Städtepartnerschaft: Tradition + Traubenlese = Freundschaft

Städtepartnerschaft : Tradition + Traubenlese = Freundschaft

Seit mehr als einem halben Jahrhundert lebt die Partnerschaft zwischen den Gemeinden Longuich-Kirsch und Cerisiers im französischen Burgund. Der neue Ortsbürgermeister setzt gleich ein Signal.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sie Signale zur Aussöhnung: Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden zweier Länder. Heute unterhalten deutsche Kommunen laut des Rates der Gemeinden und Regionen Europas weltweit mehr als 7 000 Partnerschaften, im Kreis Trier-Saarburg sind es rund 50. Eine davon besteht seit mehr als einem halben Jahrhundert zwischen Longuich-Kirsch und Cerisiers.

 Am historischen Ort, im Maximiner Hof, feiern Franzosen und Deutsche Jubiläum. Dort, wo vor genau 51 Jahren die Freundschaft zwischen der Gemeinde an der Mosel und dem heute rund 1000 Einwohner zählenden Dorf Cerisiers im französischen Burgund besiegelt worden ist. Longuichs Ortsbürgermeister Manfred Wagner ist erst seit wenigen Monaten im Amt. Cerisiers hat er bereits besucht. Ein Signal, wie wichtig ihm die Partnerschaft ist. „Eine gute Zukunft, allen Widrigkeiten, mit denen das gemeinsame Europa gerade zu tun hat, zum Trotz“, wünscht Wagner. Patrick Harper, Bürgermeister von Cerisiers, sagt in seiner Landessprache, dass Deutschland und Frankreich immer Motor für ein Europa sein würden, entgegen anderer Strömungen. „Es lebe die Freundschaft! – Vive l’amitié!“, sagten beide.

 Dass jährlich rund 50 bis 60 Menschen aus Longuich-Kirsch oder Cerisiers aufbrechen, um die jeweilige Partnergemeinde zu besuchen, ist Menschen zu verdanken, die gastfreundlich sind und sich engagieren: Betten bereitstellen, Frühstück machen, Ausflüge planen und begleiten – oder ein Jubiläumsfest auf die Beine stellen.

Die Vorsitzende des Comité du Jumelage von Cerisiers, Elisabeth Loison, bedankt sich mit einem Geschenk etwa bei der ehemaligen Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder für deren langjährigen Einsatz für die Partnerschaft.

Für Franz-Rudolf Schlöder, Vorsitzender des Deutsch-Französischen Freundeskreises Longuich und einer der Dolmetscher während der Feierlichkeit, ist die Partnerschaft von Beginn an eine Herzensangelegenheit, sogar eine besondere. Vor 47 Jahren hatte der Longuicher Elisabeth Hoogendam aus Cerisiers geheiratet – Elisabeth ist bereits verstorben.

 Aus der deutsch-französischen Partnerschaft sind zwar keine weiteren Ehen entstanden, aber viele Freundschaften und die Tradition einer deutsch-französischen Traubenlese. Zum Jubiläum sind zwölf neue Gäste gekommen. Jürgen Reinehr, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Schweich, hebt eine besondere Eigenschaft der Partnerschaft von Longuich-Kirsch und Cerisiers hervor: „Sie waren Wegbereiter für viele weitere Partnerschaften in der Verbandsgemeinde.“ Longuichs Weinkönigin Luisa I. sagt: „Für meine Generation ist Europa ohne Grenzen selbstverständlich, aber das war nicht immer so.“ Auch daran erinnern Gemeindepartnerschaften.

Während des Festes, das im vergangenen Jahr in Cerisiers gefeiert wurde, musizieren das Moselländische Blasorchester Longuich (Leitung Markus Benk) und eine Delegation des Kinder- Jugendchors des Theaters der Stadt Trier (Leitung Martin Folz). Jean Marchand, Conseiller départemental, begrüßt die Gäste ebenfalls. Wagner und Harper unterzeichnen eine neue Partnerschaftsurkunde – auf weitere 50 Jahre – und enthüllen eine Gedenkplakette an einem Haus am Maximiner Hof.

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