Trier: Aus für Neubau der Wolfsberghalle

Kostenpflichtiger Inhalt: Sport : Aus für Neubau der Trierer Wolfsberghalle

9,5 Millionen Euro wollte die Stadtverwaltung für den Bau einer neuen Sportstätte bei Trier-Mariahof ausgeben. Stattdessen soll nun die alte Halle saniert werden.

Die alte Wolfsberghalle bei Mariahof sei so marode, dass sich ihre Instandsetzung nicht lohnt: Davon war der Trierer Stadtvorstand noch vor gut einem Jahr felsenfest überzeugt. Die Sportstätte müsse neu errichtet werden. Geschätzte Baukosten: 9,5 Millionen Euro.

Diesen Plänen stimmte der Stadtrat im März 2018 zu. Und auch vor der Kommunalwahl im Mai 2019 sprachen sich CDU, SPD, Grüne, UBT und Linke noch für den Hallenneubau aus. Lediglich die FDP forderte, dass aus Kostengründen die Sanierung der alten Halle noch mal geprüft werden müsse. Und auch die AfD signalisierte Skepsis.

Mittlerweile hat die Stadtverwaltung noch mal nachgerechnet. Und siehe da: Die Sanierung der alten Halle soll nun nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlicher sein als ein Neubau – der damit vom Tisch ist. Der Steuerungsausschuss hat am Dienstag dem Sanierungsvorhaben bereits grundsätzlich zugestimmt. Im Stadtrat war die Sache am Donnerstagabend Thema – bis Redaktionsschluss hatte das Gremium allerdings noch nicht darüber abgestimmt.

Nach der neuen Rechnung der Stadtverwaltung soll die Hallensanierung gut 6,6 Millionen Euro kosten. Das sind 69 Prozent der bislang prognostizierten Neubaukosten von 9,5 Millionen Euro. Damit ein Neubau als wirtschaftlicher eingestuft wird als eine Sanierung, müssen nach Vorgaben des Landes die Sanierungskosten mindestens 80 Prozent der Neubaukosten betragen.

Bezuschusst werden soll die Sanierung aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KI) 3.0 des Landes Rheinland-Pfalz. Der Sondertopf sieht eine bis zu 90-prozentige Förderung vor. Bei Baukosten von 6,6 Millionen Euro wären das rund sechs Millionen Euro. Blieben noch 600 000 Euro übrig, die die Stadt aus eigener Tasche zahlen muss. Das Mainzer Finanzministerium und das Bildungsministerium hätten diese Förderfähigkeit „grundsätzlich festgestellt“, heißt es in den städtischen Beschlussunterlagen. Nun drängt die Zeit. Denn Projekte, die aus dem KI 3.0 finanziert werden, müssen spätestens Ende 2022 fertig sein. Beginnen sollen die Sanierungsarbeiten im April 2020.

Der Zeitdruck, unter dem die Stadtverwaltung umgeplant hat, war offenbar so groß, dass keine Zeit blieb, die Fraktionen zu informieren. Augenscheinlich ohne von der Sanierungsentscheidung Kenntnis zu haben, hatte die CDU-Fraktion noch vor wenigen Tagen eine Anfrage nach dem Sachstand Wolfsberghalle im Rathaus eingereicht. In der Ratssitzung am Donnerstag wurde die CDU-Anfrage quasi von der Beschlussvorlage des Stadtvorstandes überholt.

Die Stadt spart durch die Entscheidung etliche Millionen Euro. Denn für den geplanten 9,5-Millionen-Neubau hatte Mainz aus normalen Schulbaufördermitteln einen maximalen Zuschuss von 3,37 Millionen Euro avisiert.

Andererseits birgt die Sache auch Probleme: Denn während der Generalsanierung fällt die Wolfsberghalle nicht nur für den Sportunterricht der benachbarten Integrierten Gesamtschule aus, sondern auch für Training und Turniere vieler Vereine. Dass parallel die große Sporthalle am Mäusheckerweg in Trier-Ehrang neu gebaut wird und derzeit nicht zur Verfügung steht, verschärft die Situation.

Wäre die Wolfsberghalle dagegen neu gebaut worden, hätte der Altbau zunächst weiter genutzt werden können. Auf Nachfrage der CDU erklärte Sportdezernentin Elvira Garbes: „Wir wollen versuchen, die alten Bezirkssporthallen in Feyen und Trier-West – die ja derzeit durch Neubauten ersetzt werden, aber noch vorhanden sind – während der Sanierung der Wolfsberghalle als Ausweichquartiere zu nutzen.“ Rechtlich abgeklärt sei das allerdings noch nicht. „Alternativ müssten wir nochmal überlegen, Schulsport in der Messeparkhalle stattfinden zu lassen“, sagte Garbes.

Ein Problem könnte das Umschwenken auf Sanierung statt Neubau allerdings auch lösen: Weil völlig unklar war, wie der 9,5-Millionen-Euro-Neubau finanziert werden könnte, hatte die Stadt über eine Reduzierung der Baupläne nachgedacht, um Kosten einzusparen. Eine Option war, auf eine Tribünenanlage zu verzichten. Dagegen hatten sich allerdings die Sportvereine und -verbände heftig gewehrt. Bei der Sanierung der alten Halle soll die bisherige Tribüne dagegen durch eine neue ersetzt werden. „Wenn der Zuschussgeber zustimmt, könnten die bestehenden 462 Sitzplätze erhalten werden“, erklärte Baudezernent Andreas Ludwig.

Zumindest ein Trierer hatte übrigens von Anfang an gefordert, dass die Wolfsberghalle erhalten werden sollte statt neu gebaut: Herbert Schumacher, Vizepräsident des Handballverbands Rheinland. „Der richtige Weg wäre, die bestehende Halle zu sanieren, statt dort einen riesigen neuen Sporttempel für 9,5 Millionen Euro hinzustellen“, hatte Schumacher in der Vergangenheit mehrfach betont.

Dem Bauingenieur und Architekten war übrigens auch als Erstem die eklatante Fehlplanung der Stadt für den Neubau der Halle am Mäusheckerweg aufgefallen. Von der dort ursprünglich vorgesehenen Tribünenanlage wäre das Handballfeld zu großen Teilen nicht einsehbar gewesen. Auch Abschnitte des Basketballfelds hätten für Zuschauer im Verborgenen gelegen. Erst nach massiver Kritik Schumachers hatte die Stadt die Tribüne umplanen lassen.

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