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Trier kann von Wuppertal lernen

Trier kann von Wuppertal lernen

Karl-Marx-Denkmal

Zum Artikel "Ein Geschenk ist ein Geschenk, alles andere ist ein Missverständnis" (TV vom 17. März):
Man mag es kaum glauben: Eine für 48 Stunden auf dem Simeonstiftplatz aufgestellte Holzattrappe des geplanten Karl-Marx-Denkmals hat die überregionale deutsche Presse, mehrere Rundfunksender und das überregionale Fernsehen veranlasst, ausführlich zu berichten; die Reporter waren begierig, die Stadtoberen mit Originalton vor Kamera und Mikrofon zubekommen.
Man kann Redakteur Michael Schmitz uneingeschränkt zustimmen, wenn er feststellt, dass die bundesweite Aufmerksamkeit um das Denkmal einen Teil der Erwartungen des Jubiläumsjahres jetzt schon erfüllt hat.
Ein Blick über Trier hinaus nach Wuppertal macht deutlich, welche Parallelen es gibt und was daraus für Trier zu lernen ist:
Zur Feier des 190. Geburtstages von Friedrich Engels im Jahr 2010 wurde ebenfalls von chinesischer Seite der Stadt Wuppertal ein Geschenk offeriert, in Form einer übergroßen Figur des Philosophen und Gesellschaftstheoretikers - hergestellt von einem namhaften chinesischen Künstler. Standort, Größe und Materialität der Skulptur sollten von der Stadt Wuppertal vorgeschlagen werden. Ähnlich auch die lebhaften und kritischen Diskussionen in Bürgerschaft und Rat. Schließlich Abstimmung im Stadtrat mit ebenfalls breiter Zustimmung der Fraktionen im November 2013. Dann Fertigstellung, Verschiffung der Figur und Aufstellung in der historischen Gartenanlage (Engelsgarten) unweit des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Geburtshauses.
Öffentliche Enthüllung des Denkmals im Sommer 2014 in Anwesenheit von 250 Gästen. In den Ansprachen wird betont, dass Engels nicht auf einem Sockel steht, sondern lediglich auf einem 40 Zentimeter hohen Podest; man habe sozusagen Engels vom Sockel geholt. Allerdings ergibt sich bei einer Höhe der Figur von 3,85 Meter damit immer noch eine stattliche Gesamthöhe von 4,25 Meter.
Zum Vergleich: Der Trierer Entwurf für die Figur beträgt 4,90 Meterm und der Sockel 1,40 Meter, was eine Gesamthöhe von 6,30 Meter ergibt.
Ich denke, es gibt genug Argumente, den berühmten Sohn der Stadt ohne Sockel und in reduzierter Größe abzubilden - das wird auch der Künstler aus dem großen China im vergleichsweise kleinen Trier einsehen können.
Peter zur Nieden, Trier