Trier: 10.000 Autos mehr innerhalb von zehn Jahren was tun?

Kostenpflichtiger Inhalt: Mobilität : 64 000 Autos in Trier und die Frage nach Rezepten gegen den Kollaps

10 000 Fahrzeuge mehr innerhalb von zehn Jahren. Das Thema Verkehr nimmt auch im Stadtrat Trier eine zunehmend wichtige Rolle ein. 

Wer sich in Trier am Morgen und in den Nachmittagsstunden für das Auto als Verkehrsmittel entscheidet, muss in der Regel viel Geduld mitbringen. Sobald auf dem Alleenring ein Unfall passiert, mutiert der dichte Verkehr zu Chaos. Kaum ein Mitglied im Trierer Stadtrat zweifelt daran, dass sich diese Situation ohne Reglementierung  weiter verschärfen wird. Davon zeugt auch die Tagesordnung der Sitzung am Dienstag. Sechs Mal drehte sich da die Diskussion um Autos, ÖPNV und Radfahrer. 

Wie schwierig es ist, in Trier die Menschen von neuen Möglichkeiten der Mobilität zu überzeugen, zeigen die Zahlen, die Dezernent Andreas Ludwig von der Zulassungsstelle mitgebracht hat. „Aktuell sind 65 770 PKW in Trier zugelassen. Das sind 10 000 mehr als vor zehn Jahren.“ Mehr als jeder zweite Bewohner in Trier verfügt demnach über ein Auto. Im Kreis sei die Zahl der Fahrzeuge im gleichen Zeitraum sogar um 30 000 gestiegen.

  „Wir haben so viele Zulassungen wie nie zuvor“, macht Ludwig klar. „Das komplett auf das Rad oder den ÖPNV zu bringen, ist nicht zu leisten.“ In der Diskussion um die bessere Leitung der Verkehrsströme verweist er auf das Mobilitätskonzept 2025, das 2006 im Rahmen eines Bürgerforums und sieben Jahre später in einem mehr als 300 Seiten umfassenden Papier vom Trierer Stadtrat verabschiedet wurde. Die darin formulierten Ziele sind Anteile von 45 Prozent Verkehr mit dem Auto, 20 Prozent mit Bus oder Bahn, 15 Prozent mit dem Fahrrad und 20 Prozent zu Fuß. Entwicklungen beim Fahrrad habe es gegeben, berichtet der Dezernent. Eine Analyse zum Stand der Umsetzung des Konzeptes sei derzeit in Arbeit.

Vor allem die Grünen-Fraktion drängt mit Blick auf den ausgerufenen Klimanotstand auf Veränderungen. „Wenn wir mit der Mobilitätswende anfangen wollen, müssen wir aktiv werden“, fordert Thorsten Kretzer, der den Antrag für eine Stellplatzsatzung einbringt, die der Stadt mehr Flexibilität ermögliche. Zum Beispiel sollen beim Neubau von Sozialwohnungen weniger als die derzeit 1,25 Parkplätze pro Einheit verpflichtend sein. Die Verknappung von Stellplätzen soll den Druck für die Allgemeinheit erhöhen, auf das eigene Auto zu verzichten.

Als Prüfauftrag an die Verwaltung findet das Anliegen der Grünen eine Mehrheit, obwohl viele von CDU, FDP, UBT und AfD dieser Argumentation nicht folgen können. „Wir müssen Quartiersgaragen schaffen“, schlägt Udo Köhler (CDU) vor. AfD-Sprecher Michael Frisch wehrt sich gegen Einschränkungen für Autofahrer.  Und auch FDP-Mann Tobias Schneider kann sich nur schwer mit Einschränkungen für Autofahrer anfreunden. „Es geht darum, darüber zu sprechen, was wir in Trier wollen“, ist dennoch seine treffende  Forderung.

Überwiegend einig sind sich die Fraktionen darüber, dass nach der Erhöhung der Bus- und Bahntickets auch die Parkgebühren in Trier steigen müssen. Denn nur wenn die Fahrt mit dem Auto in die Stadt mehr koste als die Busbenutzung, bleibe ein Umstieg auf den ÖPNV attraktiv. Um wie viel die Preise für die 3200 Parkplätze in den SWT-Parkhäusern- und Tiefgaragen und auf den mehr als 7000 öffentlichen Parkplätzen steigen sollen, und wann das umgesetzt wird, soll auf Antrag der SPD zunächst vom Arbeitskreis Parken diskutiert werden. Mit ihrem Antrag, eine neue Gebührenordnung zum 1. Januar 2021 in Kraft zu setzen und Mehreinnahmen für den ÖPNV und die flächendeckende Einführung des bislang nur auf dem Augustinerhof möglichen Handy-Parktickets zu verwenden, finden die Grünen allerdings keine Mehrheit. 

Aus Eigenmitteln wird die Stadt Trier einen kostengünstigen ÖPNV nicht umsetzen können. Das ist im Stadtrat unstrittig. Was tun? Während die CDU in einer Resolution das Land auffordern will, sich stärker zu beteiligt, richten SPD, Grüne und FDP – die in der Landesregierung vertretenen Parteien – diese Forderung an den Bund. Nach langer Diskussion und Sitzungsunterbrechung die salomonische Lösung: Beide Forderungen werden in einer Resolution gebündelt und einstimmig verabschiedet. Es gibt also auch Verkehrsthemen, bei denen sich der Rat einig ist.

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