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Trier: Betroffenenbeirat verurteilt Verhalten von Bischof Ackermann

Nach Outing von Opfer : Bischof Ackermann in der Kritik: „Dieses Verhalten disqualifiziert den Missbrauchsbeauftragten“

Nach Outing: Der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz verurteilt das Verhalten des Trierer Bischofs und Missbrauchsbeauftragten und fordert Konsequenzen. Stephan Ackermann hatte den echten Namen einer Betroffenen öffentlich genannt.

Jetzt hat sich auch der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz zu Wort gemeldet, nachdem Bischof Stephan Ackermann den echten Namen einer betroffenen Frau genannt hatte, deren Leidensgeschichte nur unter einem Pseudonym veröffentlicht wird. Der TV hatte zuerst darüber berichtet. Der Betroffenenbeirat ist ein Gremium aus zwölf Personen, der die Bischofskonferenz in Fragen des Missbrauchs und der sexualisierten Gewalt berät.

Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz findet Verhalten von Bischof Ackermann nicht entschuldbar

Der Beirat nehme die aktuelle Berichterstattung zur Causa Karin Weißenfels bestürzt und irritiert zur Kenntnis, heißt es in der Stellungnahme. Das Verhalten des Bischofs wird darin als inakzeptabel, weder nachvollziehbar noch entschuldbar bezeichnet. Die besondere Brisanz liege nicht nur in der Tatsache, dass Bischof Ackermann als zuständiger Ortsbischof für die Aufarbeitung des konkreten Falls und als Dienstvorgesetzter eine unveräußerliche Grenze überschritten habe „er ist eben auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz und damit direkter Ansprechpartner für die im Beirat engagierten Betroffenen“.

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Was auch immer den Bischof von Trier zu seinem Handeln bewegt haben mag: Dieses Verhalten disqualifiziert den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, weil es die Mindeststandards für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verletzt."

Bischof Ackermann hatte im März während eines digitalen Gesprächs mit rund 40 Mitarbeitenden des Bistums Trier den bürgerlichen Namen von Karin Weißenfels enthüllt. Dabei war die Frau bewusst nur mit ihrem Pseudonym an die Öffentlichkeit gegangen.

Die komplette Stellungnahme finden Sie hier

Der Fall Weißenfels hat bundesweit Aufsehen erregt: Als junge Mitarbeiterin des Bistums Trier war sie in den 80er Jahre von einem Priester, der auch ihr Vorgesetzter war, schwanger geworden. Er riet ihr, abzutreiben. So wie ihr Beichtpriester. Kardinal Reinhard Marx sprach in seiner Zeit als Bischof von Trier (2002 bis 2008) beiden beteiligten Priestern die Irregularität wegen Beihilfe zur Abtreibung aus. Das bedeutet, sie durften etwa keine Messen mehr halten und Sakramente spenden. Beide Priester stellten in Rom einen Antrag auf Dispens, also auf Aufhebung der Irregularität. Marx gab eine Stellungnahme ab. Die Zuständigen des Vatikans hoben die Irregularität auf. Das geben Dokumente wieder. Beide Priester sind mittlerweile gestorben. Weil nach wie vor der Vorwurf jahrelanger sexualisierter Gewalt durch Weißenfels´ Vorgesetzten im Raum steht, arbeitet die Unabhängige Kommission der Diözese Trier den Fall weiter auf.

Fall Karin Weißenfels: Ackermann hat Mindeststandards für vertrauensvolle Zusammenarbeit als Missbrauchsbeauftragter verletzt

Die Teilnehmenden an dem Gespräch seien über die Nennung des Klarnamens der betroffenen Frau, die beim Bistum angestellt ist, schockiert gewesen, hieß es aus der Runde. Bischof Ackermann hat mittlerweile eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Heißt: Wenn er noch einmal Weißenfels´ echten Namen nennt, droht ihm eine Strafe. Und er hat sich per Brief bei der Betroffenen entschuldigt, wie das Bistum mitteilte. Eine Stellungnahme hat Ackermann bislang noch nicht abgegeben.

Der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz fordert Konsequenzen: „Spätestens angesichts der jetzt eingetretenen Situation wird deutlich, dass es dringend einer strukturellen und personellen Neuordnung im Themenfeld Missbrauch, Aufarbeitung und Prävention in der Deutschen Bischofskonferenz bedarf", schreiben die Mitglieder in ihrer Stellungnahme.

Forderungen nach Rücktritt von Bischof Ackermann

Auf Konsequenzen pocht auch das Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen, dem mehr als ein Dutzend Selbsthilfegruppen angehören. Sie forderten Ackermann nach dem Outing auf, sein Amt als Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz „unverzüglich niederzulegen“. Ähnlich hatte sich zuvor auch die Opfervereinigung im Bistum Trier, Missbit e. V., geäußert. Der Verein gehört dem Aktionsbündnis an.