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Trier – Las Palmas – Trier

Trier – Las Palmas – Trier

TRIER. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten: Ansgar Steffgen (38) hat zwölf Jahre auf Gran Canaria vor der Küste Afrikas gelebt – bei 18 bis 25 Grad durchschnittlicher Jahrestemperatur. Das setzt offensichtlich kreative Kräfte frei: Der Unternehmer singt und spielt Gitarre in zwei Trierer Bands.

Ein breites Lächeln dominiert das Gesicht, es strahlt Selbstbewusstsein aus - Unternehmer Ansgar Steffgen hat vor den eigenen Angestellten keine Scheu, seine Gitarre hervorzuholen und ein Bossa-Nova-Stück vorzutragen. Er habe das, was man im Spanischen einen "carácter propio", einen eigenen Charakter nennt, sagt der Trierer - die "Canarios", die Einwohner von Las Palmas, sagen dazu "Cabeza dura": Dickkopf. Steffgen ist vor der Küste Afrikas aufgewachsen.Eine Spur Lockerheit an der Mosel

Er war gerade sieben Jahre alt, als sich seine Familie im Hauptort von Gran Canaria, Las Palmas, niederließ. Fern der Heimat besuchte er dort eine deutsche Schule, der Alltag aber war spanisch. "Das Herz verweilt noch immer dort", sagt Steffgen mit einem Anflug von Wehmut. "Herzlich" seien die Einwohner seiner einstigen Heimat. Vom dortigen Lebensgefühl hat er eine Spur Lockerheit an die Mosel mitgebracht. "Man sollte hier mehr miteinander sprechen und nicht gleich streiten, wie es leider in vielen Fällen vorkommt." Und während er das sagt, wechselt er ohne Pausen zwischen dem Deutschen und dem Spanischen.

Es ist erstaunlich, dass dieser Weltenbummler mit 19 wieder nach Trier zurückkam - "der Wunsch nach einer qualifizierten Lehre" und die Bundeswehr waren die Gründe. Seit 1996 führt er eine eigene Umzugs- und Einlagerungsfirma mit neun Mitarbeitern in Trier-Euren. Zurück will er nicht mehr: "Gran Canaria ist eine Insel, dort ist man eingeschränkt. Anders als in Trier."

Seine Arbeit mache ihm Spaß, das sei etwas, was er gerne mache. Beruflich wünscht sich Steffgen eine bessere Beurteilung des Möbelpacker-Berufs. "Er ist auch Monteur, Innenarchitekt und Psychologe" - im Umzugs-Lastwagen führe man schließlich das gesamte "Leben" des Kunden mit, entsprechende Sorgfalt sei notwendig.

Für ihn selbst habe der Umzug an die Mosel anfänglich einen Kulturschock bewirkt, sagt er. Doch mittlerweile hat sich Steffgen eingelebt. In seiner Freizeit frönt er zwei Leidenschaften: seinem 1963er Chevrolet Pick-up ("In der Serie ‚Lassie‘ fuhren die auch so ein Ding") und der Musik. Der Gitarrero spielt und singt in den Trierer Bands "Junes" und "Penalty".

Manchmal ist Trier eben doch eine kleine Insel: "Junes"-Sängerin Julia Reidenbach war auch Kindergärtnerin seines Sohnes Max, und der wiederum ist Schulfreund des Sohnes eines der "Penalty"-Mitglieder. Letztere hätten ihn 2002 ins kalte Wasser geworfen, erzählt Steffgen: "15 Jahre nach der Trennung der Band planten die Jungs einen Revival-Auftritt und sagten: Du machst mit! Und dabei ist es bis heute geblieben. Gut so!"

Man spürt Steffgens Begeisterung für die Musik. Er spielt gerne eigene Stücke; seine Vorbilder sind Bruce Springsteen und Sting. Für die Zukunft allerdings hat er sich vorgenommen, auch Stücke auf Spanisch vorzutragen. "Bossa Nova, Salsa - in diese Richtung möchte ich mich bewegen." Sein elfjähriger Sohn begleitet ihn bereits auf dem Schlagzeug - aber das erzählt Steffgen wieder in der Sprache von Don Quijote.

Dass er die fremde Sprache aus Jugendzeiten noch immer perfekt beherrscht, erleichtert ihm mitunter die Akquise neuer Kunden: "Hombre!", habe neulich ein Umzugsinteressent aus Luxemburg am Telefon ausgerufen, bevor er zum "Du" wechselte - Steffgen hatte ihn auf Spanisch begrüßt.

Die nächsten Auftritte von Ansgar Steffgen: Mit seinem Bands "Junes" und "Penalty" spielt er bei Benefiz-Konzerten am Samstag, 27. November, in der Konzer Saar-Mosel-Halle (Festival zu Gunsten eines verunglückten Mitglieds des Motorrad-Clubs "Stormriders") und am Sonntag, 11. Dezember, in der Trierer Gaststätte "de Winkel" zu Gunsten der Frankenturm-Benefizaktion des Trierischen Volksfreunds.