Trier: Büro-Neubau vis a vis der Kaiserthermen

Infrastruktur : Neue Büros in der Trierer Denkmalzone

Vis-à-vis von Kaiserthermen und Landesmuseum will der Landkreis Trier-Saarburg ein neues, großes Bürogebäude bauen mit Platz für 90 Mitarbeiter. Drei Architektenentwürfe sind in der engeren Auswahl.

Die drei Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs unterscheiden sich schon bei der Fassade ganz grundsätzlich: Von einer glatten Glasfront über eine monolithische Steinfassade bis zur geschlämmten Ziegelwand ist alles dabei.

Denn möglich ist vieles auf dem Grundstück in der Ostallee 71. Vorausgesetzt, der geplante Neubau passt zum historisch wertvollen Umfeld. Schließlich steht direkt gegenüber nicht nur das in den 1880er Jahren errichtete, denkmalgeschützte Landesmuseum. Auch die zum Weltkulturerbe gehörenden Kaiserthermen liegen nur einen Steinwurf entfernt von dem Grundstück in der Trierer Ostallee, auf dem der Landkreis Trier-Saarburg ein neues, großes Bürogebäude errichten will.

„In Nähe eines Weltkulturerbes darf man nicht historisierend bauen – also nicht auf ältere Baustile zurückgreifen. Vielmehr muss man mit moderner, zeitgenössischer Gestaltung Antworten finden“, sagt Frank Kasprusch, Professor für Architektur an der Trierer Hochschule. Mit seinem Berliner Büro hat Kasprusch an dem von der Kreisverwaltung ausgeschriebenen Architektenwettbewerb teilgenommen – und mit seinem Entwurf eines kompakten Baus mit hoher Glasfront den ersten Platz belegt. Bei einer kleinen Feierstunde in der Kreisverwaltung zeichnete Landrat Günther Schartz am Freitag die Siegerentwürfe aus. Platz zwei ging an den aus Konz stammenden Architekten Frank Heinz.

Zusammen mit einem Planungsbüro aus Baden-Württemberg hatte er einen Entwurf eingereicht, der auf einen schlanken Giebel, ein monolithisches Mauerwerk mit Edelkratzputz und Eichenholzfenster setzt. Eine Fassade aus Ziegeln und einen Innenhof als Leitmotiv für die Gesamtgestaltung hatte sich das Atelier d’Architecture Jim Clemes aus dem luxemburgischen Esch/Alzette ausgedacht und damit Platz drei belegt „Mit allen drei Siegerentwürfen setzt der Kreis nun seine Verhandlungen fort, um Details festzulegen und letztlich auch den Preis zu klären“, erklärte Landrat Schartz (siehe Info).

Zum Wettbewerb gehörte auch eine Preiskalkulation. Berücksichtigt werden dabei die Kosten für Hochbau und Technik. Der teuerste der eingereichten Vorschläge würde demnach etwa sechs Millionen Euro kosten. Der mit 3,5 Millionen billigste Entwurf ist der Siegerentwurf von Professor Kasprusch – auch, weil die geforderte Bürofläche in seinem Bau mit einer Grundfläche von nur 17 mal 26 Metern am kompaktesten untergebracht ist. Um sicherzustellen, dass die Anforderungen an Architektur und Gestaltung des Neubaus in dem Denkmalgebiet erfüllt werden, war nicht nur der Architektur- und Städtebaubeirat der Stadt Trier unter Vorsitz von Baudezernent Andreas Ludwig schon in die Ausschreibung des Wettbewerbs eingebunden. Auch die Generaldirektion Kulturelles Erbe, für die römischen Baudenkmäler zuständige Landesbehörde, sei involviert, sagt Landrat Schartz. Das Grundstück in der Trierer Ostallee 71 ist schon seit langem im Besitz des Landkreises. In den 1950ern wurde das jetzige Gebäude dort errichtet. In ihm hatten bis in die 1980er die jeweiligen Landräte ihre Dienstwohnungen. Heute ist das Kreisjugendamt in dem maroden Haus untergebracht.

„Eine Renovierung würde sich nicht lohnen, außerdem brauchen wir mehr Büroflächen“, sagt Schartz. Der Altbau soll daher binnen dieses Jahres abgerissen werden. Mit den Archäologen des Landesmuseums habe man eine anschließende Grabungszeit von sechs Monaten vereinbart. Läuft alles glatt, könnte mit dem Neubau im Januar 2019 begonnen werden. Einzugstermin wäre dann Mitte oder Ende 2021, hofft Schartz.

Der erste Preis im Architektenwettbewerb um den Bau eines neuen Bürogebäudes in der Ostallee ging an Professor Frank Kasprusch und Architekt Sam Bassani (zweiter und dritter von link). Landrat Günther Schartz, Michael Frank von der Wettbewerbskommission und Miriam Decker, Projektleiterin bei der Kreisverwaltung gratulierten. Foto: TV/Christiane Wolff

Welcher der drei Siegerentwürfe umgesetzt wird, ist zwar noch offen. Die Eckdaten stehen allerdings fest: 13 000 Quadratmeter Bürofläche sollen auf mehreren Etagen entstehen, etwa 90 Mitarbeiter der Kreisverwaltung dort ihre Arbeitsplätze haben. Welche Abteilungen der Kreisverwaltung in den Neubau umziehen werden, steht laut Landrat Schartz noch nicht letztlich fest. „Denkbar ist aber, dass das Kreisveterinäramt, das zurzeit in angemieteten Räumen in der Metternichstraße in Trier-Nord untergebracht ist, dann in die Ostallee wechselt“, sagt Günther Schartz. Nicht geklärt ist bislang auch, wo die künftig rund 90 Mitarbeiter parken sollen. Bislang sind 22 Parkplätze vorgesehen. Vorgeschrieben sind für einen Bürobau dieser Größe allerdings 37 Parkplätze. Schartz „Für die fehlenden Stellplätze sind wir noch auf der Suche nach Realisierungsflächen.“