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Trier: Aufatmen in Heiligkreuz: Fliegerbombe ist entschärft (Fotos/Video)

Kostenpflichtiger Inhalt: Blindgänger : Spezialisten entschärfen Bombe aus sicherer Distanz (Fotos/Video)

Mit Routine und 200 Einsatzkräften ist der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht worden. 2700 Menschen mussten ihre Wohnungen räumen.

Nach dem Fund des Blindgängers bei Ausschachtungsarbeiten für einen Schwimmingpool auf einem Privatgrundstück nahe dem oberen Mattheiser Weiher am Montag und der ersten Begutachtung durch den Kampfmittelräumdienst ist für Unbeteiligte nur schwer erkennbar, dass da ein gefährlicher Sprengkörper nach 75 Jahren ans Tageslicht gekommen ist. So richtig ernst für rund 2700 Menschen aus Heiligkreuz und von der Weismark, die in einem Umkreis von 500 Metern wohnen, wird es erst am Mittwochnachmittag. Da werden auf den Straßen am Rande des zu räumenden Gebiets Straßensperren aufgebaut.

Polizeibeamte postieren sich und achten darauf, dass Autofahrer oder Fußgänger nur noch in eine Richtung unterwegs sind: Raus aus dem Gebiet, das zur Sicherheit geräumt werden muss. Denn für den Fall der Fälle ist es notwendig, weit genug von einer Detonation entfernt zu sein.

Bombenentschärfung in Trier

Das Sperren der Straßen ist die eine Sache. Ohne Kontrolle geht es jedoch nicht. Deshalb sind auf dem Vorplatz der Abtei St. Matthias die Berufsfeuerwehr und Mannschaften mehrerer freiwilligen Feuerwehren aus dem Stadtgebiet versammelt. Nach einer Einsatzbesprechung geht es los. Ausgestattet mit Kreide überprüfen sie, ob auch wirklich alle Hausbewohner ausgeflogen sind. Wo das der Fall ist, wird ein Kreuz in einem Kreis auf den Bürgersteig gezeichnet. Drohnen der Hundestaffel- und Ortungsgruppe der Berufsfeuerwehr sowie ein Polizeihubschrauber sorgen ebenfalls dafür, dass sich nur noch das Team vom Kampfmittelräumdienst in dem Sicherheitsbereich befindet.

Foto: Rainer Neubert

Etwas größer ist die Distanz zur Wolfsberghalle. Dort werden 27 Einwohner – vor allem ältere Damen und Herren – betreut. Sie wohnen zum großen Teil schon viele Jahre in Heiligkreuz oder auf der Weismark. Doch eine Evakuierung wegen einer Bombenentschärfung hat noch niemand erlebt. Ein längerer Spaziergang war für eine Frau keine Alternative zum Aufenthalt in der Halle. „Man weiß ja nicht genau, wie lange das dauert“, sagt sie. Ein Mann ist zu Fuß aus Heiligkreuz den Berg hinaufgekommen. Er ist zuversichtlich, dass die Entschärfung funktionieren wird. Einige pflegebedürftigen Anwohner befinden sich zu diesem Zeitpunkt vorübergehend im Krankenhaus.

Gegen 19.30 Uhr haben dann alle rund 2700 betroffenen Einwohner der beiden Stadtteile eine genügend große Distanz zwischen sich und der Bombe gelassen. Damit ist die Zeit der vier Männer vom rheinland-pfälzischen Kampfmittelräumdienst gekommen. Sie kommen dem Sprengkörper jedoch nur relativ nahe. Ein Haus trennt sie vom Blindgänger. Die Wände des Gemäuers sollen das Schlimmste verhindern, falls der Entschärfungsplan doch nicht aufgeht. So geschützt, wird der Zünder aus seinem Gewinde gedreht, sagt Kampfmittelräumdienst-Kolonnenführer Marco Ofenstein. Das funktioniere so ähnlich wie bei einer Ratsche, die mit einem langen Seil verbunden ist. Stück für Stück. Feinarbeit aus der notwendigen Distanz heraus.

So geht keine Gefahr mehr vom Blindgänger aus. Das Team des Kampfmittelräumdiensts hat am Mittwochabend die britische Fliegerbombe innerhalb weniger Minuten unschädlich gemacht. Foto: TV/Harald Jansen

26 Minuten dauert es dieses Mal, bis der Blindgänger entschärft ist. Um 19.56 kommt die Meldung, auf die alle gewartet haben: Die Bombe ist entschärft. Kurze Zeit später sind die Einzelteile des Sprengkörpers zum Abtransport bereit. Alle Beteiligten sind zufrieden. Die Stimmung ist gelöst. Und der Besitzer des Grundstücks kann wieder ruhig schlafen. Er sagt. „Ich würde Sie ja gern alle zur Einweihung des Pools einladen.“ Doch so viel Platz bietet das Bassin dann doch nicht. Schließlich sind am Mittwoch mehr als 200 Einsatzkräfte aktiv gewesen, 100 von der Berufsfeuerwehr Trier und den Freiwilligen Löschzügen Ehrang, Zewen, Stadtmitte, Olewig, Kürenz, Irsch und Euren. Die Polizei war mit rund 70 Kräften vor Ort. Außerdem unterstützten 60 Freiwillige von Arbeiter Samariter Bund, Deutschem Roten Kreuz und Malteser Hilfsdienst den Einsatz.