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Trier: Gastronomie und Kommunalpolitik kritisieren Entscheidung, die Bombe am Freitagabend zu entschärfen

Trier: Gastronomie und Kommunalpolitik kritisieren Entscheidung, die Bombe am Freitagabend zu entschärfen

Weil ihre Läden am Freitagabend wegen der Bombenentschärfung zubleiben müssen, verlieren die Gastronomen der Trierer Innenstadt Hunderttausende Euro Umsatz. Auch CDU und FDP kritisieren den gewählten Evakuierungszeitpunkt.

Trier. Sonnenschein, blauer Himmel, gut gelaunte Menschen, voll besetzte Tische vor den Cafés und Restaurants der City: Genau darauf haben die Trierer Gastronomen etliche verregnete Wochen lang gewartet. Doch statt Blitz und Donner macht nun eine Bombe den Strich durch die Rechnung.
Wenn am Freitagabend der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, der am Dienstag in der Neustraße gefunden worden ist (der TV berichtete), entschärft wird, muss die City evakuiert werden. Von der Neustraße bis zur Simeonstraße, vom Karl-Marx-Haus bis zur Ostallee steht dann das Leben still - und Restaurants und Kneipen sind leer."Alles wäre besser gewesen"

"Das trifft uns sehr hart", sagt Attila Gülgen, der mit der Restaurant-Bar Havanna am Viehmarkt und dem Club Metropolis in der Hindenburgstraße gleich zwei Betriebe im Sperrgebiet hat. "Sonntagmorgens, -mittags, -abends - alles wäre besser. Sonntags ist in der City ohnehin wenig los, am frühen Freitagabend dagegen herrscht nicht nur sehr viel Verkehr, sondern alle wollen auch ausgehen. Ich rechne mit 15 000 bis 20 000 Euro weniger Umsatz - denn selbst wenn wir irgendwann wieder aufmachen können, kommt der Abend nicht mehr in Schwung."
Auch ein anderer Gastronom am Viehmarkt ist enttäuscht: "Alle Gastro-Leute hier in der City haben nur noch die eine Frage: Warum ausgerechnet am umsatzstarken Freitagabend? Alleine uns wird ein mittlerer vierstelliger Betrag fehlen."
Eric Naunheim betreibt am Kornmarkt die beiden Restaurants Louisiana und Donna Mia sowie das Kasino - und ist damit gleich dreifach betroffen. "Der schwache Sommer hat den Kollegen und mir bislang ohnehin schon Umsatzeinbußen von zehn bis 20 Prozent beschert - wir brauchen jetzt dringend jede Terrassenstunde", sagt der Wirt. Im Kasino musste er die beliebte Schweissperlen-Party absagen. Insgesamt rechnet Naunheim in seinen drei Betrieben mit "mehr als 20 000 Euro Umsatzverlust". Die Stadt möge zwar ihre Gründe für den Freitagabend haben, "aber für uns wäre ganz klar der Sonntag besser gewesen, die Umsatzausfälle eines Freitagabends können wir nicht kompensieren", sagt Naunheim.
Die Gastronomen stehen mit ihrer Kritik nicht alleine. Thomas Albrecht, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat, schreibt auf Facebook: "Seit dem Zweiten Weltkrieg liegt die Bombe da und schlummert vor sich hin. Wäre es nicht auch möglich gewesen, sie noch zwei Tage länger unter Bewachung schlummern zu lassen?" Bombenentschärfungen an einem Sonntag seien "anderswo ein durchaus übliches Prozedere", schreibt der CDUler und führt als Beispiele Berlin, Regensburg, Osnabrück und Koblenz an.

Tobias Schneider, Chef der Trierer FDP, fordert, dass das Thema in der nächsten Stadtratssitzung nachbearbeitet werden soll. "Für die Gastronomen ist der Freitagabend einer der umsatzstärksten Tage der Woche. Insbesondere nach den verregneten Sommerwochenenden ist dies ein herber Einschnitt", sagt Schneider. Auch für die Anwohner, die nach einer arbeitsreichen Woche ihre Wohnungen vorerst nicht aufsuchen können, sei der Freitagabendtermin "überwiegend sicher nicht ideal”, klagt Schneider.
In der Stadtratssitzung am 14. Juli soll Ordnungsdezernent Thomas Egger erklären, warum "eine Entschärfung am Sonntagvormittag, die sicherlich mit weniger starken Einschränkungen verbunden gewesen wäre, nicht möglich gewesen ist und ob nicht auch ein früherer Termin, zum Beispiel am Mittwoch- oder Donnerstagabend, denkbar gewesen wäre”, fordert Schneider.
Der Kampfmittelräumdienst hatte für die Entschärfung der Bombe eine Frist bis einschließlich Sonntag gesetzt. Ordnungsdezernent Egger verteidigt jedoch die Entscheidung für Freitagabend. "Gegen den Sonntag spricht, dass nach Auffassung aller Sicherheitskräfte eine frühestmögliche Entschärfung erfolgen sollte - gerade auch wegen des erheblichen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Personalbedarfs. Zudem war zu berücksichtigen, dass selbst auch am Sonntagnachmittag sehr viele Menschen von einer Evakuierung betroffen gewesen wären. Alleine das Landesmuseum hatte am vergangenen Sonntag 750 Besucher und hat für den kommenden Sonntag schon zwölf reservierte Gruppenführungen mit jeweils rund 30 Teilnehmern", argumentiert Egger. Die Entscheidung für den Freitagabend sei zudem zwischen Feuerwehr, Polizei, Kampfmittelräumdienst, Gesundheitsamt und Ordnungsamt "einvernehmlich nach Abwägung aller Vor- und Nachteile getroffen" worden.Meinung

Warum nicht Sonntagvormittag?Die Evakuierung von 6000 Menschen ist eine Mammutaufgabe, keine Frage. Straßensperrungen, Busumleitungen, medizinische Versorgung, Information der Bürger, die Koordinierung 300 freiwilliger Helfer - alles muss bedacht und geplant werden. Aber trotz allen Verständnis' für Druck, Aufregung und Eile, unter denen die Entscheidungsträger handeln, drängt sich eine Frage unabweisbar auf: Warum nicht am Sonntagvormittag? Andere Städte - darunter auch Koblenz und Bitburg - haben es bei ihren Bombenentschärfungen vorgemacht: Sonntagvormittags haben die Geschäfte ohnehin geschlossen, anders als freitagabends gibt es keinen Berufsverkehr, insgesamt ist sehr wenig los in der Stadt. Das Landesmuseum mit der Nero-Ausstellung scheint der größte Hemmschuh gewesen zu sein. Aber wäre es wirklich schwieriger gewesen, auf das Verständnis weniger Touristen zu setzen (das Landesmuseum macht erst um 10 Uhr auf) als den Trierer Gastwirten eiskalt Umsatzeinbußen von Hunderttausenden Euro zu servieren? Ich glaube nicht. c.wolff@volksfreund.de Sprengstoff-Experte: "Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief geht, geht gegen Null."

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