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Trier: Karl Marx bekommt ein Plätzchen in der City

Stadtentwicklung : Marx bekommt ein Plätzchen in der City

Mit dunklem Pflaster, hellem Granit, Sitzbänken und neuen Straßenlaternen wird der Platz an der Ecke Brückenstraße/Jüdemerstraße derzeit hergerichtet – zu Ehren des größten Sohns der Stadt.

„An allem ist zu zweifeln“ soll einer von Karl Marx’ Lieblingssprüchen gewesen sein. Da scheint es nur recht, auch auf den Platz, den die Stadt zu seinen Ehren vis à vis seines Geburtshauses derzeit herrichtet, einen kritischen Blick zu werfen. Ursprünglich sollten in die etwa 420 Quadratmeter große Fläche an der Ecke Jüdemerstraße/Brückenstraße nämlich 12 Messingbänder eingelassen werden. Und in die Messingbänder sollten widerum Marx-Zitate eingraviert werden, um an Werk und Wirkung des größten Sohns der Stadt zu erinnern. So sah es zumindest der Entwurf vor, mit dem das Trierer Architekturbüro Ernst und Partner voriges Jahr den Gestaltungswettbewerb gewonnen hatte (der TV berichtete). „Messing wäre aber zu rutschig, da bestünde die Gefahr, dass Leute hinfallen“, erklärte Triers Baudezernent nun beim Ortstermin am Montag. Stattdessen sollen helle, schmale Granitsteine in das anthrazitfarbene Betonpflaster verlegt werden. In den Granit werden Buchstaben aus Edelstahl eingelassen. „Welche Marx-Zitate dafür ausgewählt werden, steht noch nicht fest“, sagte Ludwig. Der Verein Karl-Marx-Viertel hatte Vorschläge eingereicht. Jetzt sollen Experten eine Auswahl treffen.

Die eigentlichen Bauarbeiten sind derweil in vollem Gang. Das alte, graue Pflaster ist abgetragen, der komplette Platz abgesperrt. Die Zufahrt von der Jüdemerstraße ist zurzeit nicht möglich. Langfristig ist geplant, den Platz als Außenterrasse für die ansässige Gastronomie zu nutzen – wofür die Durchfahrt von der Jüdemerstraße an dieser Stelle allerdings dauerhaft gesperrt werden müsste. Die drei bisherigen  Robinien  bleiben stehen. Unter ihnen werden drei Sitzbänke aufgestellt. Der Platz wird mit vier modernen Mastleuchten – ähnlich den neuen Laternen auf dem Hauptmarkt – ins rechte Licht gesetzt. Dazu kommen Edelstahlbügel, an denen Fahrräder abgestellt werden können. Lampen, Bügel und Bänke bilden entlang der Brückenstraße eine Linie, so dass Autos dort nicht mehr parken können. Auch auf der gegenüberliegenden Seite fallen zwei Parkplätze weg, da von dort – und auch von weiter unten in der Brückenstraße – die Straße so hergerichtet wird, dass Fußgänger sie leichter überqueren können.

Der Verein IG Karl-Marx-Straße verfolgt die Platzsanierung mit Spannung. „Wir haben die Fläche schon bislang für Straßenfeste und ähnliches genutzt und freuen uns, dass der Platz nun aufgewertet wird“, sagt Vereinsvorsitzender Christian Henniger. Die IG kann sich  gut vorstellen, dass auf dem Platz doch noch eine Karl-Marx-Figur aufgestellt wird. Schließlich war ursprünglich vorgesehen, dass das Denkmal, das China Trier zum 200. Geburtstag von Karl Marx schenkt, dort hinkommen sollte. Da das Geschenk aus China sich allerdings als 4,40 Meter hoher XXL-Marx entpuppte, erwies sich der Eckplatz als zu klein. Stattdessen wurde der Simeonstiftplatz als neuer Standort ausgewählt. Die Suche nach einem kleinen Marx für den Eckplatz in der Brückenstraße laufe bereits, sagt Henniger. „Eine solche Figur würde den Platz auch zu einem Touristenanziehungspunkt machen“, argumentiert der Vereinsvorsitzende.

Die städtischen Arbeiten, die sich auf eine Bausumme von rund 210 000 Euro belaufen, sollen im März abgeschlossen sein.

Ein Name für den neuen Platz ist übrigens noch nicht gefunden. Eingebürgert hat sich mittlerweile Karl-Marx-Plätzchen. „Das Recht, den offiziellen Namen auszuwählen, hat allerdings der Ortsbeirat“, betont Ludwig.