Trier: Kult-Kneipe Havanna schließt nach 22 Jahren

Gastronomie : Von Havanna geht’s nach Mexiko

Nach insgesamt 22 Jahren schließt Ende November die Kult-Kneipe Havanna endgültig ihre Tore. Inhaber Atilla Gülgen hat neue Pläne für die Adresse am Viehmarkt.

Als 1997 das Havanna am Trierer Viehmarkt eröffnete, war die Mischung aus urig und hip für Trier noch recht ungewöhnlich. Bar und Restaurant liefen prompt super, die Partys im engen Keller waren legendär. 2002 schloss das Havanna dann trotzdem die Türen – das Konzept schien ausgelaugt. Gut ein Jahr später belebte Atilla Gülgen den Laden neu – mit Erfolg.

Mittlerweile ist die Bar mit Restaurant und großer Terrasse aus dem Viehmarkt eine der ältesten Gastro-Adressen in Trier – abgesehen von alteingesessenen Gastwirtschaften in den Stadtteilen. „Ein bisschen ist das Havanna wie ein Oldtimer, oder ein IPhone 3 – alles funktioniert, man hat es liebgewonnen, aber man schielt auch nach was Neuem“, sagt Gülgen. Und man merkt ihm an, wie sehr ihm der Laden am Herzen liegt.

Schließlich war das Havanna der Grundstein seiner Karriere als Gastronom. Im Jahr 2000 hatte der damals 20-Jährige im benachbarten Barocco, das es längst nicht mehr gibt, als Aushilfe in der Spülküche angefangen. Nach und nach arbeitete er sich hoch – wurde Bartender im damaligen Club Forum und schließlich dort Betriebsleiter. „Ich merkte, Fleiß und viel Arbeit zahlen sich aus“, sagt Gülgen. Schließlich schickt sein Chef ihn ins Havanna, und als sich 2004 die Chance ergibt, übernimmt er den Laden als Inhaber und Geschäftsführer.„Auch nach 15 Jahren läuft das Havanna – mittwochs, donnerstags und am Wochenende sowieso ist es voll hier“, sagt der 40-Jährige, dem seit 2013 auch der ehemalige Club Forum gehört, den er unter dem Namen Metropolis neu eröffnet und zum einzigen echten In-Club Triers geführt hat. Das alte, denkmalgeschütze Gebäude, in dem früher das Kino der französischen Garnison beheimatet war, hat er gekauft und in einem Nebenraum kürzlich den Pizza-Lieferdienst Blizzeria eröffnet.

Warum er mit seinem gut gepflegten Schätzchen Havanna nicht einfach weiter macht? „Das ist nicht mein Anspruch, ich will nicht so lange warten, bis der Laden sich dann irgendwann vielleicht doch totläuft“, sagt Gülgen.

Das neue Konzept für die Adresse am Viehmarkt hat er schon in der Tasche. Der Mietvertrag ist für weitere zehn Jahre unterschrieben. Für den Umbau ist ein mittlerer sechsstelliger Betrag reserviert. „Am 20. Januar eröffne ich hier das Quesadilla, ein mexikanisches Restaurant mit großer Cocktail-Bar.“ Einen gelernten Koch aus Mexico habe er schon eingestellt. „Ich liebe mexikanisches Essen – leicht, würzig und lecker“, sagt Gülgen. Mit 90 Plätzen drinnen und von März bis Ende Oktober rund 200 auf dem Viehmarkt wird das Quesadilla das wohl größte mexikanische Restaurant Triers sein. „Und wir werden von 8 Uhr am Morgen bis spät abends aufhaben, täglich Frühstück anbieten und am Nachmittag Kaffee und Kuchen. Ich will die herrliche, sonnige Viehmarktterrasse voll ausnutzen“, sagt Gülgen. Das Konzept für das neue Restaurant hat der 40-Jährige zusammen mit der Bitburger Brauerei entwickelt. Fliesen, Theke, Einrichtung sind schon ausgesucht.

Bevor es aber an die zwei Monate Komplett-Umbau geht, gibt’s am Freitag und Samstag, 22. und 23. November, eine große, öffentliche Abschiedsfete im Havanna mit kostenlosem Büfett für alle Gäste. „Ich will das Havanna würdig verabschieden – mit einer tollen Party, zu der auch alle ehemaligen Mitarbeiter samt Familien da sein werden. Ich freu’ mich auf das Wiedersehen – und natürlich den Neustart!“

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