Trier: Flusskreuzfahrten boomen - Stadt baut neue Anleger

Kostenpflichtiger Inhalt: Schifffahrt auf der Mosel : Zwei neue Andockstellen in Trier geplant: Die Flusstouristen kommen!

An der Mosel in Trier gibt es zu wenig Anlegestellen für Hotelschiffe, rund ein Drittel aller Anfragen von Kreuzfahrtanbietern muss derzeit abgelehnt werden. Die Stadt will zwei neue Andockstellen bauen.

Kreuzfahrten boomen – auch auf Flüssen, auch auf der Mosel. „Die Nachfrage von Reedereien, die mit ihren Hotelschiffen in Trier anlegen wollen, hat sich in den letzten Jahren etwa vervierfacht“, sagt Ludwig Vögele. Er muss es wissen: Seit 40 Jahren koordiniert er am Zulaubener Ufer die Anlegezeiten der Ausflugs- und Hotelschiffe.

Bislang gibt es dort fünf Anleger – alle in privater Hand (siehe Text unten). Auch die Andockstellen im Ehranger Hafen, in Trier-Pfalzel, Schweich und in der Schiffswerft Boost am Stadtausgang in Trier-Nord gehören privaten Firmen und sind regelmäßig ausgebucht. „Wir müssen mittlerweile rund ein Drittel aller Anfragen ablehnen, weil es keinen freien Platz mehr gibt an diesen Anlegestellen“, sagt Koordinator Vögele. Die Reedereien würden dann mit ihren Schiffen nach Konz oder Saarburg ausweichen (siehe Info). „Dabei braucht Trier diese Touristen“, sagt Vögele. Bei den Gästen der Hotelschiffe handele es sich zum allergrößten Teil um Amerikaner, gefolgt von Niederländern und Schweizern. „Alle durchaus gut betucht und bereit, Geld auszugeben“, meint Vögele.

Wie viel Potenzial in der Flusskreuzfahrt für die Trierer Wirtschaft schlummert, hat auch die Stadtverwaltung erkannt. In seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 17. Dezember, soll der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zum Bau zweier neuer – städtischer – Anlegestellen fassen. Entstehen sollen diese in Trier-Nord. Der Uferabschnitt, der stadteinwärts an das Gelände des Ratio-Supermarkts angrenzt, gehört den Stadtwerken Trier (SWT). Für eine große Bebauung, etwa mit Wohnhäusern, ist das Areal nicht geeignet, da sich unterirdisch ein großes SWT-Regenrückhaltebecken befindet.

Die Stadt will die Schiffsanleger denn auch in Kooperation mit den SWT bauen. „Trier soll so noch mehr vom Flusskreuzfahrttourismus profitieren“, sagt der zuständige Dezernent im Stadtvorstand, Thomas Schmitt (CDU). „Die Entscheidung ist genau richtig!“, lobt Vögele, „der Kuchen ist groß genug, die städtischen Anleger werden den Privaten in Zurlauben nicht schaden.“

2022 könnte der städtische Pier in Trier-Nord fertig sein – inklusive Anfahrtsmöglichkeiten für Busse, die die Touristen dann zu ihren Zielen in der Umgebung bringen, zum Beispiel die Innenstadt. Außerdem sollen Wasser- und Stromanschlüsse verlegt werden. „Es wird für die Schiffe definitiv die Pflicht geben, Landstrom abzunehmen“, betont Dezernent Schmitt. Am Zurlaubener Ufer ist das anders: Die meisten Schiffe dort müssen ihre schweren Dieselmotoren rund um die Uhr laufen lassen, um über Generatoren Strom zu erzeugen. „Bevor der Hochwasserdeich hier kürzlich erneuert und das gesamte Areal deswegen in eine Großbaustelle verwandelt wurde, hatte ich angeregt, dass in einem Strom- und Wasserleitungen für die Schiffe und auch Entsorgungsrohre für Fäkalien verlegt werden“, sagt Vögele. Doch das sei von Stadt und Stadtwerken abgelehnt worden.

Die Firma Kolb hat für ihre beiden Anlegestellen auf eigene Kosten sämtliche Versorgungsleitungen verlegen lassen. Die Schiffe an den übrigen drei Anlegern – darunter die für richtig große Hotelschiffe – können daran allerdings nicht angeschlossen werden. „Zu diesen Schiffen wird Frischwasser per LKW angeliefert und die Fäkalien per LKW abtransportiert“, sagt Vögele. Strom müssten die großen Schiffe mit mehreren Hundert Gästen per Dieselgeneratoren erzeugen.

Die Stadtwerke bestätigen, dass es vor der Großbaustelle Moseldeich Gespräche mit den weiteren Eigentümern der Schiffsanleger in Zurlauben gegeben habe. Einig geworden ist man sich allerdings nicht. Die Stadtwerke haben daher lediglich Leerrohre gezogen ohne Leitungen. SWT-Pressesprecher Carsten Grasmück erklärt auf TV-Nachfrage, dass so die entsprechende „Infrastruktur bei Bedarf auch im Nachgang noch verlegt werden kann“.