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Trier: Baumbesetzer kämpfen weiter​: Waldstück in Trier seit 1 Jahr besetzt​

„Wir bleiben“ : Baumbesetzer kämpfen weiter - Waldstück in Trier seit gut einem Jahr besetzt (Fotos)

In Trier hält sich ein Baumhaus-Camp gegen eine geplante Straße durch den Wald besonders lange. Bundesweit gibt es etliche Waldbesetzungen von Umweltaktivisten. Den jungen Menschen in Trier geht es um mehr.

Wenn Meier schlafen gehen will, muss er erstmal klettern. Er legt sich seinen Gurt um und hangelt sich über Seile in knapp zehn Metern Höhe zu einem Baumhaus. „Da schläft es sich gut“, sagt der 20-Jährige. Und vor allem: Man hat dort einen guten Blick über das Camp. Meier - wie sich der Student mit „Waldnamen“ nennt - gehört zu einem Team von Umweltaktivisten, die seit mehr als einem Jahr ein Waldstück zwischen Trier-Zewen und Igel besetzt haben. Um nicht erkannt zu werden, hat er sich vermummt.

Bau des sogenannten Moselaufstiegs soll verhindert werden

Die jungen Leute wollen den Bau des sogenannten Moselaufstiegs - einer vierspurigen Straße durch den Wald - verhindern. Das seit Jahrzehnten in Region und Land umstrittene Projekt steht seit 2016 als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan 2030. „Wir bleiben hier, bis gesagt wird, die Straße wird nicht gebaut - oder bis die Polizei kommt und räumt“, sagt Meier, der meist drei, vier Tage die Woche im Camp ist. Wie die anderen Aktivisten, habe er auch ein Zimmer in der Umgebung.

Gerade ist er dabei, aus alten Paletten ein neues Baumhaus zu bauen. Die Plattform steht bereits. „Wir haben 10 bis 15 Schlafplätze hier. Wenn man draußen schläft, können sogar 25 bis 30 Leute übernachten“, sagt er. Herzstück des Camps mit knapp zehn Hütten und Häusern ist ein großes dreigeschossiges Baumhaus auf Stelzen. „Es heißt, je nachdem wen man fragt, Tower für Turm oder Black Pearl.“ Dort finden sich auch eine kleine Küche mit Arbeitsplatte, Ofen und Kochplatte, Regale mit Lebensmitteln, eine „Spülstraße“ und ein Matratzenlager.

Den Trierer Waldbesetzern geht es um mehr als um den Kampf gegen den Bau des Moselaufstiegs. Mit dem Camp sei ein Ort geschaffen worden, in dem man sich generell für Klimagerechtigkeit und Umweltschutz stark mache, sagt Meier. Für eine „echte Verkehrs- und Energiewende“ - und gegen den Bau von neuen Straßen überhaupt. Man sei vernetzt mit Teams aus anderen Waldbesetzungen - von den es bundesweit aktuell mindestens zehn gebe. Immer wieder kämen zum Austausch Leute aus anderen Besetzungen vorbei. „Man hilft sich untereinander.“

Die Waldbesetzung in Trier ist die einzige in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Die Aktivisten bekommen aus der Umgebung Unterstützung. Bei Anwohnern in Igel (Kreis Trier-Saarburg) zum Beispiel können sie sich Wasser in Kanistern holen, andere übernehmen Müll oder bieten Wasch- und Duschmöglichkeiten an. Zudem gibt es Spenden von selbst gekochter Marmelade über Holz bis Matratzen. Zum Kernteam im Camp gehören zehn Personen - und seit kurzem produziert eine eigene Solaranlage reichlich Strom.

Anwohner finden Baumbesetzer-Projekt sinnvoll - Sogar ein 12-Jähriger hilft den Klimaaktivisten

„Ich finde das Projekt sinnvoll“, sagt eine Anwohnerin. Denn es lenke die Aufmerksamkeit auch „auf ein großes Problem, das wir haben: den Klimawandel“. Fritz (Name geändert) wohnt in der Nähe des Camps und geht jede Woche vorbei. „Ich helfe beim Bauen vom Baumhäusern oder baue selber welche“, sagt der Zwölfjährige. Er sei gerne dort. „Es ist sehr wichtig, dass man das unterstützt, denn es ist absurd, dass man jetzt noch so neue Straßen baut.“

Der Slogan der Trierer Waldbesetzer lautet „Besch bleibt!“, wobei Besch im Trierer Platt für Wald steht. „Wir sind die Generation Waldbesetzung“, teilen die Aktivisten mit. In Zeiten der Klimakrise müsse jedes Waldstück geschützt werden. Daher sei es letztlich das Ziel, den Bundesverkehrswegeplan 2030 ganz zu kippen - der unter anderem weitere 850 Kilometer Autobahn vorsehe.

Die Stadt Trier hatte 2021 Bedenken, die Waldbesetzung könne eine Form des illegalen Campings im Wald und damit einen Verstoß gegen das Landeswaldgesetz, das dem Schutz des Ökosystems Wald dient, darstellen, sagt der Sprecher. Die zuständige Behörde aber, Landesforsten Rheinland-Pfalz, habe diese Bedenken nicht geteilt.

Forstrechtlich gebe es derzeit keine Beanstandungen, sagt der Leiter des Forstamtes Trier, Gundolf Bartmann. Die Aktivisten verfolgten ihr Projekt naturverträglich, machten kein offenes Feuer und störten weder Tier- noch Pflanzenleben. „Sie haben ja nicht das Anliegen, ein Rockerfestival zu machen, sondern den Wald zu schützen“, sagt der Landesförster. Daher lasse man sie von Landesforsten aus gewähren. Das Thema Waldbrandgefahr habe man im Blick und kontrolliere auch.

Die Entwicklung der baulichen Anlagen müsse die Stadt als Eigentümer prüfen. Dabei geht es laut Bartmann um die Frage: Ist das nicht mehr nur Zelten und Campen, sondern werden da feste Anlagen installiert? Auch er habe unterschätzt, wie lange sie blieben.

Meier sagt, man merke, dass die Klimaschutzbewegung immer stärker werde. „Der Ton hat sich massiv verändert, auch weil die Dramatik ja immer ernster wird. Die Leute merken, es gibt den Klimawandel: mit Fluten, Hitze und Trockenheit.“ Politiker seien gezwungen, zu handeln.

Jeder kann am Ort des Widerstands im Baum-Camp vorbeikommen

Das Camp, auch als „Ort des Widerstands“, sei für alle Interessierten, sagt Meier. „Jeder kann hier vorbei kommen, wir sind total offen. Man muss auch nichts können und wir haben alles da, was man für den Alltag braucht.“ Die Trierer Waldbesetzung, die im Mai 2021 begonnen hatte, zähle derzeit aktuell mit zu den längsten.

Und: Sie werde sich wohl noch über ein paar Jahre ziehen, weil der Moselaufstieg frühestens in Jahren gebaut werde - falls er denn nicht ganz verhindert werden könne, sagen Meier und Aktivistin Karla. Es sei aber wichtig, früh mit Protest anzufangen, um auch mögliche Baupläne und konkretere Planungen kippen zu können. „Wenn die Rodungsmaschinen und Waldarbeiter*innen erst einmal engagiert sind, dann kann man die Rodung des Waldes höchstens behindern und verlangsamen, aber nicht mehr verhindern“, sagen sie.

(dpa)