Traditionelles Zurlaubener Heimatfest in Trier steht vor dem Aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Insolvenzverfahren : Traditionelles Zurlaubener Heimatfest steht vor dem Aus – Stadt kündigt Gespräche an

War das 64. Zurlaubener Heimatfest im Juli das letzte? Die beiden Vereine, die die beliebte Veranstaltung in Trier bislang ehrenamtlich organisiert haben, werden das nach derzeitigem Stand künftig nicht mehr tun. Grund sei ein finanzielles Defizit im mittleren fünfstelligen Bereich.

Um die Planung des Festes am Moselufer auf eine professionellere Ebene zu heben, hatten die bisherigen Veranstalter in diesem Jahre eine Firma gegründet. Diese Firma „hat leider in der vergangenen Woche beim Amtsgericht Trier die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt“, teilt der Festausschuss Zalawen 2019 UG mit.

Diesen Schritt zu gehen, sei den Beteiligten sehr schwer gefallen, aber nicht mehr abzuwenden gewesen. „Nach Prüfung aller Möglichkeiten und einer fachgerechten Beratung mussten wir akzeptieren, dass es heute schlicht nicht mehr möglich ist, ohne öffentliche finanzielle Unterstützung eine Veranstaltung dieses Ausmaßes auf Privat- oder Vereinsebene zu realisieren.“

Die Stadt Trier reagierte am frühen Samstagabend auf die Nachricht vom drohenden Aus: „Trier ist ohne das Moselfest für viele junge wie alte Menschen in Trier kaum vorstellbar. Die Beteiligten in den Vereinen haben über viele Jahre engagierte und tolle ehrenamtliche Arbeit geleistet. Es wäre sehr schade, wenn es dieses Fest künftig nicht mehr geben würde.“ Kulturdezernent Thomas Schmitt kündigte an, schnell das Gespräch mit den Beteiligten in den Vereinen suchen zu wollen, „um Details über die bestehenden Probleme zu erfahren und mögliche Wege der Unterstützung der Ehrenamtlichen auszuloten“.

Zum Festausschuss, der das Fest ehrenamtlich organisiert, gehören der Männergesangverein Zurlauben 1896 (vertreten durch Andreas Weishaar und Christian Reichert) sowie die Karnevalsgesellschaft „M’r wieweln noch“ en Zalawen 1911 (vertreten durch Rolf Blumenau, Peter Kretzschmar, Hiltrud Metzen und Melanie Münster).

Als einen Grund für den Rückzug nennen die Veranstalter die gestiegenen Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen: „Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, da die Sicherheit aller Besucher an erster Stelle stehen muss. Allerdings sind die Ansprüche in jüngster Zeit so gestiegen, dass diese nicht mehr realisierbar sind.“ In unverhältnismäßiger Relation dazu stiegen die Kosten, die diese geforderten Maßnahmen möglich machten. Konkret gehe es dabei um Verkehrssicherheit, Sicherheitskonzepte, Sanitätsdienste, Technik und den entsprechend höheren Personalaufwand.

Auf der anderen Seite seien aber die Einnahmen immer weiter gesunken. „Einige ,Partner’ weigern sich schlicht, einen Beitrag zu den Allgemeinkosten zu leisten, die Akquisition von potenziellen Sponsoren wird schwieriger und Dritte profitieren ohne jegliche Beteiligung von dem Fest.“ Wer und was damit konkret gemeint ist, dazu wollte sich der Festausschuss auf TV-Nachfrage nicht äußern. Laut Peter Kretzschmar handelt es sich bei den „Partnern“ um „ganz unterschiedliche Teilnehmer am Fest, die uns gegenüber noch ihren Beitrag schuldig sind“. Auch in puncto Profiteure geht er nicht ins Detail. Nur so viel: „Hier sprechen wir von Personengruppen, die zwar von dem Fest profitieren, aber aufgrund von altvertraglichen Regelungen nicht zu einer Kostenbeteiligung verpflichtet werden können.“ Hier neue Wege einzuschlagen und funktionierende Strukturen aufzubauen, sei eine der großen geplanten Aufgaben für die zukünftigen Jahre gewesen.

Aber auch die Umgestaltung des Moselufers im Bereich Zurlauben habe ihren Teil zur jetzigen Situation beigetragen. Potenzielle Standflächen seien weggefallen - und damit auch Einnahmen.

Als „endgültigen K.o. für die Veranstaltung“ bezeichnen die bisherigen Organisatoren eine Rechnung der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema). Die Gema vertritt ihre Mitglieder (Komponisten, Texter und Musikproduzenten) und nimmt deren Urheberrechte wahr. Wird Musik also öffentlich genutzt, müssen die Urheber dafür bezahlt werden - über die Gema (siehe Info).

Auch der Zurlaubener Festausschuss bekam nun Post von der Gema: „Wir erhielten eine Rechnung im hohen fünfstelligen Bereich, die weder erklärbar noch tragbar ist. Das war der ausschlaggebende Punkt, dass die Gesellschaft überschuldet ist und die Zahlungsunfähigkeit droht. Dies wird die Unternehmergesellschaft in letzter Konsequenz unweigerlich in die Insolvenz führen.“

Schlussendlich seien alle diese Gründe verantwortlich für einen Fehlbetrag im mittleren fünfstelligen Bereich. „Da wir keinerlei Unterstützung von öffentlicher Seite erhalten und in der Finanzpolitik des Festes allein auf uns gestellt sind, können wir die entstandenen Defizite nicht mal eben ausgleichen. Und selbst wenn der im Raum stehende Fehlbetrag (...) ausgeglichen würde, wäre die selbe Problematik in den Folgejahren wieder gegeben.“

Dezernent Schmitt hingegen betont: „Das Zurlaubener Moselfest ist einer der Höhepunkte im Trierer Festleben und ein Magnet für Menschen aus der ganzen Region. Deshalb haben wir und die Sparkasse die Betreiber in diesem Jahr und in der jüngsten Vergangenheit auch finanziell unterstützt.“

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