Trier bildet bald die Juristen-Elite aus

Trier bildet bald die Juristen-Elite aus

Wenn es nach einer Initiative aus Trierer Juristenkreisen geht, werden in einem schicken Internat auf dem Petrisberg künftig Führungskräfte für die Juristerei ausgebildet. Parallel zum Studium an der Uni Trier sollen sie rundum betreut, gefördert und mit Praxiserfahrung ausgestattet werden.

Für „normale“ Jura-Studenten ist es ein Traum, was die „Petrisberg Law & Leadership Academy“ (PLLA) ab Wintersemester 2011 anbietet. Tägliche Fach-Begleitung durch hochkarätige Experten, Mentoring, exklusive Praktika, Kaminabende mit Führungskräften, Ausbildungspatenschaften, Exzellenzseminare – und natürlich gezielte Examensrepetitorien, damit am Ende auch ein Prädikat herausspringt. Schließlich soll, so der Präsident und Gründer der PLLA, der Trierer Rechtsanwalt Professor Thomas B. Schmidt, „eine fachlich hochqualifizierte Verantwortungselite“ enstehen.

Dazu gehört ein derzeit im Umbau befindliches Gebäude auf dem Petrisberg, das auf 6000 Quadratmetern als „Law House“ Lernen und Wohnen unter ein Dach bringen soll. Maximal 72 Studierende finden hier Platz. Über die schnöde Apartment-Wohnstatt samt hauseigener Bibliothek hinaus soll sie als Ausgangspunkt für kulturelle Aktivitäten oder sportliche Betätigung wie Fechten, Golf und Laufen fungieren – eigener Trainer inklusive.
Was in England und den USA durchaus üblich ist, sei für Deutschlands Jung-Juristen eine Innovation, sagt die Agentur, die die PLLA bundesweit bekannt machen soll. Dass man die Bewerber kaum auf regionaler Ebene finden wird, liegt auf der Hand, wenn man die Kosten kennt: 12500 Euro pro Semester, macht gut 2000 Euro im Monat. Nicht für das Studium, das „ganz normal“ an der Uni Trier absolviert wird, sondern für die „Full-Service-Begleitung“ drumherum.

Man werde für besonders Begabte Stipendien über eine Stiftung organisieren, verspricht Mit-Initiator Paul Henseler, ebenfalls Rechtsanwalt in Trier, für eine „Elite-Diskussion“ gebe es also keinen Grund. Henseler sieht die Vorzüge weniger in den Exklusivität als in der engen Verzahnung mit den benachbarten EU-Institutionen, aber auch regionalen Unternehmen, Kanzleien und Gerichten.
Als wolle man diesen Aspekt besonders unterstreichen, hat sich die PLLA einen illustren Unterstützerkreis zugelegt, der unter dem Titel „Beirat“ firmiert. Gerichtspräsidenten und Notare, Anwälte und Unternehmenslenker, der luxemburgische Honorarkonsul, Triers Wirtschaftsdezernent Egger samt Ex-OB Schröer, Kammerpräsidenten und -hauptgeschäftsführer, Bürgermeister aus der Region – an die 30 Nobilitäten stehen mit ihrem guten Namen für das neue Projekt.

Meinung

Es kommt auf den Versuch an

Zugegeben: Im ersten Moment wird sich mancher an seinem Frühstücksbrötchen verschlucken, wenn er sieht, mit welchen Summen da hantiert wird. Gut 2000 Euro monatlich für Kost, Logis und Rundum-Sorglos-Studienpaket, ein Auto und ein bisschen Taschengeld werden wohl auch nicht fehlen: Da kommt mancher künftige Petrisberger Akademie-Studiosus teurer als der Lebensunterhalt einer vierköpfigen Durchschnitts-Familie.
Aber nüchtern betrachtet ist die PLLA ein privat finanziertes Wirtschaftsunternehmen, dem man die Daumen drücken muss. Es wird Geld in Trier investiert, es entstehen Jobs, und wenn es gut läuft, könnte ein positiver Multiplikatoren-Effekt dabei herausschauen. Siehe England und USA, wo manche Städte von ihrem Image als Brutstätten akademischer Eliten hervorragend leben können. Auch der Juristen-Fachbereich der Uni würde dann letztlich profitieren.
Und wenn die Sache schief geht, weil sich Trier als Exzellenz-Standort trotz der Nähe zu Luxemburg nicht überzeugend vermarkten lässt? Dann haben die Investoren, die das Risiko tragen, sich verkalkuliert. Aber das ist ihre Sache.
d.lintz@volksfreund.de

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