerufen werden. Eine Umsetzung ist in Zusammenarbeit mit den Verbandsgemeinden Kell und Hermeskeil geplant.

Mehrere Erfolgsfaktoren Seit 2006 die Tourist-Info in Kasel besteht, hat sich der Tourismus in der VG Ruwer positiv entwickelt. Das belegen Zahlen (siehe Info). Für Verwaltungschefin Nickels liegt der Erfolg am Zusammenspiel mehrerer Faktoren: der schönen Landschaft, dem hervorragenden Wein, der guten touristischen Infrastruktur und der Nähe zu Trier und Luxemburg.

Der Morscheider Grenzpfad mit Blick auf die Riveris-Talsperre ist eine beliebte Traumschleife. . Foto: Eike Bock

Während der Anstieg der Gästebetten von 388 im Jahr 2006 auf heute 500 hauptsächlich auf die Zunahme von Ferienwohnungen zurückzuführen ist, gibt es Nachholbedarf bei den Beherbergungsbetrieben. „Ein größeres Hotel würde uns gut zu Gesicht stehen”, sagt Günther Schuh. Vor allem im Osburger Hochwald gebe es nur wenige Hotelbetten.

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