Traum-Jahr und Olympia-Traum

Ich weiß nicht, ob es so etwas schon mal gab", sagt Richard Schmidt. Der 24-Jährige aus Trier stand 2011 immer ganz oben.

Keine einzige Niederlage - weder mit seinem Zweier-Partner Christof Wilke (Radolfzell) noch mit dem Vierer oder Achter in den Weltcup-Rennen sowie bei der WM. Schmidt war nicht zu schlagen. "Ich habe wirklich kein Rennen verloren", sagt Schmidt noch ein wenig ungläubig.
Entscheidend war vor allem, dass der Deutschlandachter mit dem Ruderer vom RV Treviris Trier zum dritten Mal in Folge Weltmeister wurde. Eine gute Ausgangsposition für die Olympischen Spiele sieht Schmidt darin, auch wenn der Druck natürlich gestiegen sei: "Klar, wir sind weiter die Favoriten. Aber das wollten wir ja auch bleiben. Das ist eine sensationelle Ausgangsposition. Jetzt heißt es kühlen Kopf bewahren."
Obwohl national (vor wenigen Wochen gewannen Schmidt und Wilke auch den Langstreckentest) und international in diesem Jahr ungeschlagen: Um seinen Platz im Deutschlandachter wird Schmidt auch im kommenden Frühjahr wieder kämpfen müssen. "Alles fängt wieder von vorne an", erklärt er. Einen Bonus bekommt auch Schmidt nicht. Aber natürlich haben ihn die vergangenen zwölf Monate weitergebracht: "So eine Saison prägt natürlich. Ich habe mehr Erfahrung und bin psychisch stärker geworden", sagt Schmidt.
Auch eine andere Erkenntnis brachte 2011: Hochleistungssport und Studium sind nur schwer miteineinander vereinbar. "Ich werde meinen Bachelor nicht vor Olympia schaffen", erklärt der Wirtschaftsingenieur-Student. Eine oder zwei Klausuren hofft Schmidt noch in diesem Semester schreiben zu können. Ein schwieriges Unterfangen, denn in der Olympia-Vorbereitung befindet sich die Nationalmannschaft die meiste Zeit im Trainingslager: Bis zwei Tage vor Heiligabend und wieder ab dem 2. Januar im italienischen Sabaudia sowie im Februar und März in Spanien. Das bedeutet beispielsweise vormittags erst zwei Stunden Rudern, dann bis zu zweieinhalb Stunden auf dem Rad-Ergometer, und nach der Mittagspause (Schmidt: "Da braucht man schon mal seinen Schlaf") geht es ab 15 Uhr ähnlich weiter.
Weil in einen solchen Trainingsplan nur schwer Lernzeit zu integrieren ist, ordnet Schmidt schweren Herzens das Studium dem Sport unter. Sein Ziel ist klar definiert: "Ich will nach London und eine Medaille gewinnen - und wenn es geht, Gold!" Holger Teusch