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Stadtentwicklung
Braucht Trier große Läden auf der grünen Wiese?

 Shoppen in Trier: Die City-Initiative hat dazu eine eigene Einkaufstaschen-Kollektion aufgelegt. Diskutiert wird darüber, inwiefern neue Großmärkte am Stadtrand der Innenstadt schaden könnten.
Shoppen in Trier: Die City-Initiative hat dazu eine eigene Einkaufstaschen-Kollektion aufgelegt. Diskutiert wird darüber, inwiefern neue Großmärkte am Stadtrand der Innenstadt schaden könnten. FOTO: Roland Morgen
Trier. Weniger Geschäfte und weniger Kunden, die in der City ihr Geld ausgeben: Ist Trier als Einkaufsstadt auf dem absteigenden Ast? Verwaltung und Rat wollen gegensteuern – der TV hat nachfragt, wie das gelingen kann. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Trier als Einkaufsstadt hat in den vergangenen Jahren an Anziehungskraft verloren: Das ist – grob zusammengefasst – das Ergebnis einer Analyse, die das städtische Amt für Stadtentwicklung zusammen mit einem externen Experten gemacht hat. Konsequenz aus den Erkenntnissen (siehe Info): Die Stadt soll von ihrer bisherigen Strategie – möglichst keine großflächigen Einkaufsläden mit innenstadtrelevantem Sortiment auf der grünen Wiese – abrücken. Stattdessen sollen gezielt große Händler – zum Beispiel Einrichtungsketten oder Sportmärkte – akquiriert und vor den Toren der City angesiedelt werden.

Das ist zumindest die Empfehlung, die der Trierer Stadtvorstand – Oberbürgermeister Wolfram Leibe und seine drei Dezernenten – einstimmig ausgesprochen hat (der TV berichtete).

Ob das bestehende Einzelhandelskonzept tatsächlich entsprechend geändert wird, entscheidet letztlich der Stadtrat. Öffentliche Diskussionen gab es darüber bislang allerdings nicht. Der TV hat nachgefragt, wie die Ratsfraktionen zu der Sache stehen. Dabei zeichnet sich eine vorsichtige Zustimmung zum Strategiewandel ab, wobei alle Fraktionen die Bedeutung des Innenstadthandels herausstellen.

Udo Köhler, CDU „Oberste Priorität für das Handeln der CDU-Stadtratsfraktion ist und war immer der Erhalt der Trierer Innenstadt in ihrer Vielfältigkeit und Attraktivität. Eine Schwächung der Innenstadt zugunsten eines Handels auf der grünen Wiese werden wir nicht zulassen. Jede eventuelle Neuansiedlung bedarf daher einer sorgfältigen Einzelfallprüfung. Auf welche Art und Weise das Einzelhandelskonzept fortgeschrieben wird, muss in Anbetracht der erheblichen Auswirkungen unter Berücksichtigung aller Argumente sorgfältig abgewogen werden.“

Sven Teuber, SPD „Eine Studie belegt, was wir wissen und schätzen: Triers Innenstadt gehört zu den attraktivsten Innenstädten Deutschlands. Dies liegt an unserer europäischen Offenheit, starkem Handel und touristischen Höhepunkten. Die regelmäßige Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts ist richtig. Nimmt man sich den Tourismus zum Vorbild, dann braucht es immer herausragende Hotspots wie unsere Porta, um die Menschen anzulocken. Davon profitieren alle in der Stadt. Wir sollten daher diskutieren, ob dies nicht auch für den Handel zutrifft, und behutsam gezielte Ansiedlungen ergänzend machen. Dies gilt es nun mit allen Beteiligten zu diskutieren.“

Richard Leuckefeld, Grüne „Trier verliert an Kaufkraft. Das vielfältige Handelsangebot in der Innenstadt ist durch Online-Handel und Filialisierung in Gefahr. Für die Kommunalpolitik besteht dringender Handlungsbedarf. Wir sind für eine Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes. Priorität dabei hat die Erhaltung einer lebendigen Innenstadt. Dies kann unter anderem durch eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität erreicht werden. Wir müssen auch auf das geänderte Kaufverhalten der Bevölkerung Rücksicht nehmen. Deshalb werden wir uns nicht generell großflächigen Ansiedlungswünschen verschließen, sofern ihr innenstadtrelevantes Angebot verträglich ist. Dies wird im Einzelfall eine schwierige Gratwanderung.“

Jörg Schädlich, UBT „Die UBT steht Anpassungsprozessen grundsätzlich positiv gegenüber, sofern diese einen zielführenden Einfluss auf die nachhaltige Steigerung der Einkaufsattraktivität der Innenstadt sowie der Sicherstellung der Nahversorgung in den jeweiligen Stadtteilen gewährleisten. Im Ergebnis der Präsentationsinhalte und gutachterlichen Analyse wird ein dringender Handlungsbedarf in puncto Reformierung Einzelhandelskonzept empfohlen. Die UBT geht mit diesen Empfehlungen grundsätzlich einig und trägt die erforderlichen Änderungen – unabhängig von der derzeitigen Diskussion zur Ansiedlung eines Globus-Marktes – mit.“

Theresia Görgen, Die Linke „Die Linke befindet sich im Diskussionsprozess. Darum nehmen wir nicht detailliert Stellung zum Einzelhandelskonzept. Wir planen zurzeit eine Veranstaltung und weitere Gespräche zu Einzelhandel und Globus. In der Debatte müssen viele Gesichtspunkte berücksichtigt werden: Verkehr, Nahversorgung, Leerstände in der Innenstadt, zu hohe Mieten und der demografische Wandel, um nur einige zu nennen. Ein gut durchdachtes Einzelhandelssortiment und eine gute Vernetzung von Handel, Kultur, Tourismus und Gastronomie stärken das Oberzentrum Trier. Eine lebendige attraktive Innenstadt ist dabei auch von großer Bedeutung.“

Tobias Schneider, FDP „Die FDP geht aufgeschlossen in die Diskussion zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes. Viele der von der Verwaltung unterbreiteten Vorschläge unterstützen wir ausdrücklich. Die Strategie des City first stellt zu Recht die Innenstadt in den Mittelpunkt. Hierbei wird die FDP-Fraktion auch weiterhin auf die Einstellung eines City-Managers, eine touristische Einzelhandelsstrategie und ein weiteres City-Parkhaus drängen. Die Ermöglichung von großflächigem Einzelhandel nach Einzelfallprüfung im Außenbereich ist ebenfalls zielführend und macht Trier gegenüber dem Umland konkurrenzfähig.“

Michael Frisch, AfD „Die AfD-Fraktion sieht angesichts der gesunkenen Zentralität die Notwendigkeit einer Attraktivitätssteigerung der Einkaufsstadt Trier. Die demografische Entwicklung und die zunehmende Konkurrenz aus Luxemburg bedeuten eine Gefahr für unseren Einzelhandel. Wir halten es daher grundsätzlich für richtig, durch eine Ansiedlung bisher noch nicht vertretener attraktiver Unternehmen neue Kundenkreise zu erschließen. Nur in begründeten Ausnahmefällen sollte das außerhalb der Innenstadt geschehen. Einem generellen Kurswechsel hin zu einem großflächigen Einzelhandel am Rande der Stadt stimmen wir nicht zu.“