Trau dich, Nein zu sagen

Die Initiative "Trau dich" hat Lehrer und Eltern über den Umgang mit sexuellem Missbrauch aufgeklärt. Ein Theaterstück vermittelt dabei Kindern ihre Rechte - und schafft es dabei sogar, die Kinder gut zu unterhalten.

Trier. Vladimir besucht seine Oma gerne. Sie ist wahnsinnig lustig, und er darf sich immer aussuchen, was er gerne zum Nachtisch hätte. Ein Problem gibt es aber mit Vladimirs Oma: Sie verteilt Schlabberküsse. Zudem nennt sie Vladimir immer noch Purzelbäumchen. Einfach, weil sie das immer schon gemacht hat. Vladimir fühlt sich dafür aber mittlerweile viel zu alt.
Vladimir ist einer von drei Protagonisten, deren Geschichte das Stück "Trau dich" erzählt. Es wird im Rahmen der gleichnamigen Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Europahalle Trier aufgeführt. Die bundesweite Initiative geht vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) aus.
Zuschauer sind Mädchen und Jungen der 5. und 6. Klassen der Trierer Schulen. Und die kommen im Stück auch selbst zu Wort. Zusammen mit den Schauspielern überlegen sie zum Beispiel, wie Vladimir seiner Oma klarmachen könnte, dass er keine Schlabberküsse mehr bekommen will.
"Er kann sagen, dass er das nicht mehr möchte", schlägt ein Mädchen vor. Da Vladimir schüchtern ist, entscheiden sie gemeinsam, dass ein Brief an die Oma eine gute Lösung wäre. Auch für dessen Inhalt liefern sie einige Vorschläge: "Ich habe dich lieb, aber ich mag nicht, dass du mich immer küsst" oder "Ich möchte, dass du mich respektierst". Vladimir kann seine Oma durch seinen Brief schließlich überzeugen. Sie bittet ihn, zukünftig etwas zu sagen, wenn sie sich wieder unangemessen verhält.
Die Geschichte der achtjährigen Alina zeigt den Kindern, "schlechte Geheimnisse darf man erzählen". Alina wird vom Verlobten ihrer Schwester missbraucht. Der redet ihr ein schlechtes Gewissen ein. Die Schwester dürfe nichts erfahren, das würde sie schließlich traurig machen. Letztendlich wird die Schwester selbst auf Alinas unübliches Verhalten aufmerksam. Sie hört dem Mädchen zu und nimmt seine Berichte ernst, obwohl ihr eigener Verlobter der Täter ist.
"Trau dich" richtet sich jedoch nicht nur an Kinder. Denn, so beschreibt es Andreas Beiling vom Kreisjugendamt Trier-Saarburg: "Eine gute Vorbereitung der Kinder braucht eine gute Vorbereitung der Fachkräfte und Eltern." Lehrern werden in einem Workshop Ansätze vermittelt, um Signale ihrer Schüler besser deuten zu können, und Themen wie Gewalt gegenüber Kindern in den Unterricht zu integrieren. Wie wichtig es ist, Kindern richtig zuzuhören, sie ernst zu nehmen und mit ihnen eine gemeinsame Sprache für heikle Themen zu finden, wird auf einem Elternabend herausgearbeitet. Ute Keiber-Schon von der Organisation Pro Familia betont, dass es sich bei "Trau dich" nicht um eine einmalige Aktion handeln soll. "Trau dich" solle in den Schulen zu einer Haltung werden.
Margaretha (10) fühlt sich nun besser vorbereitet. Dass die Kinder ihre Meinungen zu den Themen äußern konnten, hat ihr auch gut gefallen. Für Anna (9) ist es etwas befremdlich, dass die Szenarien des Missbrauchs so genau beschrieben worden sind. "Das ist aber auch gut so", findet sie. Auch Jana (10) hält das Thema des Stückes für wichtig. "Man kann sich trauen, Nein zu sagen", hält sie fest.
Teilnehmende Schulen: Bischöfliches Angela-Merici-Gymnasium, Bischöfliche Förderschule St. Josef, Privatschule St. Maximin, Nelson-Mandela-Realschule plus, Medard Schule Trier, Integrierte Gesamtschule Trier, Grundschule Ruwer und die Levana-Schule Schweich
Extra

Eine anonyme Erstberatung im Fall eines sexuellen Übergriffs kann die kostenfreie Nummer gegen Kummer bieten: 116 111. Weitere Beratungsstellen in Stadt und Kreis: Kinderschutzbund <%LINK auto="true" href="http://www.kinderschutzbund-trier.de" text="www.kinderschutzbund-trier.de" class="more"%> und Pro Familia, Telefon 0651/46302120. jus