Trier: Circus Ronaldo: Erstmals keine Genehmigung für Zelt des Circus Ronaldo

Behörden sagen Nein : Circus Ronaldo ist überall erlaubt – nur nicht in Trier

Stadt und Tüv halten ein Zirkuszelt für unsicher, das zuvor von mehreren anderen deutschen Behörden genehmigt wurde.

Fliegende Bauten – so heißen Zelte auf Amtsdeutsch. Und fliegende Bauten, in denen Gäste und Zuschauer begrüßt werden, sind genehmigungspflichtige fliegende Bauten. Statik, Standhaftigkeit, Nicht-Entflammbarkeit der Zeltplane etwa müssen geprüft und behördlich genehmigt werden. Die Testate werden in einem Prüfbuch gesammelt. Jeder, der einen genehmigungspflichtigen fliegenden Bau aufbaut, muss ein solches Prüfbuch haben. Ähnlich, wie man den Bericht über die jüngste Hauptuntersuchung eines Autos bei jeder Fahrt auf Verlangen der Polizei vorzeigen können muss.

Ein deutsches Prüfbuch für fliegende Bauten besitzt der Circus Ronaldo nicht. Mit leeren Händen stand Danny Ronaldo allerdings nicht da, als die Bauaufsicht der Stadt Trier das im Palastgarten aufgebaute Zirkuszelt am Freitag abnehmen wollte. Der in der Szene berühmte Zirkusmann legte die Papiere vor, die das französische Gesetz für Zirkuszelte verlangt. „Wir sind seit 15 Jahren mit genau diesem Zelt unterwegs, in Australien, in Neuseeland, in etlichen europäischen Ländern und auch in mehreren deutschen Städten“, sagt Danny Ronaldo. „Wir können nicht für jedes Land die jeweils spezifischen Papiere vorhalten. Gäbe es für die Europäische Union einheitliche Regeln, wäre das einfach. So mussten wir uns für die Vorgaben eines Landes entscheiden, und das ist Frankreich. Französische Papiere sind europaweit anerkannt – unsere wurden von den Ämtern in Italien, Dänemark, den Niederlanden oder Spanien immer akzeptiert. Auch in Deutschland – in Karlsruhe und Wolfsburg zum Beispiel – gab’s keine Probleme“, sagt Ronaldo.

In Trier schon.

Der Circus Ronaldo ist kein buntes Nummernprogramm mit Artisten, Jongleuren und Dompteuren. Die Produktion Fidelis Fortibus ist vielmehr ein Ein-Mann-Theaterstück. Eine poetische Zeitreise durch die Zirkusgeschichte. „Ich habe die Show in Karlsruhe gesehen. Es war eine der berührendsten, lustigsten und verblüffendsten Theatervorstellungen, die ich je gesehen habe“, lobt Triers Theaterintendant Manfred Langner das preisgekrönte Stück. Hauptdarsteller ist Danny Ronaldo selbst, der aus einer alten belgischen Zirkusfamilie kommt und also quasi in fliegenden Bauten aufgewachsen ist. „Es ist völlig klar, dass ein Zirkuszelt den Sicherheitsansprüchen genügen muss. Unsere Tribüne stammt daher zum Beispiel von einem renommierten holländischen Hersteller, der internationale Standards erfüllt. Die technischen Prüfberichte hatten wir in Trier auch dabei“, sagt Ronaldo.

Das Trierer Bauaufsichtsamt ließ sich weder von dem französischen Prüfbuch noch von den weiteren Testaten beeindrucken und bestellte einen externen Tüv-Prüfer in den Palastgarten. Dessen Urteil: „Erhebliche Standsicherheitsmängel.“ Zu diesem kurzen Ergebnis fasst jedenfalls das Trierer Presseamt den Prüfbericht auf TV-Nachfrage zusammen, ohne Details zu nennen.

„Angeblich sollen zum Beispiel Abstände zwischen Verstrebungen zu groß sein“, sagt Danny Ronaldo. Ob das Zelt mit 250 Sitzplätzen tatsächlich den deutschen Bestimmungen nicht genügt, will er prüfen lassen. „Nicht nur, weil ich den Eindruck hatte, dass die Sache eher an der persönlichen Einstellung des Prüfers gescheitert ist, sondern auch, weil Sicherheit oberste Priorität hat und ich sowas auch nicht nochmal riskieren will.“

Am Freitag half jedenfalls nichts mehr. Auch nicht ein Anruf aus Karlsruhe. Das dortige Kulturzentrum Tollhaus beteuerte gegenüber dem Trierer Tüv-Prüfer, dass das Zelt bei ihnen erst im September problemlos vom Tüv-Süd „ohne Beanstandungen“ abgenommen wurde. In Trier mussten Dutzende Zuschauer am Freitagabend dagegen enttäuscht nach Hause geschickt werden. Auch die Veranstaltungen am Samstag und Sonntag musste die Tufa, die die Theaterproduktion Fidelis Fortibus für ihr Festival Sommerheckmeck hatte gewinnen können, absagen. „Wir hätten die großartige Produktion sehr gerne dem Trierer Publikum präsentiert und finden es sehr schade, dass das nicht geklappt hat“, bedauert Tufa-Projektleiterin Judith Kriebel. Ausweichmöglichkeiten auf einen anderen Veranstaltungsort seien aufgrund der Konzipierung und Handlung des Stückes keine Option gewesen. „Wir bedauern die Absage für den Veranstalter, das Publikum und den Künstler zutiefst, und können uns keine Gründe für diese drastische Maßnahme erklären“, bekundet das Karlsruher Tollhaus sein Beileid gegenüber der Tufa.

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