Trier: Fußballer trainieren im Seminarraum für China-Reise

Sport : Fußballer trainieren im Seminarraum für China-Reise

Junge Kicker aus Tarforst reisen Ende Juli zu einem Turnier in Triers chinesische Partnerstadt Xiamen. Die Vorbereitungen verlangen ihnen einiges ab – zum Beispiel, den Unterschied zwischen Suppe und Zucker zu erkennen.

Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Klingt altmodisch, stimmt aber noch immer. Das erfahren gerade 17 jugendliche Kicker vom Fußball- und Sportverein Trier-Tarforst (FSV) mit ihren Trainern und Betreuern.

Die Arbeit: Sich mit der chinesischen Sprache und den Gepflogenheiten im Reich der Mitte vertraut zu machen, Wörter und Begriffe einer völlig fremden Sprache zu pauken. Das Vergnügen: eine Reise nach China, um in Triers Partnerstadt Xiamen bei einem Jugendfußballturnier mit internationaler Beteiligung aufzulaufen.

Raum A11 in der Uni Trier: Jinglan Li und Yi Li nehmen die 24 China-Reisenden ganz schön ran. Die beiden Frauen vom Konfuzius Ins­titut der Uni kommen der Bitte des Vereins nach, den künftigen China-Reisenden Land, Leute und nicht zuletzt die Sprache ihrer Heimat näher zu bringen. Zwei Wand-Tafeln sind nach kurzem Unterricht vollgeschrieben mit Wörtern und Begriffen aus dem Alltag und der Welt des Fußballs. Die Sportler müssen ordentlich büffeln. Bloß die Zeit abzusitzen ist nicht drin: Erlerntes wird postwendend abgefragt von Sprachlehrerin Jinglan Li.

Schwierig, die chinesischen Schriftzeichen, merken die Sportler. Auch den Singsang der unbekannten Sprache nachzuahmen, fällt vielen schwer. Oft sind es nur phonetische Nuancen, die dem Wort einen anderen Sinn geben. Ein anderes Zeichen über dem „a“ in dem Wort „tang“ – und aus „Suppe“ wird „Zucker“. „Elfmeter halten ist einfacher“, scherzt Max Kuffler (16), der Torhüter der FSV-B-Jugend.

Luis Trunk (14) und Jonah Berthold (14) nehmen die Herausforderung in Sachen Sprache an. Denn: „Wann kommt man schon mal nach China?“ An einem internationalen Fußballturnier teilzunehmen, ist für sie ein zusätzlicher Reiz.

Hochkarätig sei das Turnier in Xiamen besetzt, schwärmt FSV-Vorsitzender Werner Gorges und zählt auf: Mannschaften aus Argentinien, Australien und Süd-Korea nehmen teil, aus der Mongolei, Shanghai und zwei weiteren chinesischen Städten, darunter Triers Partnerstadt Xiamen.

Fußball werde zunehmend populär in China, erzählt Yi Li, die Co-Direktorin des Konfuzius-Instituts, die aus Shanghai stammt. Sie kenne Fans, die mitten in der Nacht aufstünden, um sich irgendeine Live-Übertragung einer europäischen Spitzenmannschaft am Fernseher anzuschauen. Jede Schule, die etwas auf sich halte, habe eine Fußballmannschaft, auch Mädchen-Teams seien im Kommen. Und eigene Sportschulen für Fußball gebe es mittlerweile auch.

Vokabeln über Vokabeln und dazu die ungewohnte Aussprache – die Köpfe der Reiseteilnehmer rauchen. Hinzu kommt die Luftfeuchtigkeit im Uni-Raum bei schwüler Hitze draußen. Dies sei ein Vorgeschmack auf die klimatischen Bedingungen in Xiamen, erklärt Yi Li. Auf extreme Luftfeuchtigkeit sollten sich die Trierer einstellen. „Und sehr heiß ist es auch.“ Nicht zu unterschätzen: die vielen Mücken. Ob sie ein Moskito-Netz mitnehmen sollen, wollen Teilnehmer wissen. Yi Li beruhigt: Die kleinen Tierchen in Xiamen stechen nicht.

FSV-Chef Werner Gorges freut sich über die Chance für seine Jungfußballer: Erstmals nimmt eine Trierer Fußballmannschaft an einem solchen Turnier teil. Der Aufwand im Vorfeld sei allerdings enorm: allein, was an Papierkram anfalle! Für die Visa-Anträge fahre man eigens zum Generalkonsulat nach Frankfurt, um alles in einem „Abwasch“ zu erledigen. Von Anfang an involviert in die Anfrage aus China war die Abteilung Internationale Beziehungen im Trierer Rathaus. Elisa Limbacher freut sich für die Tarforster – und weist darauf hin, dass auch andere Trierer Sportvereine die Möglichkeit haben, zu einem solchen Turnier zu reisen.

Manfred Kühne, Leiter der Abteilung Fußball beim FSV, behält im anstrengenden Sprachunterricht die Ruhe – und seinen Humor: „Abseits ist dann, wenn der Schiri pfeift.“ Dies werde in China nicht anders sein. „Und so einen Pfiff bekommt man mit, auch ohne perfekt Chinesisch sprechen zu können.“ Dann macht sich Kühne wieder über die Vokabeln her.

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