Trier: Ehrenamtliche Johanniter-Sprachpaten helfen Kindern mit Migrationshintergrund.

Flüchtlinge : Zeit schenken, Integration fördern

Ehrenamtliche Johanniter-Sprachpaten helfen Kindern mit Migrationshintergrund.

Aida wartet an der Tür. Sie strahlt, denn ihre größte Freundin Annelie Ziedrich kommt sie heute besuchen, wie fast jede Woche seit eineinhalb Jahren. Das achtjährige Mädchen aus Afghanistan und die 29-jährige ehrenamtliche Sprachpatin der Johanniter sind eines von derzeit 16 Tandems aus zugezogenen Kindern und einheimischen Erwachsenen im Regionalverband Trier-Mosel. Sie lesen zusammen, spielen, machen Ausflüge, sprechen viel. Heute geht es in die Ehranger Eisdiele.

„Nach dem Motto ,Verstehen kommt vor Verständnis’ möchten wir mit Eins-zu-Eins-Interaktion die deutsche Sprachfähigkeit der Heranwachsenden fördern“, erklärt Diplom-Psychologin Isabella Arncken, die die Johanniter-Sprachpaten an Kinder mit entsprechendem Förderbedarf vermittelt: „Kulturelle Annäherung gehört dazu, zum Beispiel durch Museums-, Theater- oder Natur-Ausflüge“.

Annelie Ziedrich holt – das Eis in der Hand – drei Bilderwürfel hervor. Aida erzählt als Erste zu den Bildern eine Geschichte von einer alten Hexe, die im Sturm ein kleines Baby fand. „Ich habe schon viel gelernt“, sagt Aida stolz. Dabei ist das nicht einfach für sie: Zu Hause bei den Eltern und den zwei kleinen Geschwistern wird auch nach drei Jahren in Deutschland nur Farsi gesprochen. Die Zweitklässlerin beherrscht die deutsche Sprache am besten. „Sie ist so lernwillig, gibt sich Mühe und hat Hilfe bei der Integration wirklich verdient“, erklärt Annelie Ziedrich ihr ehrenamtliches Engagement trotz Vollzeitstelle und Zusatzjob. „Ob Plätzchenbacken, Schwimmengehen, Kinderparadies oder einfach nur Spielplatz, selbst beim Einkaufen – Aida hat so viel Spaß. Das steckt an und gibt mir Energie“, sagt die junge Frau.

Viel mehr Kinder wünschten sich sehnlichst deutsche Paten. Interessenten können sich an isabella.arncken@johanniter.de wenden, Telefon 0172/7123711. Die ehrenamtlichen Sprachpaten verschenken ihre Zeit an die zugezogenen Kinder. Fahrt-, Eintritts- und Ausstattungskosten sollen ihnen nicht entstehen. Außerdem gibt es gemeinsame Ausflüge und Feiern mit Familien und Paten.

Das spendenfinanzierte Projekt ist nominiert für den „Penny-Förderkorb“: Zwischen Montag, 13. August, und Freitag, 14. September, zählt jede Stimme auf www.foerderkorb.penny.de für eine Zuwendung an die Johanniter-Sprachpaten in und um Trier.

Die Johanniter im Regionalverband Trier-Mosel engagieren sich mit rund 150 haupt- und 120 ehrenamtlichen Kräften sowie 7500 Fördermitgliedern karitativ in der Tradition des evangelischen Johanniterordens. Von der ambulanten Altenpflege über Behindertenbegleitung und Jugendhilfe reicht das Dienstleistungsspektrum bis zu Wohngruppen für Kinder sowie minderjährige Flüchtlinge. Mit gemeinnützigen Projekten wie Kindertrauergruppen, Sprachpaten und Babypraktikum nehmen die Johanniter eine soziale Stützfunktion für die Region Trier-Saarburg ein.