Trier: 32 von 34 Spielhallen müssen schließen

Glücksspiel : Dutzende Spielhallen in der Region vor dem Aus

Das Glücksspielgesetz zwingt Spielotheken zur Aufgabe – auch in Schweich. Allein der Stadt Trier drohen Steuerausfälle in Millionenhöhe.

Zwei Spielhallen gibt es bislang in Schweich – beide haben nach dem neuen Glücksspielgesetz keine neue Konzession mehr erhalten. „Beide Stätten haben ab dem 30. Juni 2021 keine glücksspielrechtliche Erlaubnis und müssen schließen“, sagt Büroleiter Wolfgang Deutsch von der Vebandsgemeindeverwaltung Schweich. Von der Spielothek in der Isseler Straße sind es nur etwa 250 Meter bis zur Grundschule. Ebenso ist das Etablissement in der Richtstraße nur 500 Meter entfernt von der Schule. Und auch mit dem Jugendheim der Stadt Schweich in der Hofgartenstraße kollidiert die neue Abstandsregel, die Spielhallen im 500-Meter-Radius rund um Einrichtungen, die von Kindern und Jugendlichen besucht werden, verbietet.

In Trier gibt es insgesamt 34 Spielotheken. Pro Spielhalle dürfen maximal zwölf Geldspielautomaten aufgestellt werden. Einige Betreiber haben daher Mehrfachkonzessionen und betreiben an einem Standort mehrere einzelne Spielhallen, deren Eingänge und Räume allerdings strikt voneinander getrennt sein müssen.

Die große Dichte der Spielhallen in der Trierer City wird den Betreibern nun zum Verhängnis. Denn das neue Glücksspielgesetz schreibt vor, dass nicht nur zu Jugendeinrichtungen wie Schulen und Sportstätten künftig ein Mindestabstand von 500 Metern eingehalten werden muss. Auch untereinander dürfen Spielhallen diesen Radius nicht unterschreiten.

Von den 34 Einzelspielhallen an 16 Standorten in Trier haben daher 32 Spielotheken keine glücksspielrechtliche Erlaubnis mehr erhalten. Bis zum 1. Juli 2021 läuft die Übergangsfrist. Danach dürfen sie keine Geldautomaten mehr aufstellen – was faktisch das Aus bedeutet.

Die Löwen Entertainment GmbH etwa betreibt in der Trierer Paulinstraße und an der Treviris-Passage jeweils zwei Admiral-Spielhallen – alle vier müssen schließen. Elf Mitarbeiter verlieren dann wohl ihre Jobs (siehe Interview oben).

In der Admiral-Spielhalle in der Paulinstraße sitzen an diesem frühen Nachmittag im Januar vereinzelt Spieler, die ihre Münzen in die Geldschlitze werfen und auf Gewinne hoffen. Eva-Maria Theisen ist Gebietsleiterin für 14 Admiral-Spielhallen in der Region: „Die meisten Spieler sind Stammkunden. Nur wenige haben die Sache allerdings nicht im Griff. Darauf, solche pathologischen Spieler anzusprechen und Hilfe anzubieten, sind alle unsere Mitarbeiter geschult.“ Etwa vier bis fünf Meldungen – davon etwa ein bis zwei Fälle aus Trier – gebe sie pro Woche an die Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention (GSP) weiter, die von den drei größten Spielhallenbetreibern Deutschlands unterhalten wird. Berater der GSP würden sich dann mit den auffälligen Spielern in Verbindung setzen, um Hilfe anzubieten.

„Solche Maßnahmen für den Spielerschutz halten wir für viel sinnvoller als das Schließen nach Abstandskriterien“, sagt GSP-Präventionsberater Stefan Nikki. „Oder glauben Sie ernsthaft, dass Kinder und Jugendliche vom bloßen Vorbeigehen an einer Spielhalle süchtig werden?“ Nach den Abstandsregelungen im neuen rheinland-pfälzischen Glücksspielgesetz dürfen in Trier lediglich zwei Spielhallen über den 1. Juli 2021 hinaus weiter betrieben werden. Beide Spielotheken befinden sich an der Zurmaiener Straße in der Nähe des Verteilerkreises Trier-Nord.

Doch auch diese beiden Einrichtungen müssen Federn lassen: Die Merkur-Spielothek in der Zurmaiener Straße 153 hatte bislang eine fünffache Konzession mit der Erlaubnis, maximal 60 Geldspielgeräte aufzustellen. Das Löwen-Play-Casino in der Zurmaiener Straße 173 hat sogar eine siebenfache Konzession und durfte bis zu 84 Geldautomaten aufstellen. Bereits zum Sommer wurden die Stückzahlen reduziert, ab Juli 2021 dürfen beide Riesenkomplexe nur noch jeweils zwölf Automaten ihren Gästen zur Verfügung stellen.

„Die zu erwartenden Leerstände werden eine Herausforderung sein, aber auch eine Chance, neue – eventuell noch nicht vorhandene – Ladenkonzepte zu etablieren“, erklärt Gerd Guillaume, Vorsitzender der City-Initiative Trier.

Auch für die Stadt bedeutet das neue Gesetz Einschnitte. „Im Jahr 2017 hat die Stadt aus der Vergnügungssteuer für Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten rund 4,6 Millionen Euro eingenommen“, erklärt Rathaussprecher Michael Schmitz auf TV-Nachfrage.

Bislang gibt es in Trier 377 Geldspielgeräte in Spielotheken. 77 Trierer Gaststätten haben laut der zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ebenfalls Geldspielautomaten aufgestellt. Die Kneipen sind vom neuen Glücksspielgesetz  allerdings nicht betroffen.

Auch die vom Staat betriebene Spielbank im Obergeschoss des Mercure-Hotels an der Porta Nigra mit ihren 80 Geldspielautomaten bleibt von den neuen Abstandsregeln unberührt – trotz ihrer Nähe etwa zur Porta-Nigra-Schule.

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