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Trier-Galerie: Wer kauft Turnschuhe für17.000 Euro?

Shanina Krell und die Sneakers-World in der Trier-Galerie : Wer kauft die 17.000-Euro-Turnschuhe?

In der Sneakers-World in der Trier-Galerie gibt’s seltene Turnschuhmodelle von Nike, Adidas und Air Jordan. Kunden geben dafür Hunderte, ja Tausende Euro aus – ein bekannter Trierer DJ ist nur einer davon...

Ein Paar Turnschuhe für 17.000 Euro – wer kauft denn sowas? Das dürften sich wohl so einige Volksfreund-Leser gefragt haben nach der Berichterstattung über die neuen Läden in der Trier-Galerie. Zu den kurzfristigen Pop-up-Stores des Einkaufscenters in dem Shopping-Center in der Fleischstraße gehört nämlich auch die Sneakers-World von Shanina Krell.

Rund 100 Turnschuhe stehen auf den weißen Regalbrettern des kleinen Ladens. Dazu kommen noch ein paar besondere Modelle in Glasvitrinen. Um diese den Kunden zu zeigen, zieht Shanina Krell weiße Handschuhe an. Solche, wie Goldschmiede sie tragen, wenn sie ihre ganz besonderen Stücke präsentieren.

Der mittlere Preis für die Schuhe der Sneakers-World liegt zwischen 300 und 500 Euro. Nach oben scheint es zumindest keine vernünftige Grenze zu geben: Ein rot-weißes Paar ist mit 17.000 Euro das teuerste. Paare für 2000, 5000 oder 7000 Euro stehen ständig in den Regalen – und sehen zumindest fürs ungeübte Auge den üblichen 100-Euro-Turnschuhen zum Verwechseln ähnlich.

Tatsächlich sind es eigentlich ganz normale Sportschuhe. Den Wert macht nur die Seltenheit der Paare aus. Durch kleine Produktionsstückzahlen verknappen die Hersteller das begehrte Gut und machen es so zum Kult. Und wenn dann noch in der Szene bekannte Leute wie Virgil Abloh, der kürzlich verstorbene Chefdesigner des Luxuslabels Louis Vuitton, mitmischen, treibt das die Preise auf dem Sammlermarkt zusätzlich in die Höhe.

Sneaker-Heads – also Turnschuh-Köpfe: So nennen sich die Sammler selbst. Dominique Koch, bekanntester DJ Triers, ist einer davon. „Angefangen hat es bei mir 1990, als meine Eltern mir im Urlaub meinen ersten Jordan 1 High gekauft haben – aus Zufall und weil meine alten Turnschuhe halt zerschlissen waren“, erzählt Koch. Die Faszination nimmt ihren Lauf. 1994 kauft der DJ sich sein erstes Sammlerstück selbst, einen Jordan 5. Mehrere Hundert sind seitdem dazugekommen. Alleine in der zurückliegenden Black Week – der letzten Woche vor dem ersten Advent, in dem viele Händler besondere Rabatte gewähren – habe er knapp 2000 Euro für Turnschuhe ausgegeben. Darunter zwei Nike Dunks, einmal in schwarz-weiß – das Modell Panda also – und einmal in der Farbe Canyon Purple.

Die teuren Schuhe kauft sich Koch übrigens nicht, um sie zu Hause ins Regal zu stellen, sondern trägt sie auch im Alltag.

Gehandelt werden die begehrten, weil raren, Modelle in erster Linie übers Internet. Nahezu täglich bringen die Hersteller ein neues Modell oder ein altes Modell in neuer Farbe raus – ín Stückzahlen von wenigen Zehntausend. Weltweit kämpfen Sneaker-Heads dann darum, ein Paar zu ergattern. „Doch das ist absolute Glückssache“, berichtet Koch.

Auf speziellen Verkaufsplattformen muss man sich zu dem auf die Minute festgelegten Verkaufsstart – dem so genannten Drop – anmelden, und zwar genau für ein Paar in einer Größe.

Wer gute Freunde hat, die sich für einen mit in der virtuellen Schlange anstellen, vergrößert seine Chancen. Wer gut vernetzt ist, kann auch einen so genannten Bot beauftragen, ein Computerprogramm, das automatisch mitbietet.

Juliano Krell (13) ist gut vernetzt. Zusammen mit seiner Schwester Shanina Krell (19), offizielle Inhaberin der Sneakers-World in der Trier-Galerie, kauft der junge Trierer mehrere Hundert Paar pro Woche. Auch bei Re-Sellern, also Wiederverkäufern. Erst am Montag sei ein Kunde aus Frankreich in den Laden gekommen und habe ihnen eine absolute Rarität angeboten: Einen Nike Air Force 1 X Louis Vuitton in der Farbe Dreifach-Weiß. Für 5900 Euro haben die Krells – Sprösslinge der bekannten Trierer Altmetallhändler-Familie – zugeschlagen. Neben dem gleichen Modell in Rot-Weiß, dessen Verkaufspreis in der Sneakers-World 17.000 Euro kostet, ist auch noch ein Nike Air Force 1 in Blau-Weiß im Angebot, zum gleichen Preis

Das Interesse der Kunden ist groß. „Ich schätze, dass es alleine in Trier und alleine aus meiner Generation etwa 30 bis 50 Sneaker-Heads gibt“, meint Dominique Koch. Dazu kommen nochmal so viele Jugendliche, die ihr eigenes oder das Geld ihrer Eltern für teure Turnschuhe ausgeben. In der halben Stunde, die die Volksfreund-Reporterin sich in dem kleinen Laden die Turnschuh-Welt erklären lässt, gehen vier Paar über den Tresen. „Am Montag war ein Trierer hier, der hat ein Paar für 2500 Euro gekauft“, berichtet Shanina Krell von den gut laufenden Geschäften.

Bei der Eröffnung der Sneaker-World vor gut zwei Wochen war die Schlange ebenfalls lang. Passend zum Image wurde Champagner der Marke Moët Chandon ausgeschenkt. Natürlich nicht der billige zu rund 40 Euro die Flasche, sondern von einer limitierten Sonderedition zum fast doppelten Preis.

Apropos Preis: Das Schuhmodell, das die Eltern von Dominique Koch ihrem Jungen 1990 beim Familienurlaub in Haßloch gekauft haben, wird im Internet heute für etwa 50.000 Euro gehandelt.