Trier, Konz und Schweich wollen einen radschnellweg, aber es geht nur langsam voran

Verkehr : Mit langsamen Schritten zum Radschnellweg

Ein Büro prüft zurzeit den möglichen Verlauf einer Pendlerradroute zwischen Konz, Trier und Schweich. Noch dieses Jahr soll feststehen, welche Wegführungen möglich sind. Allerdings liegen die Probleme aus Radler-Sicht vor allem im Bestand.

Fahrradfahren ist sauber und gesund. Deshalb sehen viele Verkehrsplaner das Rad, egal ob mit oder ohne Elektromotor, als Musterbeispiel für umweltfreundliche Mobilität. Angesichts der Diskussion um den Dieselmotor und mögliche Fahrverbote in deutschen Großstädten gewinnt das Rad weiter an Bedeutung. Allerdings hinkt die Region Trier genauso wie der Rest Deutschlands beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur hinterher – vor allem im Vergleich zu europäischen Vorzeige-Radfahrstädten wie Kopenhagen: Dort nutzen 60 Prozent der Bewohner regelmäßig das Rad als Verkehrsmittel, während das in Trier nur neun Prozent der Menschen tun. Die Stadt Trier will das zusammen mit den Verbandsgemeinden Schweich und Konz ändern, indem sie einen Radschnellweg baut, der die drei Städte im Moseltal verbindet. Durch die bessere Infrastruktur können aus Sicht der Befürworter Berufspendler zum Umstieg vom Auto aufs Zweirad überzeugt werden.

Radfahrersicht Einer der diesen Schritt schon längst vollzogen hat ist der Trierer Jochen Zimmermann. Er würde sich über einen Radschnellweg freuen, aber noch lieber wären ihm Änderungen in der Stadt Trier. Der 42-Jährige pendelt seit 2010 täglich mit dem Rad nach Grevenmacher. Die etwa 22 Kilometer lange Strecke bewältigt er in einer Stunde. Morgens fährt er um 6 Uhr los, um 7 Uhr ist der Stadtplaner im Büro. Mit dem Moselradweg ist Zimmermann zufrieden: „Wer über diesen Weg jammert, jammert auf einem sehr hohen Nieveau.“

Mögliche Routenführung. Foto: TV/Schramm, Johannes

Probleme sieht der Stadtplaner, der sich auch beruflich mit Verkehrsthemen auseinandersetzt, woanders: „In Trier gibt es kein zusammenhängendes Radwegnetz. Das ist reine Flickschusterei“, sagt er. Er plädiert für mehr Radspuren auf der Fahrbahn. Das schafften andere Städte auch. „Trier ist eine konservative Autostadt, in der der Autofahrer seit Jahrzehnten gehegt und gepflegt werden, und das sieht man auch am Verhalten auf der Straße.“ Dass sich daran schnell etwas ändert, glaubt der 42-Jährige nicht: „Bis Trier es irgendwann einmal schafft, ein vernünftiges Radwegenetz durchzusetzen, gibt es wahrscheinlich keinen mehr, der Fahrrad fährt, weil man sich von A nach B beamen kann.“

Studie Geht es nach der Sweco GmbH aus Koblenz, sollte Zimmermann Unrecht behalten. Das Büro erarbeitet zurzeit im Auftrag der Stadt Trier eine Studie zum Potenzial eines möglichen Radschnellwegs. Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier, erläutert auf TV-Anfrage: „Es hat eine Auftaktveranstaltung mit den Auftraggebern und dem Büro sowie betroffenen Landesbehörden gegeben.“ Das Büro habe dabei erste Vorschläge für mögliche Trassenverläufe vorgelegt (siehe Text unten) und die wichtigsten Quell-Ziel-Beziehungen im Planungsraum analysiert.

„Eine der vorgeschlagenen Routen wurde auch mit dem Fahrrad abgefahren, um den Ist-Zustand vollständig zu dokumentieren“, sagt Schmitz. Die anderen müssen noch überprüft werden. Es würden zum Beispiel der Deckenzustand, die Breiten der vorhandenen Nutzungsfrequenzen und die Beleuchtung überprüft. In der zweiten Jahreshälfte 2018 sollen laut Schmitz die Ergebnisse vorliegen. Ende März oder Anfang April werde das Büro einen nächsten Sachstandsbericht abliefern. „Die Geschwindigkeit des weiteren Ablaufs hängt auch davon ab, wie zügig die Abstimmungen zwischen den drei beteiligten Kommunen laufen“, betont Schmitz.

Zukunft So fatal wie bei Radpendler Zimmermann hört es sich bei Stadtsprecher Schmitz nicht an. Allerdings lassen auch seine Aussagen nicht auf eine schnelle Umsetzung des Radschnellwegs hoffen: „Die Studie dient noch nicht der konkreten Entwurfsplanung baulicher Maßnahmen“, sagt er. „Es geht erst einmal um die grundsätzliche Machbarkeit einer möglichen Routenführung.“ Über die Ergebnisse müssten zunächst die kommunalen Gremien (Stadtrat Trier und Verbandsgemeinderäte Konz und Schweich) diskutieren. Dies könnten dann weitere Planungsschritte in Richtung einer Umsetzung beauftragen.

Bei der Umsetzung sieht Schmitz zwei Möglichkeiten: Entweder hilft das Land mit Fördergeld beim schrittweisen Ausbau des bestehenden Netzes in vielen kleinen Einzelprojekten, oder die Pendlerroute wird in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und vom Bund als Großprojekt bezahlt. Doch auch beim Bund gibt es noch Hürden auf dem Weg zur Finanzierung neuer Radwege (siehe Info).

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