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Trier: Angeklagter „Reichsbürger“ hat Menschen mit Softair-Pistole beschossen

Volksverhetzung und Bedrohung : Schüsse am Alleencenter: Angeklagter „Reichsbürger“ war 2017 in Vorfall in Trier verwickelt

Im Prozess gegen einen 51-jährigen Trierer am Schöffengericht gab es bisher nur Andeutungen zu Vorstrafen. Nun bestätigt ein Gerichtssprecher, dass der Mann 2017 einen Einsatz ausgelöst hat, bei dem die Bundespolizei mitten in Trier einen Warnschuss abgefeuert hat.

Ein 51-Jähriger aus Trier soll unter anderem Polizisten und Nachbarn verleumdet, den Notruf unzulässig benutzt, Volksverhetzungen im Internet begangen und Mitarbeiter des Bürgeramts und der Zensusstelle der Stadt Trier bedroht haben. Viele der 25 ihm vorgeworfenen Straftaten hat der einschlägig vorbestrafte Mann gestanden, wenn auch zum Teil anders interpretiert als von der Staatsanwaltschaft. Diese Taten bereute der Mann vor Gericht und brach dabei mehrfach in Tränen aus.

Etwas gab er jedoch nicht zu: Ein Reichsbürger – diesem Milieu von staatsfernen Menschen aus dem rechten Spektrum ordnet die Staatsanwaltschaft den Mann zu – sei er nicht, betonte er vor Gericht. Er sei Mitglied der Linkspartei.

Wie kommen die Ermittler darauf, dass der Mann ein Reichsbürger sein soll? Und warum stand er als rückfallgefährdeter Straftäter unter besonderer Beobachtung der Polizei?

Trier: 2017 feuerte der Angeklagte eine Softair-Pistole im Alleencenter

Ein Grund dafür sind sicherlich seine zahlreichen Vorstrafen. Um welche es sich handelt, blieb am ersten Verhandlungstag offen. Im Nachgang bestätigt Gerichtssprecher Felix Heinemann jedoch die Ergebnisse einer TV-Recherche: 2017 war der Angeklagte an einer öffentlichkeitswirksamen Straftat in Trier beteiligt, in deren Folge er bis zu seiner Haftentlassung im Jahr 2019 eine Gefängnisstrafe abbüßen musste.

Am 25. März 2017 hatte der Mann laut Staatsanwaltschaft in einem Supermarkt im Trierer Alleencenter Lebensmittel, Tabak und Alkohol gestohlen. Dabei habe er eine Softair-Pistole im Rucksack bei sich getragen. Außerhalb des Alleencenters geriet der Mann dann mit seinem Begleiter in Streit. Er habe ihn bedroht und dann mehrfach mit der Softair-Waffe auf ihn geschossen. Anschließend soll der Mann auch Security-Mitarbeiter des Alleencenters und mehrere Passanten mit der Druckluftwaffe bedroht, beschossen und geschlagen haben. Zudem soll er vor den eingreifenden Bundespolizisten geflohen sein. Nachdem die Beamten einen Warnschuss abgegeben hatten, habe der Flüchtige einem weiteren Mann mit der Softair-Pistole gegen den Kopf geschossen, hieß es damals in der Anklage.

Dass die Behörden den heute erneut Angeklagten als Reichsbürger bezeichnen, ist wohl auch in den Umständen der damaligen Festnahme begründet. Der Mann hat demnach nicht nur die Polizeibeamten beleidigt, sondern auch den Hitlergruß gezeigt und gerufen. Außerdem habe er sich selbst als Angehöriger der Reichsbürgerbewegung bezeichnet. Die Vorwürfe lauteten damals unter anderem Diebstahl mit Waffen, mehrfache gefährlicher Körperverletzung sowie auf Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Das ist eine Episode aus dem Leben des 51-Jährigen, die ein Stück weit erklärt, warum die Behörden den Mann heute als Reichsbürger bezeichnen, obwohl er selbst sich aktuell vor Gericht anders darstellt. Der Prozess gegen den Mann wird am Montag, 13. Februar, fortgesetzt.