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Trier/Hochwasser Juli 2021: Katastrophenstimmung an Kyllmündung

Hochwasser : Katastrophenstimmung an der Kyllmündung in Trier-Ehrang (Fotos/Video)

Ehrang versinkt in braunen Fluten. Der Ortskern und das komplette Klinikum wurden evakuiert. Schäden in Millionenhöhe werden erwartet.

Die Kyll hat in der Nacht zum Donnerstag nicht nur Kordel, sondern auch weite Teile von Trier-Ehrang verwüstet. Schon am späten Mittwochabend kündigt sich die Katastrophe im Trierer Stadtteil an der Kyllmündung an. Feuerwehren aus dem gesamten Stadtgebiet und aus dem Kreis Trier-Saarburg werden in die betroffenen Kyllanliegerorte beordert, wo sich die Lage in der Nacht stündlich zuspitzt.

Am Vormittag fehlt noch eine genaue Übersicht, wie viele Wehren und Rettungsdienste in Ehrang im Einsatz sind. Ernst Mettlach vom städtischen Pressamt hat die Nacht in der mobilen Einsatzzentrale an der Kyllbrücke verbracht. Gegen 9 Uhr, so Mettlach, sei es dann passiert. Erst kletterten die braunen Fluten vor der Kyllbrücke über die dort errichteten Schutzwände, dann bahnten sie sich ihren Weg durch den Rewe-Markt und die Grundschule ins Ortsinnere.

Evakuierung von zahlreichen Menschen

Eine Katastrophe mit Ankündigung. Mit Rundfunkwarnmeldungen und Lautsprecherdurchsagen waren die Ehranger in der Nacht über bevorstehende Evakuierungen informiert worden. Gegen 11 Uhr sind bereits zahlreiche Menschen in Sicherheit gebracht worden. Viele harren in der Sammelstelle am Schulzentrum der Dinge, die da noch kommen, andere bei Verwandten oder Bekannten.

Derweil setzt die Kyll im Ehranger Ortskern ihr Zerstörungswerk fort. Eine braune, nach Öl stinkende Flut rauscht an den Häusern entlang und bildet an der Einmündung von August-Antz-, Marienfeld- und Kyllstraße regelrechte Brandungswellen. Das Wasser steht bis an die Fenster des ehemaligen Schützenhofs, noch höher steigt die Flut in Richtung Niederstraße. Weitere Evakuierungen stehen an, rund 1600 Bewohner werden schließlich mit Booten in Sicherheit gebracht.

Zum Einsatz kommen auch schwere, watfähige Baustellen-Radlader. In ihren Schaufeln stehen Wehrleute, die die Bewohner aus den oberen Stockwerken bergen sollen. Die Ehranger, ob jung oder alt, können nicht fassen, was sie sehen. „Das habe ich in 66 Jahren hier noch nicht erlebt“, sagt Edgar Rohles aus der nicht betroffenen Ehranger Straße. Sein Dank gilt den Einsatzkräften, „die leisten was“. Und immerhin sei bisher noch niemand verletzt worden.

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Klinikum Mutterhaus evakuiert

Auch Triers Oberbürgermeister (OB) Wolfram Leibe ist im Katastrophengebiet, sein besonderes Augenmerk gilt dem Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen, das von den Fluten umzingelt ist. Explosionsgefahr wird dort nicht ausgeschlossen. Ein besonderer Problemfall. „Wir wollen es auf jeden Fall halten“, hatte Pressesprecher Mettlach zuvor noch gehofft. Nun erscheint OB Leibe an der Kyllbrücke und erklärt auf TV-Frage, dass nichts mehr zu halten sei und die Klinik evakuiert werde.

Angst geht um bei Bewohnern

Seit dem späten Vormittag werden Patientinnen und Patienten mit Fahrzeugen des klinikeigenen Interhospitaltransfers und mit Rettungsfahrzeugen in das Klinikum Mutterhaus Mitte und das Klinikum Mutterhaus Nord transportiert. Frischoperierte werden per Hubschrauber ausgeflogen. Auch das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier nimmt Patienten auf. Weitere Patienten können entlassen werden.

Um 13.15 Uhr ist die Evakuierung abgeschlossen. In der Quinter Straße steht derweil Anne Bach mit Sohn Harald vor dem Haus und beobachtet, wie sich die stinkende Flut langsam vorarbeitet. „Wir fürchten, dass wir rausmüssen“, sagt sie. Die Angst geht um in der Straße, auch bei den Nachbarn. Wie wird der nächste Tag aussehen?

Hier geht es zur Bilderstrecke: Trier-Ehrang wird überflutet