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Trier: Nur 31 Prozent der Führungskräfte im Rathaus sind weiblich

Kommunalpolitik : Rathaus Trier will mehr Frauen als Chefs

Insgesamt ist das Geschlechterverhältnis unter den knapp 2000 Mitarbeitern der Stadtverwaltung ausgeglichen. Die Posten mit hohen Gehältern und viel Verantwortung besetzen allerdings hauptsächlich Männer. Das soll sich ändern.

Nicht mehr „Frauenförderplan“ sondern „Gleichstellungsplan“ heißt das gut 30 Seiten dicke Werk, das die Verwaltung dem Stadtrat in dessen jüngster Sitzung am Mittwochabend vorgelegt hat. Das neue Landesgleichstellungsgesetz hat alle Kommunen dazu verpflichtet, solche Pläne bis Ende 2017 aufzustellen. So sollen Ungleichbehandlungen von Mann und Frau innerhalb der Stadtverwaltung aufgedeckt werden.

Neben Diagrammen und Statistiken enthält der Gleichstellungsplan der Stadt Trier aber auch konkrete Vorgaben, wie die Unterrepräsen­tanz von Frauen – vor allem in Führungspositionen und auf höheren Gehaltsebenen – reduziert werden soll. Außerdem geht es darum, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aktiv zu fördern.

Das Zahlenwerk gibt interessante Einblicke in den Stellenplan der Stadtverwaltung: Unter den insgesamt 1966 Bediensteten – Beamte, Angestellte und Auszubildende in Voll- und Teilzeitstellen – ist das Geschlechterverhältnis zwar mit 976 Frauen (49,6 Prozent) und 990 Männern (50,4 Prozent) ausgewogen:

Große Unterschiede zeigen sich allerdings im Detail: Von den 496 Mitarbeitern im Beamtenverhältnis sind nur 35,7 Prozent Frauen. Im Höheren Dienst mit entsprechenden Gehaltsstufen sind 77,3 Prozent der Mitarbeiter männlich. Ähnlich ungleich sind Chefposten in der Stadtverwaltung besetzt: Nur 31 Prozent aller Führungskräfte sind Frauen.

Der Gleichstellungsplan empfiehlt,  wie dieses Ungleichgewicht reduziert werden kann: Stellen, auf denen Frauen unterrepräsentiert sind, sollen künftig – bei gleicher Eignung im Vergleich zu männlichen Bewerbern – bevorzugt mit Frauen besetzt werden. Frauen, bei denen sich abzeichnet, dass sie für Führungsrollen geeignet sind, sollen verstärkt auf entsprechende Fortbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen hingewiesen werden, um ihre Chancen zu verbessern. Fortbildungen sollen außerdem so gestaltet werden, dass auch Beschäftige, die wegen ihrer Familie zum Beispiel Teilzeit arbeiten, daran teilnehmen können.

Außerdem sollen Teilzeitmodelle auch auf Führungsebene gefördert werden. Noch in diesem Jahr soll gleichzeitig in der Stadtverwaltung ein Nachwuchsführungskräfteprogramm initiiert werden.

Neben den Zahlenverhältnissen von Männern und Frauen beschäftigt sich der Gleichstellungsplan auch mit der Verbesserung des Schutzes vor Belästigung, sexueller Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz. „Die Gleichstellungsbeauftragte unterstützt betroffene Personen unter Wahrung strengster Diskretion in Fällen von Belästigung, sexueller Belästigung und Mobbing“, verspricht der Plan den Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

Die Stadtratsfraktionen begrüßten mehrheitlich den Gleichstellungsplan, der eine gute Übersicht über die Lage gebe.

Petra Kewes von den Grünen erklärte dazu: „In den nächsten Jahren werde viele Verwaltungsmitarbeiter in den Ruhestand gehen. Wir brauchen Nachwuchskräfte bei den Auszubildenden und wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Dabei kann der Gleichstellungsplan helfen.“

Elisabeth Tressel (CDU) forderte, dass die Umsetzung der im Gleichstellungsplan formulierten Ziele nach drei Jahren überprüft werden müsse. „Die Stadtverwaltung muss uns dann Rede und Antwort stehen!“, forderte die CDU-Stadträtin.

Tamara Breitbach (SPD) erklärte, das Ziel der Stadtverwaltung müsse die „Parität zwischen Männern und Frauen bei Laufbahnen und Besoldungsgruppen sein.“

Damit Frauen der Zugang in die Führungsebenen erleichtert werde, müssten auch dort Teilzeitstellen geschaffen werden, betonte Darja Henseler. „Denn Frauen arbeiten nun mal eben oft gerne Teilzeit“, sagte die Piratin.

Theresia Görgen (Linke) geht der Gleichstellungsplan der Stadt Trier nicht weit genug: „Es fehlen mutige, große Schritte für eine Gleichstellung aller Geschlechter – schließlich gibt es mehr als nur Mann und Frau“, sagte sie.

Diese Anmerkung begriff der AfD-Vorsitzende Michael Frisch als Steilvorlage: „Na, da wünsche ich dem Stadtvorstand mal viel Spaß dabei, Gleichstellung zwischen den 60 Geschlechtsidentitäten herzustellen, die es ja angeblich geben soll.“

Schon in seiner jetzigen Form sei der Gleichstellungsplan ein Zuviel an „staatlicher Lenkung“ in gesellschaftspolitischen Fragen. Selbstverständlich begrüße auch die AfD die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – unabhängig vom Geschlecht, sagte Frisch. Eine Parität zwischen Frauen und Männern auf allen Ebenen per Plan durchzusetzen, sei allerdings nicht sinnvoll. Dass Teilzeitangebote überwiegend von Frauen wahrgenommen werden, sei deren individueller Familienorganisation geschuldet, „Gleichmacherei“ sei da fehl am Platz.

Hermann Kleber (UBT) wies Frischs Argumentation zurück: „Es ist ein Gleichstellungsplan und kein Gleichmachungsplan! Wir Menschen zeichnen uns ja gerade daran aus, dass wir uns durch freie Entscheidungen an wünschenswerten Zielen ausrichten.“

Der Gleichstellungsplan  ist im Internet unter info.trier.de abrufbar. Einfach im Suchfenster „Textrecherche“ das Wort „Gleichstellungsplan“ eingeben.