Trier Galerie wechselt den Betreiber, neues Konzept mit mehr Lebensmitteln und Gastro

Kostenpflichtiger Inhalt: Einzelhandel : Trier Galerie braucht mehr als neue Farbe

20 Prozent der Geschäfte stehen derzeit leer. Können Bio-Lebensmittel aus der Region und mehr Gastronomie das Einkaufscenter in der Fleischstraße neu beleben?

Noch im Juni klang alles bestens: Der Anker-Mieter Zara habe die „Mieter-Perlenkette“ per neuem Langzeitmietvertrag „verlängert“, teilte die Koprian IQ per Pressemeldung mit. Die GmbH mit Sitz in Hamburg betreibt seit der Eröffnung im Mai 2008 das Einkaufscenter Trier Galerie in der Fleischstraße. Die Besucherzahl liege seit langem stabil bei fünf Millionen pro Jahr, erklärt Koprian. An Spitzentagen seien es 35 000 Kunden.

Diese Zahlen lassen selbst Ikea blass aussehen, haben durchschnittliche Filialen des schwedischen Möbelhauses doch nur rund 1,8 Millionen Kunden pro Jahr. Ein weiterer Vergleich: Zum Lichterfest Illuminale strömten am vergangenen Wochenende 20 000 Besucher – verteilt auf zwei Tage. Domfreihof, Sternstraße und Hauptmarkt waren proppenvoll. Und doch waren diese 20 000 insgesamt noch nicht mal zwei Drittel der Besucher, die – nach Angaben der Trier Galerie – an Spitzentagen das Einkaufscenter betreten.

Beim Besuch der Trier Galerie lassen sich diese Erfolgszahlen kaum nachvollziehen: 14 der 70 Ladenlokale stehen augenscheinlich leer, was einer Leerstandsquote von immerhin 20 Prozent entspricht. Dabei hatte die Koprian IQ in besagter Pressemitteilung für „das zweite Halbjahr 2019/Frühjahr 2020“ eine Vollvermietung der Flächen angekündigt.

Auch am vergangenen verkaufsoffenen Sonntag, an dem die Trierer Innenstadt gut gefüllt war und der Händlerring City-Initiative eine „hohe Kundenfrequenz“ meldete, sah es in der Trier Galerie nicht nach 35 000 Besuchern aus. Dabei hätte das regnerische Wetter dem überdachten Einkaufscenter doch die Kunden geradezu reinspülen müssen.

Offenbar hat auch der Besitzer der Trier Galerie bemerkt, dass die Sache nicht optimal läuft. Zum Februar 2020 hat das Immobilienunternehmen IntReal den Vertrag mit der Koprian IQ auslaufen lassen. „Im Rahmen der zunehmenden Veränderungen des Einzelhandelsmarktes in Deutschland bedarf es moderner und frischer Ansätze beim Betreiben eines Shopping Centers und damit auch hin und wieder des Einschlagens eines neuen Weges“, begründet Benjamin Bösser, Sprecher des Immobilienbesitzers IntReal.

Das Potenzial der Trier Galerie sei derzeit „nicht optimal ausgeschöpft“, räumt Bösser ein. Angestrebt werde daher eine Neuausrichtung: neue „Brands“ (Marken) und ansprechende „Community Areas“ (etwa: Gemeinschaftsbereiche) sollen zum neuen Konzept gehören. Ins Detail will Bösser nicht gehen, die genaue Planung sei noch nicht abgeschlossen. „Feststeht aber, dass mehr passieren wird als nur ein bisschen neue Farbe.“

Priorität habe die Ausrichtung auf einen „ausgeprägten Nahversorgungscharakter“. Zusätzlich zum Supermarkt Rewe im Untergeschoss, der erst kürzlich in einen größeren Umbau investiert hat, stelle man sich ein Angebot „in Richtung Bio-Lebensmittel von regionalen Anbietern“ vor, sagt Bösser. Auch die Neuordnung des Gastronomiesektors, der zwar augenscheinlich gut läuft, aber bislang im Erdgeschoss beengt in einer Ecke untergebracht ist, sei geplant. „Das aber erst in einem zweiten Schritt“, sagt Bösser. Zu den Läden, die ihre Mietverträge bereits verlängert haben, zählen nach Auskunft der Koprian IQ neben Rewe und Zara auch die Jugend-Boutiquen New Yorker, Kult und Trend-up sowie H&M Kids, Deichmann, der Drogeriemarkt dm, Sport Fink und die Buchhandlung Thalia. Weitere „potenzielle Mietpartner“, um die Leerstände zu füllen, seien „vorhanden“, sagt Bösser. Nach dem Betreiberwechsel sollen „die notwendigen Maßnahmen in Angriff genommen werden, um unseren Kunden auch zukünftig ein attraktives Center mit einem ansprechenden Mietermix präsentieren zu können“.

Die Verhandlungen mit dem künftigen Betreiber seien zwar soweit abgeschlossen, die Verträge aber letztlich noch nicht unterzeichnet. „Deshalb können wir noch nicht öffentlich machen, wer künftig für die Vermietung und Vermarktung der Trier Galerie verantwortlich sein wird“, sagt Bösser. Zu einem speziellen Namen äußert sich der Projekt-Direktor allerdings auf TV-Anfrage konkret: „Wir können definitiv bestätigen, dass in diesem Rahmen die ECE keine Rolle einnehmen wird.“ Der Branchenriese ECE hatte in der Vergangenheit jahrelang versucht, in Trier Fuß zu fassen – unter anderem mit der Idee, an Stelle der Europahalle am Viehmarktplatz eine große Shoppingmall zu errichten. Seit zwei Jahren hört man von den ECE-Ambitionen allerdings nichts mehr.

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