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Trier: Klaus der Geiger gibt Konzert mit Gitarrist Marius Peters

Konzert : Ein Duo wie kein zweites in Deutschland

Klaus der Geiger und Marius Peters spielten am Samstagabend in der Tuchfabrik Trier ihr Programm „Leben ist schön“.

Auch wenn der Titel der Veranstaltung „Leben ist schön“ im Zeichen aktueller Ereignisse auf den ersten Blick etwas zynisch anmuten mag: Der Virtuose Klaus der Geiger (82) schafft es, genau dieses heute manchmal scheinbar so selten gewordene Gefühl zu vermitteln – und sei es auch nur für einen Moment: Das Leben kann so schön sein, vor allem wenn man Teil der leidenschaftlichen Expression und Begeisterung einer Kunstfigur ist, die mittlerweile als „Street-Legende“ bezeichnet wird. Als er am Samstag in Begleitung des 50 Jahre jüngeren Hürther Gitarristen und Musiklehrers Marius Peters die Bühne der Trierer Tuchfabrik betrat, begann eine musikalische Kunst­einlage der etwas anderen Art.

Trier: Klaus der Geiger gibt Konzert mit Gitarrist Marius Peters
Foto: Fabian Pütz-Antony

Von Anfang bis Ende herrschte im kleinen Saal eine auffallend lockere und offene, fast schon persönliche Stimmung zwischen den Künstlern und den etwa 30 Gästen. Sie wollten den nach eigenen Angaben „aufgrund der Umstände seit sieben Monaten der Bühne verbannten“ Klaus live erleben. Es wurde viel gelacht und mitgeklatscht, was typisch für die natürlich-zwanglose Art des politisch engagierten Künstlers auf der Bühne zu sein scheint. Ihr dank drei geforderter Zugaben gut zweistündiger Auftritt war ein ambivalenter und bewegender „Best-Of-Mix“ . Aus alten und neuen Liedern, fröhlichen und schmerzlichen Inhalten, einem jeweils vorherrschenden Pessimismus und Optimismus und melodischen und improvisiert-dissonanten Stücken. Die Vielseitigkeit, Leichtigkeit und Vitalität, die der rüstige Aktivist dabei an den Tag legt, ist in der Tat eine Show für sich.

Trotz spürbarer Nervosität nach längerer Pause und einigen daraus folgenden Patzern bei der Absprache in den durch Kurzgeschichten und Anekdoten begleiteten Übergängen: Die beiden zogen mit ihrer sympathischen Art das Publikum von Anfang bis Ende begeistert in ihren Bann. Der am Ende nicht aufhörende Ruf nach immer weiteren Zugaben machte dies noch einmal deutlich.

Charakteristisch für ihren Auftritt waren die durch intensiven Blickkontakt gekennzeichneten, ständigen vermeintlichen Improvisations-Duelle der beiden. Diese vermittelten den Eindruck, als lausche man einer sportlichen Jam-Session, bei der nur ein Kontrahent am Ende triumphieren wird. Gleichzeitig ergänzen sich die beiden dabei jedoch so nahtlos, dass sich der Wettkampfgedanke schnell wieder verflüchtigt. Sichtliches Dahinschwelgen und Genuss treten hier an die Stelle des gerade verflogenen Gefühls.

Mal begleitet der eine mit seiner Gitarre, mal der andere mit der Geige. Dabei entstehen rasante und weit schwingende Melodie­bögen, intime Balladen und immer wieder gänzlich überraschende Klänge.

Hervorzuheben sind dabei die unverkennbar raue, alles durchdringende „Whiskey-Stimme“ von Klaus sowie sein untypisch-legeres Äußeres für einen Künstler seines Wirkungsgrads: wild sprießendes, graues Haar, Löcher in der Hose, eine abgetragene Filzjacke mit bunten Flicken und schlichte Sandalen. Eine wahre Erscheinung für einen Künstler mit Weltformat, aber eine umso passendere Ergänzung zum Image des Straßenkünstlers.

Inhaltlich nimmt Klaus kein Blatt vor den Mund, wenn es um aus seiner Sicht offenkundige Pro­bleme dieser Welt geht. Stets treten hierbei sein starker Gerechtigkeitsdrang, Pazifismus, lebensbejahende Weltsicht und Friedens­aktivismus in allen Facetten deutscher Lyrik zum Vorschein. So sind in seinen Liedern beispielsweise die „Mutanten (Viren) die Abwehrreaktion des Planeten auf Ressourcen­ausbeutung und die Zerstörung der Bio­diversität“.

Klaus von Wrochem und Marius Peters touren aktuell durch Deutschland. Infos:

www.klausdergeiger.de/termine.shtml