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Trier gehört zu den Hoffnungsträgern

Trier gehört zu den Hoffnungsträgern

TRIER. Trier gehört zu den 60 leistungsstärksten deutschen Städten und landet dabei auf Platz 41 hinter Koblenz (39), Ludwigshafen (33) und Mainz (10). Ein Wirtschaftsinstitut hat im Auftrag des Magazins Capital die Perspektiven wichtiger deutscher Städte bewertet. In Trier reagieren Politik und Wirtschaft mit Begeisterung, aber auch mit harter Kritik.

Das Bad Homburger Wirtschaftsinstitut Feri hat Wirtschaftsleistung, Arbeitsplätze, Bevölkerungsentwicklung und Kaufkraft pro Kopf von deutschen Großstädten ermittelt und daraus abgeleitet, wo bis zum Jahr 2011 erfreuliche Perspektiven zu erwarten sind (der TV berichtete).Unzuverlässige Prognose

Eine Methode, die trotz der für Trier positiven Zukunftsaussichten nicht automatisch akzeptiert wird. "Man kann sich die Lage schön rechnen", sagt dazu Bernd Hamm, Professor am Lehrstuhl für Siedlungs-, Umwelt- und Planungssoziologie der Universität Trier. Hamm, der auch Mitglied der Lokalen Agenda 21 ist, nimmt den Städtevergleich auseinander: "Die Prognose, nach der bis 2011 die Kaufkraft um zwölf Prozent, die Bevölkerung um fast ein Prozent und die Wirtschaftsleistung um 15 Prozent steigen sollen, ist erstens höchst unzuverlässig und sagt zweitens nichts über die Ursachen aus." Bernd Hamm kritisiert außerdem die isolierte Betrachtung der kreisfreien Stadt Trier: "Wenn das auf Kosten der Region geht, wird Trier in Wirklichkeit ärmer und nicht reicher." Das Fazit des Soziologie-Professors: "Rankings und Prognosen sind in Mode, als wissenschaftlich begründete Aussagen sollten sie nicht missverstanden werden." Das sieht Hans Peter Schlechtriemen ganz anders. Der Vorsitzende der City-Initiative Trier und Geschäftsführer der Galeria Kaufhof Simeonstraße spricht von einem "hervorragenden Platz 41 für die in Bezug auf die Einwohnerzahlen kleinste Großstadt Deutschlands". Das Ergebnis unterstreiche die zentrale Bedeutung Triers und das hohe wirtschaftliche Potenzial, "das sich wesentlich verbessert hat". Trier sei für die Zukunft gut gerüstet. "Der Einzelhandel konnte überproportional zu den sehr guten Ergebnissen beitragen", betont Schlechtriemen. Auch Josef Adams, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, sieht die Lage positiv. "Die Stadt Trier hat ihre Position gegenüber dem Ranking im Jahr 2003 von Platz 55 auf Platz 41 verbessert." Für das Handwerk, das ein Drittel aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigtenverhältnisse und 40 Prozent aller Ausbildungsplätze stellt, seien der Ausbau der Beziehungen zu Luxemburg, der Wissens-Transfer der Hochschulen in die Wirtschaft sowie die Bereitstellung attraktiver Gewerbeflächen - insbesondere Handwerkerpark Trier-Feyen - wichtige Etappen auf dem Weg in die Spitzengruppe der Städte und Regionen. "Ich unterstelle dem Institut Feri eine gewisse Seriosität, und das Ergebnis entspricht auch meinem Gefühl", sagt Oberbürgermeister Helmut Schröer. Liegt Trier dafür nicht zu weit hinten? Der OB winkt ab. "Wir können uns nicht mit München vergleichen." Die Hauptstadt von Bayern liegt auf Platz 1. "Für uns sprechen die regionalen Stärken, und dazu gehört die Nähe zu Luxemburg. Zum ersten mal seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten, haben wir die Chance, die Vorteile unserer grenznahen Lage zu nutzen, indem wir einen europäischen Wirtschaftsraum bilden."