Trier/Mitte-Gartenfeld: Eine luftige Halle in der Kreuzungsmitte

Stadtentwicklung : Trier/Mitte-Gartenfeld: Eine luftige Halle in der Kreuzungsmitte

Um dem Pferdemarkt mehr Aufenthaltsqualität zu geben, hatte der Ortsbeirat Trier/Mitte-Gartenfeld einen Wettbewerb an der Hochschule Trier ausgeschrieben.

Verkehrstechnisch hat der Pferdemarkt durch seine Neugestaltung stark gewonnen. Das vorher unübersichtlich und provisorisch wirkende Kreuzungsgewirr am Zusammenfluss von Mosel-, Walramsneu-, Oeren-, Deutschherren- , Bruchhausen- und Kutzbachstraße wirkt heute klar und übersichtlich. Auffallend ist die breite „Insel“ zwischen den Fahrbahnen – eine Schutzzone für Fußgänger, über die ein Radweg verläuft. Allerdings bietet diese Fläche mit ihren abgerundeten Einfassungen für Auto- und Motorradfahrer kein Hindernis bei unerlaubten „Abkürzungen“ von der Oeren- zur Kutzbachstraße.

Das Problem war bald nach Eröffnung des neuen Pferdemarkts Ende 2015 deutlich geworden. Seitdem prüfte der der Ortsbeirat Trier-Mitte-Gartenfeld mögliche Gegenmaßnahmen. Eindeutig abgelehnt wurde eine Absperrung mit Pollern – im Volksmund „Stangenspargel“ genannt. Zu sehr hatte eine Flut dieser silbrigen Stängel über Jahre das Trierer Stadtbild verunstaltet. Stattdessen schrieb der Beirat einen Gestaltungswettbewerb für Studierende der Hochschule (HS) Trier aus. Die Aufgabenstellung: Der Platz sollte städtebaulich aufgewertet werden und eine Aufenthaltsqualität vermitteln. Dabei waren die vorhandenen Verkehrswege zu beachten, die nicht verändert werden durften.

Dotiert war der Preis mit 2000 Euro. Insgesamt 40 Studierende nahmen teil und entwickelten 20 Gestaltungsentwürfe. Dabei mussten sie auf ein wichtiges Gestaltungselement verzichten: Da die Versorgungsleitungen dort dicht unter der Oberfläche liegen, ist keine große Begrünung möglich. Im Herbst 2017 stellte Fachbereichsleiter Professor Robert Thum dem Ortsbeirat die Arbeiten vor (der TV berichtete). Vier Entwürfe kamen in die engere Wahl. Die zu bewerten war Aufgabe einer Jury, bestehend aus Prof. Thum, Ortsvorsteher Dominik Heinrich und einem weiteren Architekten.

Inzwischen steht die Entscheidung fest: Der erste Preis geht an die Architekturstudenten Robert Jahnke und Lucas Thiele. Ihre Idee ist eine begehbare, maximal 3,50 Meter hohe Hallenstruktur mit Sitzgelegenheiten, die etwa Zweidrittel der Mittelinsel überspannt, vom Verkehr ringsum abschirmt und als Ort für kleine Veranstaltungen geeignet ist. Vorgesehen ist eine geschwungene Gitterschale, überspannt mit wasserdichtem Spezialtextil. Als Material für das Gitter schlagen die Studenten eine fest im Boden verankerte Holzkonstruktion vor, für deren Ausarbeitung sich das Holzkompetenzzentrum der HS anbiete. Thiele: „Uns war wichtig, dass die nutzbare Fläche komplett überdacht ist. Wir greifen die Idee aus anderen Städten auf. In London funktioniert das in ähnlicher Form auch an stark belebten Straßen.“

Einfach und kostengünstig erscheint der Entwurf des Teams Sissy Lässig und Esteban Durango, das den zweiten Preis erhielt. Gedacht ist eine „Möblierung“ der gesamten Fläche mit Bänken und Einzelsitzgelegenheiten. Ziel sei es, sagen die Preisträgerinnen, den Pferdemarkt zu einer Fußgängerfreundlichen Zone zu gestalten. Der Radweg darüber werde hervorgehoben, die Möblierung lade zum Verweilen ein und diene als Abgrenzung zur Straße.

Der dritte Preis ging an Anna Himpler und Charline Junker für ihre Idee eines „Urban Gardens“ – einem Stadt-Gartenbeet mit Sitzflächen innen und Stützwand nach außen. Ähnliche, mit Gartennutzpflanzen bepflanzte Beete sind seit einiger Zeit schon am Rathaus/Augustinerhof angelegt.

Den Sonderpreis erhielten Lea Biesdorf, Markus König und Anne Stadtmüller. Auch sie schlagen ein Stadt-Gartenbeet vor, wobei einfache hölzerne Euro-Frachtpaletten als tragende Elemente verwendet werden. Der Vorteil: Die bepflanzten Elemente sind mobil – sie können mit einem Gabelstapler leicht entfernt oder auf der Fläche umgruppiert werden.

Lange über Lösungen grübeln konnten die Teams übrigens nicht. Bei dem Wettbewerb für Erstsemester unter dem Motto „Stehgreif“ gab es nur eine Woche Zeit, um die Ideen zu entwickeln.

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