1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Trier: Miez-Box: Hilfe für Kinder aus armen Familien

Finanzierung durch Spenden : Viele Familien können sich Betreuung und Mittagessen nicht mehr leisten: Wie Hilfe geht, zeigt der Mergener Hof

Der Mergener Hof in der Trierer Innenstadt ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Doch wegen der aktuellen Preiserhöhungen können sich einige Familien die Angebote des Zentrums nicht mehr leisten. Das Projekt „Miez-Box“ soll Abhilfe schaffen.

In der Küche des Mergener Hofs ist ab 13 Uhr einiges los. Nach Schulschluss kommen die Kinder und Jugendlichen aus den Trierer Schulen und essen hier gemeinsam zu Mittag. Rosi Strupeck, die Köchin, steht hinter der kleinen Essensausgabe. Heute gibt es Rührei mit Kartoffeln, Gemüse und Gurkensalat. Für einen Jungen brät Rosi extra eine Portion Speck und Zwiebeln an. „Das kann er sich auf seine Kartoffeln machen. Er isst nämlich kein Rührei.“ Der Junge scheint öfter Extrawünsche zu haben, denn er gibt zu: „Das kennt man schon von mir.“ Einige der Schüler sind bereits fertig mit essen. Sie räumen ihr Geschirr ab und verschwinden in das obere Stockwerk. Dort erledigen sie ihre Hausaufgaben.

Der Mergener Hof, der früher noch Marianische Jünglings Congregation (MJC) hieß, ist seit 1617 eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. In der „Miez“, wie der Hof häufig unter Trierern genannt wird, können die Schüler ihre Nachmittage und Abende verbringen. Das Betreuungsangebot geht jeden Tag bis 21 Uhr.

In der Miez: Kostenlose Betreuung für arme Kinder

Die Eltern müssen für diese Angebote normalerweise zahlen. Doch die Mitarbeiter im MJC stellten zunehmend fest, dass einige Familien sich das wegen der aktuellen Preiserhöhungen nicht mehr leisten können. „Das Thema Kinderarmut ist bei uns seit Corona immer präsenter geworden“, sagt Kai Wichmann, Leiter des Mergener Hofs.

Deswegen wurde das Projekt Miez-Box ins Leben gerufen, das am 1. Januar startete. Hierbei können Kinder und Jugendliche aus armen Familien kostenlos am warmen Mittagessen, der Hausaufgabenbetreuung und einem Freizeitangebot teilnehmen. „Die Miez-Box wird komplett durch Spenden finanziert. Diese fließen unter anderem in die Bezahlung des Personals und in den Einkauf von Lebensmitteln.“

Seinen Namen erhält das Projekt auch dadurch, dass Container, oder eben Boxen, mithilfe der Spenden erworben werden sollen. Die werden dann in den Innenhof der Miez gestellt. Denn laut Wichmann können momentan nur sechs Kinder an dem Projekt teilnehmen. „Wir kommen vom Platz her leider an unsere Grenzen.“ Mithilfe der Boxen könnte Kapazität für insgesamt 25 Teilnehmer geschaffen werden.

Mergener Hof: Betroffene Familien können sich einfach und schnell anmelden

„Prinzipiell ist die Anmeldung für das Projekt ganz einfach“, erzählt der Leiter des MJC. Von Armut betroffene Familien müssten sich nur beim Mergener Hof melden und dort eine Anmeldung ausfüllen. Das sei der einzige bürokratische Akt für die Erziehungsberechtigten.

Bei der Auswahl der Kinder, die für das Projekt infrage kämen, zählt Vertrauen. Wichmann betont: „Wir verzichten ganz bewusst auf eine Einkommensprüfung.“ Denn das Thema Armut sei weiterhin schambehaftet. Weil es keine Prüfung gibt, könne das Projekt zwar potenziell ausgenutzt werden, doch: „Bis jetzt haben wir keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Mit dem Thema wird sehr verantwortungsvoll umgegangen.“

Außerdem seien die Mitarbeiter des Mergener Hofs selbst an der Auswahl beteiligt. Laut Wichmann kennen die Kinder und Jugendlichen ihre Betreuer nach jahrelanger Zusammenarbeit sehr gut und haben Vertrauen zu ihnen aufgebaut. „Dadurch kennen wir einige Kinder, die für das Projekt infrage kommen würden.“ Außerdem könnten auch Dritte, beispielsweise Schulsozialarbeiter, potenzielle Teilnehmer des Projekts an den Mergener Hof vermitteln.

Mergener Hof: Deshalb ist die Miez Box für Kinder und Jugendliche in Armut wichtig ist

„Das gemeinsame Mittagessen bringt den Kindern und Jugendlichen eine Art von Struktur“. Dabei stelle die Zuverlässigkeit eine wichtige Grundlage dar. „Die Schüler kommen zu uns und können sich darauf verlassen, dass es ein warmes, ausgewogenes Mittagessen gibt.“ Das sei in Familien aus ärmlichen Verhältnissen oft nicht der Fall.

Außerdem sorgen die Mitarbeiter für eine familiäre Atmosphäre am Tisch. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass Rosi Strupeck die Kinder und Jugendlichen bereits kennt und auf sie eingeht. „Sie können sich mit ihren Essenswünschen immer an mich wenden. Für nächste Woche steht einiges von ihnen auf dem Speiseplan.“ Dabei achtet die Köchin darauf, gesunde und regionale Zutaten zu verwenden.

Bei den Kindern und Jugendlichen scheint das gut anzukommen. „Ich bin jeden Tag hier“, sagt eins der Mädchen. Das trifft auf einige hier zu. Auf das Gemüse würden manche an dem Tag trotzdem gern verzichten.

Der Leiter des Zentrums stellt zudem klar, dass die Kinder, die die Betreuungsangebote im Rahmen der Miez-Box wahrnehmen, nicht von den anderen abgegrenzt werden. „Die meisten Kinder wissen überhaupt nicht, dass sie durch das Projekt finanziert werden.“ Den Mitarbeitern des MJC sei es wichtig, die Integration der Kinder und Jugendlichen zu fördern. „Sie sollen bei uns zusammenkommen, egal aus welcher Religion, Nationalität oder sozialen Schicht sie stammen.“

Das Projekt soll vorerst drei Jahre lang laufen. Der Fokus läge momentan darauf, Spenden zu sammeln, damit sich das Projekt überhaupt so lange finanzieren könne. „Danach wird evaluiert, ob weiterhin Bedarf besteht und ob das Angebot in der Form auch zielführend war“, erläutert Wichmann. Doch zumindest beim Bedarf sei sich der Leiter sicher, dass der in den nächsten Jahren eher zu- als abnehmen wird.