Trier blickt nach Xiamen

TRIER. Xiamen ist nach den Maßstäben der Volksrepublik China keine Großstadt. Für einen Mitteleuropäer klingen ihre Eckdaten dennoch wie die von New York: 7000 Firmensitze, mächtige Skyline, 3,2 Millionen Einwohner. Eine Trierer Delegation hat die Küstenstadt besucht und die neunte Städtepartnerschaft der Römerstadt mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung vorbereitet.

Eine grundsätzliche Begeisterung für dieses Thema und die positiven Eindrücke aus Xiamen lassen Oberbürgermeister Helmut Schröer ein wenig übers Ziel hinausschießen. "Wir erhalten täglich Schreiben aus chinesischen Städten, in denen eine Partnerschaft mit Trier angeregt wird." Winzige Pause. "Na gut, vielleicht nicht direkt täglich, aber dennoch sehr oft." Der lange Schatten von Karl Marx fällt eben bis nach China. Die Küstenstadt Xiamen im Südosten Chinas wurde schließlich zum Trierer Favoriten. Dafür gab es Gründe: Das Land Rheinland-Pfalz hat eine Partnerschaft mit der Provinz Fujang geschlossen. "Wir werden aus Mainz ständig ermuntert, diese Landespartnerschaft mit einem kommunalen Netzwerk zu unterstützen", erläutert OB Schröer. Xiamen liegt in der Provinz Fujang, ist als Sonderwirtschaftszone ein Mittelpunkt wirtschaftlicher Dynamik und bietet daher hervorragende Voraussetzungen für die Schaffung von Netzwerken in den Sektoren Wirtschaft und Bildung - denn eine Universität hat die Küstenstadt auch. Die Unis Trier und Xiamen arbeiten bereits seit zwei Jahren zusammen. "Diese Kooperation lebt", betont Triers Universitäts-Präsident Peter Schwenkmetzger. Zum Programm gehören der Austausch von Wissenschaftlern, die Schaffung eines Studiengangs Germanistik in Xiamen und die Optimierung der Sinologie in Trier. Außerdem ist die Gründung eines Konfuzius-Instituts im Gespräch. Diese Institute haben die Aufgabe, Kenntnisse über die chinesische Kultur und Sprache in der Welt zu verbreiten. Bis 2010 soll es weltweit 200 Konfuzius-Institute geben - eines davon steht vielleicht in Trier. Die in Xiamen unterzeichnete Absichtserklärung, ein "Letter of Intent", ist unbefristet. "Wir werden eine stabile Basis für diese Partnerschaft schaffen, bevor wir sie offiziell vollziehen", betont Schröer. Zur Trierer Delegation gehörten neben dem OB auch Baudezernent Peter Dietze und Hans-Hermann Kocks, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.