Trier: Grüne gewinnen alle vier Duelle bei Ortsvorsteher-Stichwahlen

Kommunalwahl : Grünen-Chefin nach Wahlsiegen: „Wähler sehen uns in der Führungsrolle“

Alle grünen Kandidaten haben die Stichwahlen um die Ämter der Ortsvorsteher in Trier-Kürenz, Mitte-Gartenfeld, Süd und Nord für sich entschieden. Einziger CDU-Sieger ist Werner Gorges in Tarforst.

Noch ein Kantersieg für die Trierer Grünen: In allen vier Stadtteilen, in denen die Partei zu den Ortsvorsteherwahlen angetreten war, holte sie bei den Stichwahlen am Sonntag auch den Sieg. Die CDU musste  ihre Mandate in Trier-Nord (Christian Bösen) und Trier-Kürenz (Bernd Michels) abgeben. In Trier-Süd warf die grüne Nicole Helbig knapp SPD-Amtsinhaberin Jutta Föhr aus dem Rennen.

Und in Trier-Mitte siegte Michael Düro sehr deutlich über CDU-Konkurrent Norbert Freischmidt. Düro, der den Grünen nahe steht, aber kein Parteimitglied ist: „Der Ortsbeirat kann auf dem guten Fundament der vergangenen Jahre aufbauen, für ein gutes Miteinander im Rat sehe ich kein Hindernis.“ Schwerpunkt für den gebürtigen Trierer: die Verkehrssituation im Stadtteil verbessern, die Sanierung der Egbert-Grundschule und – möglichst – der Neubau der maroden Kita St. Agritius auf dem Grundschulgelände an der Olewiger Straße.

Auch Dirk Löwe, neuer Ortsvorsteher in Trier-Nord, hatte nicht mit einem so deutlichen Sieg über seinen CDU-Konkurrenten gerechnet. Er freue sich allerdings sehr auf seine neue Aufgabe: „Im Stadtteil wird sich was ändern – insbesondere in Sachen Verkehrsplanung. Ich werde für eine bessere Busanbindung kämpfen und für eine Rad- und Bus-Umweltspur in der Paulinstraße.“ Dass seine Kompetenzen als Ortsvorsteher beschränkt sind, wisse er. „Aber wir haben eine starke Fraktion im Stadtrat, die Durchsetzungskraft haben wird.“

Ole Seidel löst in Kürenz CDU-Ortsvorsteher Bernd Michels ab. „Ich bin happy“, freute sich Seidel am Sonntagabend. Nur in zwei Wahlbezirken lag der 47-Jährige nicht vor Michels. „Es ist gut, dass die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken in Alt-Kürenz und Neu-Kürenz nicht auseinanderdriften und es keine Lagerbildung gibt“, betonte Seidel. Denn Kürenz stehe vor großen Herausforderungen: „Die Entwicklung des Burgunderviertels, die Zukunft des Walzwerk-Geländes, der Energie- und Technikpark am Grüneberg, die Umgehung, das Gewerbegebiet Gerberstraße – es gibt wohl keinen zweiten Stadtteil in Trier, in dem in den nächsten Jahren so viel passieren wird“, sagte Seidel, der auch für die Grünen im Trierer Stadtrat sitzt.

Nicole Helbig, neue Ortsvorsteherin in Trier-Süd, hat auch viel vor: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe: Gemeinsam mit dem gesamten Ortsbeirat das Beste für Trier-Süd rausholen“, sagte Helbig. Ihre wichtigsten Ziele dabei: ein Bürgerhaus für den Stadtteil und Tempo 30 in der Saarstraße auch tagsüber.

Im Höhenstadtteil Tarforst hieß das Duell CDU gegen SPD – und Amtsinhaber Werner Gorges holte den Sieg gegen SPD-Bewerberin Anne Weines. Gorges: „Ich freue mich vor allem über die gute Wahlbeteiligung für Stichwahlen: In Tarforst haben 34,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, so viel wie in keinem anderen Stadtteil. Damit fühle ich mich gut unterstützt und legitimiert.“ Das Wahlergebnis sehe er aber auch mit einem weinenden Auge: „Bernd Michels und Christian Bösen haben in Kürenz und Trier-Nord so gute und engagierte Arbeit geleistet – ich hätte nicht erwartet, dass sie derart abgestraft werden“, sagte Gorges. „Aber Wahlen sind eben nie ein Selbstläufer – und im Moment steht der Wind für die Grünen extrem gut.“

Die CDU muss Wunden lecken: „Es ist leider so, dass wir unsere gute Arbeit vor Ort in den Stadtteilen nicht gut vermittelt bekommen haben an die Wähler“, sagte Udo Köhler,  CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Ob es nicht auch sein könne, dass die Bürger sehr wohl die Arbeit der CDU wahrgenommen haben, aber schlicht eine andere Politik wollen, hakt der TV nach. „Woran es lag, wissen wir nicht“, sagt Köhler. Für den 27. Juni hat sich die Partei  allerdings den renommierten Trierer Politik- und Wahlforscher Uwe Jun eingeladen, um Wahlkampf und Ergebnis zu analysieren. „Danach müssen wir weitersehen.“

Stichwahlen Ortsvorsteher in Trier. Foto: Christiane Wolff

Nathalie Cramme-Hill, frischgebackene Parteichefin der Trierer Grünen (siehe Bericht Seite 11) hatte dagegen am Sonntagabend allen Grund zur Freude: „Wir sind stolz und sehr glücklich, dass wir vier große und auch durchmischte sowie vielseitige Stadtteile für uns gewinnen konnten. Ich denke, es lag unter anderem an dem hervorragenden Wahlkampf, den alle mit viel Herz bis zuletzt durchgezogen haben.“ Das Wahlergebnis sei letztlich „ein klares Zeichen dafür, dass die Wähler uns nicht nur ihr Vertrauen aussprechen, sondern uns klar in der Führungsrolle sehen“, kommentierte Cramme-Hill.

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