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Trier: Kürzeste Führung der Stadt im kleinsten Hörsaal der Welt

Stadtgeschichte : Kürzeste Führung in der ältesten Stadt Deutschlands - und das rund um den kleinsten Hörsaal der Welt

Bei der 30-minütigen Stadtführung am wahrscheinlich kleinsten Hörsaal der Welt gibt‘s Triers Geschichte einmal kompakt für Studenten. Und für alle, die es mal waren oder werden wollen.

Einmal herum ums Marktkreuz, und schon ist die Führung durch die älteste Stadt Deutschlands erledigt. Das ist nicht oberflächlich, sondern eine flotte, aber gründliche, Stadtgeschichte. Sie wird erzählt am Mittelplunkt des Hauptmarkts. Von verschiedenen Punkten um das Marktkreuz herum sind die Sehenswürdigkeiten sichtbar, die im Mittelpunkt von Hannes Brogmus‘ (36) Stadtführung stehen. „Ich zeige euch den Hauptmarkt, aber wir marschieren durch sämtliche Epochen“, sagt der Historiker.

Seine Führung gab es mittlerweile zwei Mal als Teil des Programms „Studier in Trier“, organisiert vom Studiwerk der Universität Trier. Brogmes‘ Ziel für alle Studis, die an seiner Stadtführung teilnehmen: Dass sie Trier so lieben wie er. Und dass sie wie er auch nach dem Studium hier hängen bleiben. Seine Führung beginnt vor dem kleinsten Hörsaal der Welt am Hauptmarkt, mit der Gründung Triers durch Kaiser Augustus. Von dort geht es zum Wahrzeichen der Stadt, der Porta Nigra – also, es geht etwa fünf Schritte weiter, von wo aus man das antike Stadttor sehen kann, das als einziges von ehemals vier erhalten geblieben ist. Dank des Heiligen Simeon. Der Bischof baute eine Kirche um sein Grab, und weil Simeon sich im Stadttor begraben ließ, steht für 700 Jahre die Kirche über der Porta, bis zum Abriss 1804. Nur die Apsis ist von außen noch sichtbar.

Die kurze Stadtführung in Trier springt durch mehrere Epochen

Nächste Station und ein Zeitsprung: Das Sektwunder von Bernard Massard: 1981 liefen tausende Liter „Herrenklasse trocken“ versehentlich in die Wasserleitungen, so dass es aus den Wasserhähnen in der Nachbarschaft Sekt sprudelte. Dann geht es zurück ins Mittelalter und zur nächsten Station: Ein paar Schritte weiter Richtung mittelalterliches Marktkreuz, und Mittelpunkt der Stadt. Es folgt eine kurze Lektion zum Erzbischof über den sich die Bürger damals ärgerten. Sie baute also an den Markt Gebäude, die wiederum den Bischof ärgern sollen.

Damit geht es zur nächsten Station – dem spätmittelalterlichen Profanbau, der Steipe. Dann hinüber zur Bürgerkirche St. Gangolf, deren Turm die Bürger im späten Mittelalter erhöhen. Damit war St. Gangolf höher als der Dom. Verärgert erhöht wiederum der Erzbischof einen Turm seines Doms. „In einer Art Twitter des ausgehenden Mittelalters bringen Bischof und Bürger Zitate an ihren Bauten an.“ Spannend: Das Zahlenrätsel in der lateinischen Inschrift am Portal. Darin ist versteckt ist die Jahreszahl 1732.

Nächste Station: der 400 Jahre alte Brunnen, erbaut vom Erzbischof. Darin will er die Trierer, die kurz vor der Errichtung des Brunnens einen Prozess, um freie Reichsstadt zu werden, verloren haben, an die vier Tugenden erinnern. Hinter ihnen versteckt: Affen. „Da zieht ein Affe dem anderen was aus dem Hintern – die machen Schweinkram“, sagt Brogmus. Damit habe der Bischof den Bürgern sagen wollen: „So seid ihr wirklich.“

Schließlich geht es noch zum Dom, seiner Architekturgeschichte und zum Domstein, den der Teufel persönlich vor den Dom gepfeffert haben soll.

Führung interessiert auch Studierende, die aus der Region Trier stammen

Die Studentin Jana Forens ist weder Ersti, noch kommt sie von weit weg. „Ich bin wegen des Kleinsten Hörsaals auf die Führung aufmerksam geworden“, sagt die Eifeler Studentin. „Ich hatte noch nie vorher eine Führung gemacht, aber jetzt weiß ich endlich mehr über die Stadt.“

Die nächsten Termine des Kleinsten Hörsaals stehen schon: „Trierisch für Studis und alle die es werden wollen“ am 17. Mai um 15 Uhr und am 22. Juni um 17 Uhr.

(aha)