Trier: In der Loebstraße dürfen Radler jetzt schneller fahren

Neue Markierung : In der Trierer Loebstraße dürfen Radler jetzt schneller fahren

Die Stadtverwaltung Trier bessert beim Geh- und Radweg entlang der Loebstraße nach. Doch es gibt immer noch Kritik.

Schrittgeschwindigkeit. Laut Gesetzgeber sind das vier bis sieben Stundenkilometer. Genau so schnell durften Radfahrer bislang auf dem Asphaltweg entlang der Loebstraße unterwegs sein. Zumindest laut Beschilderung. Denn die Spur war bislang als Gehweg klassifiziert. Runde, blaue Schilder mit einer großen, weißen Person mit Kind an der Hand wiesen ihn als solchen aus. Darunter waren kleine, rechteckige Schilder – weißer Grund, schwarzes Fahrrad – montiert. Zeichen dafür, dass der Gehweg auch von Radlern benutzt werden darf – sofern diese Schrittgeschwindigkeit fahren und jederzeit den Fußgängern Vorrang gewähren.

Jetzt sind diese Verkehrsschilder weg. Stattdessen zieren 42 Piktogramme den Asphalt: ein Fußgänger und ein Radfahrer, getrennt durch einen Querstrich (siehe Foto). Eine Höchstgeschwindigkeit gilt für Radfahrer nicht mehr. „Damit ist ein wichtiger Schritt zur Förderung und Unterstützung des Radverkehrs in Trier geschaffen“, erklärt Rathauspressesprecher Michael Schmitz.

Bei Radfahrern, die die Vorgeschichte kennen, dürfte die Begeisterung nicht ganz so groß sein. Denn eigentlich sollte der Weg ein echter Radweg werden. „Im Rahmen des Ausbaus wird nördlich der Loebstraße ein 2,50 Meter breiter Zweirichtungsradweg vorgesehen“, hieß es im Baubeschluss, den der Trierer Stadtrat im April 2015 fasste.

Als knapp drei Jahre später die Bauarbeiten begannen, war davon keine Rede mehr. Denn für einen reinen Radweg herrscht viel zu viel Fußgängerbetrieb: Alle Autofahrer, die ihre Wagen auf dem hinter dem Radweg zur Moselseite hin gelegenen Parkplatz abstellen, müssen schließlich den Weg kreuzen. Einen „gemeinsamen Rad- und Gehweg“ auszuschildern – rundes blaues Schild, Fußgänger- und Radfahrersymbol durch Längsstreifen getrennt – war laut Stadtverwaltung allerdings nicht möglich. Denn wo ein solcher gemeinsamer Rad- und Fußweg ausgeschildert ist, müssen Radfahrer diesen auch nutzen. Weil die Loebstraße allerdings keine besonders gefährliche Straße für Radfahrer ist, ist deren Verbannung von der Fahrbahn nicht ohne weiteres zulässig. So argumentierte jedenfalls die Stadt – und stellte, als die neue Loebstraße im August 2017 endlich fertig war, kurzerhand die Gehwegschilder auf.

Die Empörung war groß – und zwar nicht nur beim Stadtrat, der bis dato über die Umetikettierung nicht informiert worden war. Auch Baudezernent Andreas Ludwig war sauer. Die Gehwegschilder habe das Straßenverkehrsamt angeordnet, das nicht zu seinem Baudezernat gehöre, sondern zum Ordnungsdezernat des Beigeordneten Thomas Schmitt. „Meine Ämter waren an der Entscheidung jedenfalls nicht beteiligt. Und mit mir hat auch niemand darüber gesprochen, dass dort aus verkehrsrechtlichen Gründen offenbar ein Gehweg hin muss“, schimpfte Ludwig damals. So bleiben könnte das nicht, betonte Ludwig: „Ein Gehweg, auf dem Radfahrer mit Schrittgeschwindigkeit zugelassen sind, ist nun mal nicht das, was der Trierer Stadtrat der Verwaltung aufgetragen hat und auch nicht das, was wir unserem Zuschussgeber für den Straßenbau, dem Land, angekündigt haben.“

Kaum zwei Jahre später wurden die Gehwegschilder nun gegen die Piktogramme ausgetauscht.

Warum das so lange gedauert hat? Bis vor kurzem habe schlicht kein passendes Verkehrszeichen existiert, um das Problem zu lösen, erklärt Rathaussprecher Michael Schmitz. „Zwischenzeitlich“ habe allerdings „auch der Gesetzgeber das Problem des Fahrens der Schrittgeschwindigkeit für den Radfahrer auf Gehwegen erkannt und sich im Bund-Länder-Fachausschuss damit beschäftigt“, erklärt der städtische Rathaussprecher. Eine „Reglung zur Kennzeichnung gemeinsamer Geh- und Radwege ohne Benutzungspflicht“ sei erlassen worden – und in Form besagter Piktogramme umgehend von der Stadtverwaltung umgesetzt worden.

Zufrieden ist der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD) im Kreis Trier-Saarburg nicht: „Es kommt einem vor, als wolle die Stadt da etwas heilen, was nur schwer zu heilen ist“, sagt Raimund Scholzen. Der mittlerweile 80-Jährige war mehr als 30 Jahre lang – bis 2004 – als Verkehrsplaner bei der Stadt beschäftigt, zuletzt als Abteilungsleiter. „Man hätte in der Loebstraße von Anfang an anders planen müssen“, sagt Scholzen. Schwerer als die Frage, ob gemeinsamer, geteilter oder kombinierter Geh- und Radweg wiege allerdings das Problem, dass der Weg im Nichts ende: „Sowohl in Richtung Ruwer als auch in Richtung Verteilerkreis Nord werden Fußgänger und Radfahrer am Rand der vielbefahrenen Loebstraße ausgespuckt und müssen sehen, wie sie sicher weiter kommen“, kritisiert Scholzen (siehe Info).

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