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Trier: Nicole Turina gewinnt Modepreis der Stadt

Mode : Modenschau der Hochschule Trier: Von der Utopie zum  Kleid

Trierer Modedesignerin Nicole Turina gewinnt Trierer Modepreis. 1500 Zuschauer sehen die Show in der Arena.

34 Absolventen der Hochschule Trier, Fachrichtung Modedesign, haben in der Arena Trier ihre Kollektionen gezeigt. „Crovement“ lautete das Motto der alljährlichen großen – und renommierten – Modenschau in diesem Jahr.

Crovement setzt sich zusammen aus Charakter und Movement und bezieht sich auf das Jubiläumsjahr von Karl Marx und sein Zitat: „Jede Bewegung verändert ihren Charakter, wenn sie von der Utopie zur Realität übergeht.“

Explizit die Rede war von dem Motto während der Modenschau kaum. Und offensichtlich zeigte es sich auch nicht. Doch subtil zog sich die Botschaft durch den Abend.

Studenten des Modedesigns schöpften aus ihren Utopien Inspiration und verwirklichten sie in Lingeriekollektionen, in Modelinien mit indirekter Kritik an den sozialen Medien oder mit fantastischen Kleidern, die in Kindheitserinnerungen ihre Wurzeln hatten. Die Absolventen verwandelten so ihre persönlichen Zukunftsvorstellungen in Realität.

Die blauen Augen konzentriert und ausdrucksstark, die Haare glatt nach hinten gekämmt, die feinen Züge ihrer Schultern zeichnen sich unter dem Brautkleid ab, welches sie trägt. Ein Gesicht, das Seele offenbart, ein Blick, der sagen möchte: „Wir beide? Vergiss es!“ So schreitet, nein, so gleitet Karen Reichelt über den Laufsteg und präsentiert die Hochzeitsmode von Paula Forster.

Christian Beck ist ehemaliger Student der Hochschule und sitzt in der Jury. „Die Models haben die Kollektionen wirklich gut verkauft“, sagt er. Er muss es wissen, war er doch vor zwei Wochen noch in Mailand bei einer großen Modenschau. Wenn er nicht in Trier in der Jury sitzt, ist er unter anderem Chefdesigner bei dem Modelabel Aigner. „Ich komme immer wieder gerne zurück. Die Modeschule in Trier lenkt ihre Designer nämlich nicht, sie begleitet sie. Deswegen packen hier alle mit an.“

Die Modenschau ist geprägt von einem bestimmten Ausdrucksverlangen, das sich in der gesamten Atmosphäre wiederfindet.

Sara Stubenbaum erkunde „mit Hilfe von Freunden und Familie die Freuden des Alltags, auf der Suche nach Augenblicken, die das Flüchtige zum Stillstand bringen“. Ihr Versuch sei es gewesen, das mittels Kunst zu übersetzen. Es ertönt John Coltranes „In a sentimental Mood“. Die Gesamtkomposition ist so stimmig, dass sich in diesem Augenblick das Flüchtige verfestigt.

Dann ist die Modenschau vorüber. Christina Threuter und Gioia-Maria Schreiber stehen verlegen mitten auf dem quadratischen Laufsteg. „Bitte unterhalten Sie sich noch ein wenig mit ihrem Nachbarn“, animiert Threuter, die Leiterin der Fachrichtung Modedesign, die rund 1500 Zuschauer in der Arena in Trier-Nord.

Alle warten auf die Juryentscheidung. Die drei besten Kollektionen werden mit dem Modepreis der Stadt Trier ausgezeichnet. „Es hat etwas länger gedauert, weil so unheimlich viele gute Designs dabei waren“, sagt Beck. Seine Jurorenaufgabe hat bereits um 13.30 Uhr begonnen. Ein paar Minuten Zeit hatten die 34 Absolventen jeweils Zeit, den fünf Vertretern aus Wirtschaft, Presse, Kultur und Design ihre Kollektionen und ihre Inspiration zu erklären.

„Heute Abend, nach der Modenschau, konnten wir einschätzen, ob alles in sich stimmig war“, betont der Chefdesigner von Aigner. Schließlich würden sich in der Mode mehr als in den meisten Gebrauchsgegenständen die Strömungen der Gegenwart wiederfinden. Da müsse man eben mal etwas länger nachdenken.

Schließlich stehen die Gewinner fest: Vanessa Fricke gewinnt mit ihrer Kollektion „gefühls-wert“ den mit 500 Euro dotierten dritten Preis. Caroline Sandmeyer schafft es auf Platz 2, dotiert mit 1000 Euro, mit ihrer Wortspielkollektion „pour les [re]belles“.

 Von klassischen Schnitten mit überraschenden Details wie durchsichtigen Ärmelstoffen oder geschnürten Bündchen bis zu opulenten, fantasievollen Roben und knapper Unterwäsche reichten die Kollektionen bei der Modenschau der Trierer Designer.
Von klassischen Schnitten mit überraschenden Details wie durchsichtigen Ärmelstoffen oder geschnürten Bündchen bis zu opulenten, fantasievollen Roben und knapper Unterwäsche reichten die Kollektionen bei der Modenschau der Trierer Designer. Foto: Christian Sarholz
 Modenschau Arena Hochschule Trier
Modenschau Arena Hochschule Trier Foto: Christian Sarholz
 Modenschau Arena Hochschule Trier
Modenschau Arena Hochschule Trier Foto: Christian Sarholz
 Modenschau Arena Hochschule Trier
Modenschau Arena Hochschule Trier Foto: Christian Sarholz

Mit ihrer gesellschaftskritischen Kollektion „Share – Sessed“ setzt sich Nicole Turina an die Spitze und erhält dafür 1500 Euro.