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Trier macht gegen Rechts mobil - 300 Menschen protestieren gegen NPD-Kundgebung

Trier macht gegen Rechts mobil - 300 Menschen protestieren gegen NPD-Kundgebung

Mit einem "Fackelzug gegen Asylbetrug“ ist die NPD Trier heute Abend durch den Stadtteil Trier-Euren marschiert. Derzeit leben dort 370 Flüchtlinge in einer Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA). Zur Gegendemonstration waren fast 300 Menschen gekommen. Sie haben mit Weihnachtsliedern und kreativen Aktionen gegen die rechte Kundgebung protestiert. Bei Rangeleien sind fünf Beamte der Bundespolizei leicht verletzt worden.



Update

21.50 Uhr:
Der "Fackelzug" in Trier-Euren ist beendet. Es ist zu keinen weiteren Zwischenfällen gekommen. Die Polizei bleibt noch präsent, bis die NPD-Anhänger abgereist sind. Es gilt zudem, den regulären Verkehr in dem Stadtteil wieder zu ermöglichen. Oberbürgermeister Klaus Jensen, ADD-Chefin Dagmar Barzen und Caritas-Direktor Bernd Kettern haben sich noch einmal in der AfA-Außenstelle getroffen und den Flüchtlingen ihre Solidarität bekundet. Vor der Einrichtung hatten über den gesamten Abend Polizisten Wache gehalten.
Die Menschen in Trier-Euren, die in den vergangenen fünf Stunden Teil der Gegendemonstration waren, haben ein Zeichen gegen Rechts und für ein tolerantes Trier gesetzt.

21 Uhr: Es geht wieder zurück in Richtung Ausgangspunkt. Die Menschen, die an der Straße wohnen, werden zu unfreiwilligen Zeugen der rechten Parolen und des lautstarken Protestes dagegen. Die Polizei trennt weiterhin konsequent bei Gruppen.

20.17 Uhr:
Nun steht die ultrarechte Kundgebung in der Numerianstraße, 20 Meter vor dem Kriegerdenkmal. Dieses ist quasi besetzt von der Gegendemonstranten. Die NPD-Anhänger entzünden die wenigen erlaubten Fackeln.

20 Uhr: Etwa 50 Gegendemonstranten versuchen, auf Umwegen zu den NPD-Leuten vorzustoßen. Die Polizei verhindert dies. Wie sich später herausstellt, werden dabei fünf Beamte der Bundespolizei leicht verletzt. Die Gruppe steht nach dem Zwischenfall am Kriegerdenkmal - von der Polizei bewacht.

19.30 Uhr: Der Marsch durch Euren beginnt. Vor der kleinen Gruppe der NPD fahren mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Dahinter folgen, ebenfalls durch zahlreiche Polizisten getrennt, die Gegendemonstranten.

18.45 Uhr: Zwölf NPD-Anhänger haben sich zu einer Kundgebung eingefunden. In etwa 100 Metern Entfernung formieren sich die Gegendemonstranten mit ihren Plakaten an der Tankstelle. Eine Hundertschaft Polizei hält beide Gruppen auf Abstand.

17.45 Uhr: An der Tankstelle in der Eurener Straße haben sich im strömenden Regen weit mehr als 200 Gegendemonstranten versammelt, überwiegend Eurener Bürger, die Transparente mit Aufschriften wie "Euren gegen Nazis" hoch halten. Die Polizei ist mit 30 Mannschaftswagen vor Ort. Von den NPD-Sympathisanten ist bisher noch nichts zu sehen.

Dass Oberbürgermeister Klaus Jensen die NPD-Kundgebung am liebsten verhindert hätte, ist kein Geheimnis. Das Verbot der Stadt, Fackeln zu entzünden, konnte er allerdings nicht ganz durchsetzen. Das Verwaltungsgericht Trier erlaubte nach der Beschwerde der NPD am Freitagnachmittag zumindest vier Fackeln. Die befürchtete "Drohkulisse mit erheblichem Einschüchterungseffekt", wie sie die Richter bei mehr Fackeln befürchtet hat, werden die wenigen ultrarechten Demonstranten damit nicht erreichen.

Das könnte viel eher die Polizei schaffen, die mit einem Großaufgebot Zwischenfälle verhindern will. Auf keinen Fall soll es einen NPD-Umzug bis zum Asylbewerberheim oder handgreifliche Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten geben.

Zur Gegendemonstration gegen Rechts hat der Verein "Für ein buntes Trier, gemeinsam gegen Rechts" aufgerufen. Kreativ und lautstark sollen rechte Parolen übertönt werden. Vorsitzender des Vereins ist Oberbürgermeister Klaus Jensen, der gemeinsam mit ADD-Präsidentin Dagmar Barzen und anderen Politikern sowie Bernd Kettern, Direktor der Caritas Trier, an der Gegendemonstration teilnimmt.

Mitorganisatorin Nicola Rosendahl freut sich über jeden Teilnehmer: "Wir werden ein klares Zeichen setzen und sind froh, weil auch die Bürger von Euren deutlich machen, dass sie sich nicht von fremdenfeindlichem Gedankengut vereinnahmen lassen."

Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz hatte gemeinsam mit dem örtlichen Kameradenverein schon am Nachmittag das Kriegerdenkmal in Euren verhüllt, das die NPD-Sprecher die Erinnerung an die Bombenangriffe auf Trier zur Weihnachtszeit 1944 als Anlass für ihre Veranstaltung nutzen wollen. Mitglieder der Eurener Vereine wollen sich dem Zug der Gegendemonstranten anschließen und lautstark zu instrumentaler Begleitung Weihnachtslieder singen.
Mobilisiert hat auch die Arbeitsgemeinschaft Frieden. Friedensreferent Markus Pflüger: "Für die AGF ist es wichtig, den Gegenprotest zu unterstützen, um der rassistischen Hetze etwas entgegenzusetzen: Statt Flüchtlinge zu Sündenböcken zu erklären, gilt es, mit den Schwächsten der Gesellschaft solidarisch zu sein."

Es sei ein durchschaubares Manöver der NPD, vereinzelte Vorkommnisse zu verallgemeinern und mit der Abwertung von Asylsuchenden für ihr braunes und völkisches Weltbild zu werben. "Wir sind für ein demokratisches Miteinander, es gilt eine Willkommenskultur zu unterstützen und Fluchtursachen zu bekämpfen, nicht Flüchtlinge."

Eine Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier befindet sich in einer ehemaligen Kaserne im Stadtteil Euren. Etwa 370 Flüchtlinge sind dort untergebracht, was manchmal in dem Stadtteil auch zu Spannungen führt.
Die nach Ansicht von Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz unsachliche Berichterstattung in überregionalen Medien habe zu einem falschen Bild von den Menschen dort geführt. "Wir sind den Flüchtlingen von Beginn an positiv gesonnen. Allerdings müssen auch sie gewisse gesellschaftliche Regeln einhalten." Er freute sich am Freitagabend über die große Beteiligung der Menschen aus dem Stadtteil an der Gegendemonstration.

"Euren ist ein Ort der Toleranz und Vielfalt." Diese Aussage ziert auch ein großes Banner, das von den Bürgern durch die Straßen des Ortes getragen wird.