Trier bleibt bei Hochwasser bis 11,30 Meter geschützt

Kostenpflichtiger Inhalt: Deichsanierung : Trier bleibt bei Hochwasser bis 11,30 Meter geschützt

11,5 Millionen Euro kosten die Sanierung des Schutzdeichs und die Renaturierung des Moselufers in Trier-Nord. Beim Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt waren auch gefällte Bäume ein Thema.

Am 21. Dezember 1993 fehlte nur eine Handbreite, dann hätte das mächtige Hochwasser der Mosel unaufhaltsam große Teile der Nordstadt überflutet. „Ohne den Schutzdeich hätte das Wasser bis kurz vor dem Dom gestanden“, erinnert sich Alfred Weinandy. Der unter anderem für Trier zuständige Referatsleiter der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord kennt alle Zahlen für die teuerste Hochwasserschutzmaßnahme der Stadt und gibt seine Wissen gerne an die Gäste weiter, die am Montag zum Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt gekommen sind.

Prominentester Gast ist Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), die kurz davor in Bitburg Förderbescheide überreicht hat, die ebenfalls für Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser benötigt werden. In Trier, auf der neuen Treppenanlage nahe dem Freibad Nord, staunt sie über die Veränderungen, die das Moselufer in den vergangenen Monaten in diesem Bereich bereits erfahren hat (der TV berichtete). „Häufig sieht man bei Hochwasserschutzmaßnahmen die viele Arbeit nicht auf den ersten Blick“, sagt sie. „Aber hier in Trier wird gleichzeitig Schritt für Schritt das Projekt Stadt am Fluss realisiert.“ Es sei wichtig, die technischen Maßnahmen am Schutzdeich auch attraktiv für Menschen und Natur zu realisieren.

Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt zur Sanierung des Hochwasserschutzdeichs Trier: (von links) Baudezernent Andreas Ludwig, Ortsvorsteher Dirk Löwe, Umweltministerin Ulrike Höfken, SGD Nord-Chef Ulrich Kleemann, Anja Reinermann-Matatko und Bernhard Hügle (Bündnis 90/Die Grünen), Alfred Weinandy (SGD Nord) und Landtagsabgeordneter Arnold Schmitt (CDU). Foto: Rainer Neubert

„Hochwasserschutz heißt nicht, eine monotone Betonwand zwischen Mensch und Fluss zu ziehen. Hier wurden Uferbefestigungen zurückgebaut, die Uferzone abgeflacht und die Flussaue aufgeweitet, damit sich das Wasser einen Weg suchen kann, ohne die Menschen zu gefährden.“ Besonders die in Verantwortung der Stadt Trier realisierte ökologische Aufwertung dieses Uferabschnitts schaffe einen attraktiven Raum für Mensch und Natur.

Der Schutzdeich, der zuletzt 1993 mächtig unter Druck geriet, wird nicht erhöht. Er soll auch in Zukunft einem statistisch alle 50 Jahre auftretenden Hochwasser standhalten. Ein Radweg ohne Wurzelschäden und eine Uferpromenade sind Teile der Baumaßnahme. Im Norden werden zudem die Voraussetzungen geschaffen für einen bewirtschafteten Moselstrand in hochwasserfreien Zeiten.

Ein lange Reihe geschützter Bäume auf dem Damm machen die Sanierung zu einer besonderen Herausforderung. „Das ist ein klassischer Zielkonflikt zwischen Hochwasser- und Baumschutz“, sagt SGD-Präsident Ulrich Kleemann hin. „Bäume sind ein Problem für einen Deich. Denn die Wurzeln dringen tief in den Schutzbau ein und könnten dessen Standfestigkeit im Fall eines Hochwassers gefährden.“ Weil es sich bei dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Jugendherberge und dem großen Kaufmarkt im Norden aber um einen geschützten Landschaftsbereich handelt, seien Kompromisse gefunden worden.

Ökologisch aufgewertet: Das Trierer Moselufer

Meterhohe Spundwände und Wurzelbrücken werden nun eingebaut, um die Stabilität des Deichs auch mit geschütztem Baumbestand zu erhalten. 41 Baumstümpfe, vor allem auf der Landseite des Damms, zeugen davon, dass nicht alle der ursprünglich 187 Bäume erhalten werden konnten. Zusätzlich wurde bei 20 die Krone gelichtet. „Wir wollten so viele Bäume wie möglich erhalten“, versichert Kleemann und verweist auf die eine Million Euro Zusatzkosten. „Zudem werden die Arbeiten durch eine ökologische Baubegleitung überwacht.“

Foto: Rainer Neubert
Foto: Rainer Neubert

Baudezernent Andreas Ludwig, der Erstürmung des Rathauses durch die Trierer Narrenschar entkommen, macht vor den Gästen, die zum Abschluss der ökologischen Maßnahme und zum Spatenstich für den zweiten Abschnitt der Deichsanierung gekommen sind, aus seiner Freude auch darüber kein Geheimnis. „Was wir hier sehen, ist gelungen. Und was jetzt angegangen wird, ist ebenfalls eine wichtige Sache für Trier.“ Für das Konzept der Stadt zu Hochwasserschutz- und Starkregen nimmt er zudem gerne das Lob von Ministerin Höfken entgegen. Das Projekt „Stadt am Fluss“, da sind sich beide einig, bekommt im Norden Triers einen wichtigen Schub.

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