1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Trier: Am Rathaus fehlen die Geranien

Rathaus : Schmuck verschwindet vom Trierer Rathaus: Sag mir, wo die Blumen sind ...

Den Song von Marlene Dietrich könnte man beim Anblick der Rathausfassade anstimmen. Während die Blumen im Lied für die Gräber gefallener Soldaten bestimmt sind, gibt es in Trier einen praktischen Grund für das Verschwinden.

Karl-Marx-Stadt? Weltkulturerbe-Stadt? Römerstadt? Von wegen: Trier ist eine Geranienstadt! Wer’s nicht glaubt, bitte einmal auf dem Hauptmarkt umschauen. Dort blüht es in allen Schattierungen von Rosa und Rot, so überschwänglich, dass man die Blumenkästen darunter kaum noch sieht. Von einer „Zwangsgeranisierung“ hatte gar der ehemalige Trierer Stadt-Schreiber Frank Meyer in einer seiner legendären Kolumnen fabuliert.

In dem Haus, in dem er wohnt, würden alle Mieter von der Hausverwaltung mit Blumenkästen und „Scheranien“ ausgestattet. Die Pflicht, sich um die Blumen zu kümmern, haben die Hausbewohner. Und so blühen und grünen die Pelargonien – übrigens im 17. Jahrhundert aus Südafrika in Deutschland eingewandert – rund um Triers gute Stube, wo immer man nur hinschaut.

„Geranisiert“ war auch stets das ehrwürdige Trierer Rathaus. Zumindest bislang gaben im Frühjahr und Sommer wohl Tausende Blüten der grauen Fassade ein freundliches Gesicht. In diesem Jahr sind die rund 40 Fenster zum Augustinerhof allerdings ganz gewöhnliche Fenster. Ohne üppiges Bukett.

Was ist passiert? Sind die Geranien dem rigiden Sparkurs des Rathauses zum Opfer gefallen? „Nein“, beruhigt Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz den TV und alle Blumenfreunde. Vielmehr solle die Verwaltungsfassade von Schmutz und Dreck und Gießwasserspritzern bewahrt werden. Das Rathaus wurde nämlich just neu angestrichen, in einem frischen Mausgrau. Und da die alten Blumenkästen keine Spritzwasservorkehrung hatten, ist in diesem Jahr auf das Bepflanzen verzichtet worden. „Unsere schöne neue Fassade wäre sonst schnell wieder in einem unschönen Zustand“, erklärt Pressesprecher Schmitz.

Am Ende des Tunnels leuchtet es allerdings schon wieder geranienrosa: „Das Grünflächenamt möchte die viel gelobte, schöne Bepflanzung möglichst schon zur nächsten Blühsaison wieder aufleben lassen“, verspricht Schmitz. Gesucht werde in der Verwaltung nur noch „nach einer Möglichkeit, das ohne Dreck an der Fassade zu tun“. Beispielsweise durch „Blumenkästen mit Rückhaltungsfunktion“, erläutert Schmitz das behördliche Problem. Wenn alles gut gehe, könne das Rathaus allerdings im Frühjahr 2019 wieder erblühen. Na, dann wird ja alles wieder gut in der Geranienstadt Trier.