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Trier: Ihre Kindheit wurde vom Krieg geraubt

Jahrestag : Ihre Kindheit wurde vom Krieg geraubt

Linda und Daniel Hillert erinnern sich am Tag ihrer diamantenen Hochzeit an schwere Zeiten.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden mehr als 50 000 sogenannte Volksdeutsche auf den Befehl von Stalin hin von der Krim nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Innerhalb von 24 Stunden mussten sie ihre Heimat verlassen und wurden – aus Angst vor der Kollaboration mit dem Deutschen Reich – hauptsächlich nach Kasachstan umgesiedelt. Eine dieser „Krimdeutschen“, die zusammen mit Mutter und Geschwistern unter großen Strapazen wie Vieh abtransportiert wurden, ist Linda Hillert. „Ich war noch keine zehn Jahre alt und musste dort als Kindermädchen arbeiten. Wir wurden gezwungen, russisch zu sprechen, dabei waren wir doch Deutsche“, sagt die 87-Jährige, deren Mädchenname Müller lautet. Mit 13 Jahren musste sie auf dem Feld auf das Vieh aufpassen. „Eine Schule habe ich nicht besucht, eine Kindheit hatten wir nicht“, erzählt sie und berichtet von kalten Wintern, wo von Oktober bis April meterhoher Schnee lag, und in denen sie hungern musste. Ihrem heutigen Mann Daniel (85), der neben ihr sitzt, ging es ähnlich. Er kam mit seiner Mutter und sieben Geschwistern aus der Ukraine nach Kasachstan, auch er hatte keine Schule besuchen dürfen und musste schon mit 13 Jahren harte Arbeit in einer Kolchose verrichten.

Die Gemeinsamkeit eines schweren Schicksals führte sie zusammen, und vor 60 Jahren heirateten sie. Im Laufe der Jahre bekamen sie vier Kinder – drei Jungen und ein Mädchen. Erst 1996 kamen sie nach Deutschland und lebten zunächst Am Weidengraben, seit 2001 wohnen sie im Stadtteil Ehrang. In diesen Tagen sind sie seit 60 Jahren verheiratet – ein großes Fest zur diamantenen Hochzeit feiern sie nicht. Der stellvertretende Ortsvorsteher Hans-Werner Knopp hat den Eheleuten Glückwünsche der Stadt Trier und der Ministerpräsidentin überbracht. „Wir haben auch einen schönen Blumenstrauß bekommen und drei Flaschen Wein“, erzählt Linda Hillert, die auf einen Rollator angewiesen ist. Alkohol sei zwar tabu („Wir nehmen zehn verschiedene Tabletten am Tag“), aber über die Geste haben sie sich gefreut, so Daniel Hillert. „Wir sind reich“, sagt er lachend und zählt auf: „vier Kinder, zehn Enkel, elf Urenkel!“ Haben die beiden ein Rezept für eine lange Ehe? „Einer muss nachgeben, das bin immer ich“, behauptet Linda Hillert lächelnd.