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Trier: Gedenktafel für Opfer der Amokfahrt enthüllt - Wenige Worte, starke Wirkung

Trauer : Gedenktafel für die Opfer der Amokfahrt enthüllt: Wenige Worte, starke Wirkung (Video/Fotos)

Gedenktafel für die Betroffenen der Amokfahrt in Trier enthüllt

Die Gedenktafel an die Opfer der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 entfaltet ihre Wirkung durch Schlichtheit. Am Freitagnachmittag wurde sie in Nähe der Porta Nigra angebracht.

Es ist ein schlichter Satz in schlichter Schrift. „Wir gedenken der betroffenen Menschen vom 1. Dezember 2020“. Wer nur flüchtig an der Steinplatte vorbeigeht oder Besucher von auswärts, die von der Katastrophe vielleicht nur durch Berichte in den Medien gehört und schon längst wieder vergessen haben, dem sagen die wenigen Worte wohl nicht viel.

Den meisten anderen dürften sie dagegen – trotz ihrer etwas steifen Förmlichkeit – bis ins Mark dringen.

Ein einfacher Satz auf der Gedenktafel für die Amokfahrt in Trier

Gerade durch das Auslassen von Schlüsselbegriffen wie Amok, Tod und Leid und damit der Verzicht darauf, Außenstehenden das Unbegreifliche erklären zu wollen, entfaltet der Satz seine intime Wucht. Sofort ergänzt das Gedächtnis, was die Inschrift auslässt. Und die Erinnerung an die Tragödie, die Trier am 1. Dezember 2020 aus der Bahn warf, ist wieder da.

„Betroffen“ – sonst schon mal inflationär verwendet auch für leichte Formen des Berührtseins – hat hier seine schlimmste Bedeutung: Umgebracht, durch einen Täter, der am 1. Dezember vor einem Jahr gezielt mit seinem Auto durch die Trierer Fußgängerzone gerast ist. „Betroffen“ sind aber nicht nur die fünf Menschen, die dabei getötet wurden, und der Mann, der kürzlich starb und sein letztes Lebensjahr wegen der Tat in Krankenhaus und Reha verbringen musste, sondern auch die vielen nicht nur körperlich sondern auch seelisch Verletzten. Die Angehörigen und Freunde. Die vielen Helfer, Feuerwehrleute und auch die Polizisten, die kurz nach der Tat die Absperrung zum Beispiel des Hauptmarkts sicherten – auf dem ein Vater und sein Baby starben. Und betroffen von der unbegreiflichen Tat waren und sind auch die unzähligen Menschen, die mit den Familien und Angehörigen trauerten, die geschockt sind von dem, was in ihrer schönen, bis dato so heimeligen kleinen Großstadt passiert ist.

Angefertigt hat die Gedenktafel, im Auftrag der Stadt, der Trierer Bildhauer und Steinmetz Henning Wirtz. Den Schriftzug hatte die Stadt Trier zuvor bei einem der Opfertreffen mit den Hinterbliebenen abgesprochen.

Geleitet worden sei er bei der Arbeit an der Natursteinplatte von dem Gedanken „weniger ist mehr“, berichtet Wirtz. „Die Tafel soll ja zum Gedenken einladen. Und Gedenken benötigt Raum und auch ein Zulassen“, sagt der Künstler. Durch die Aufteilung der rund 60 mal 70 Zentimeter großen Platte aus Grünsandstein in Schrift und freie Flächen, die Wahl offener und leichter Buchstaben, und auch durch den Text, der auf das Wort Amokfahrt verzichtet, „denke ich, dass die Tafel Betrachtern, die um die Geschehnisse wissen, ein Innehalten und Gedenken ermöglicht.“

Die Buchstaben sind vertieft in den Stein gemeißelt und wurden anschließend vergoldet. Die Schriftart ist schlank und klassisch.

Gedenktafel hängt nun neben der Porta Nigra

Am Freitag brachte Steinmetz Wirtz – der auf Honorar für sein Werk verzichtet hat – die Gedenktafel an der Mauer neben der Porta Nigra an. Auf eine öffentliche Einladung zu dem Termin hatte die Stadt verzichtet, um dem offiziellen Gedenken zum Jahrestag der Katastrophe am kommenden Mittwoch nicht vorzugreifen. „Mit der Tafel schaffen wir einen Ort des Gedenkens für alle Menschen,“, sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe, „wir bekennen uns damit auch zu der Amokfahrt, wir verdrängen nichts, wir verstecken nichts, der 1. Dezember 2020 ist Teil unserer Geschichte und wird es bleiben.“

Die Tafel ist allerdings vorläufig, wie und wo die langfristige Gedenkstelle gestaltet werden soll, ist mit den überlebenden Opfern und Hinterbliebenen noch nicht abschließend begesprochen. Leibe: „Die Vertreter der Opfer sind im Gespräch mit drei Künstlern. Wie die letztendliche Gedenkstelle aussehen wird, steht noch nicht fest – und es gibt für die Angehörigen auch keinen Druck, das in einer bestimmten Zeit entscheiden zu müssen.“