Trier-Ost: Fuchs klaut Schuhe, Kinder finden Beute, Müllmann wirft sie weg

Kostenpflichtiger Inhalt: Tierische Geschichte : Diebischer Fuchs in Trier: Müllmann entsorgt Schuh-Sammelsurium

40 bis 50 von einem Fuchs verschleppte Schuhe hatte der kleine Paul in einem Weinberg in Trier-Ost gefunden. Der Junge wollte dafür sorgen, dass die Beute des Fuchses zurück zu ihren rechtmäßigen Besitzern findet. Der Plan scheiterte – an der Gründlichkeit eines Müllmanns. Jetzt springt eine kirchliche Stiftung ein.

Etliche Tage hatte Paul (8) dem listigen Dieb nachgestellt. Ihn auf frischer Tat zu ertappen, gelang ihm dabei zwar nicht. Aber wenigstens einen Teil der Beute stellte der kleine Detektiv sicher: 40 bis 50 Schuhe hatte der Grundschüler aus dem Weinberg gesammelt, der an das Haus grenzt, in dem er wohnt. Ein Fuchs hatte die Schlappen, Sneaker und Ballerinas aus den Vorgärten und von den Treppen der Wohnhäuser in der Kurfürstenstraße in Trier-Ost eingesammelt. Gar keine seltene Missetat – Füchse stehlen häufiger draußen abgestellte Schuhe. Vermutlich lockt der Geruch nach Leder und Schweiß sie an. 2009 hatte es in Föhren bei Trier einen ähnlichen Fall gegeben.

Um die Beute ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, hatte Paul zusammen mit Freunden die Schuhe neben dem Glascontainer am Kreuzweg in Trier-Ost aufgereiht. Wer seine Treter vermisste, konnte dort nachschauen und gegebenenfalls die Schuhe wieder mit nach Hause nehmen.

Der Volksfreund hatte über die Schuh-Aktion groß berichtet und viele Menschen hatten auf Facebook die Sache kommentiert. Zumindest einer hat von der kuriosen Geschichte allerdings nichts mibekommen: Der Müllmann, der regelmäßig rund um den Glascontainer im Kreuzweg saubermacht. Der Mann kam, sah – und entsorgte die Schuhe.

„Es tut uns natürlich leid – aber unser Mitarbeiter wusste nichts von der Aktion des kleinen Pauls“, sagt Kirsten Kielholtz, Pressesprecherin des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART). „Der Mann hat vielmehr nur seine Arbeit gemacht und für Sauberkeit rund um die Sammelcontainer gesorgt.“ Mittlerweile befänden sich die Schuhe auf der ART-Mülldeponie in Mertesdorf. Von dort würden die Treter mit anderem Restmüll in eine Verbrennungsanlage gebracht, erklärt Kielholtz.

Diebischer Fuchs in Trier unterwegs

Mutter Sabine Meier hatte zwar zusammen mit Paul kleine Zettel neben das Schuhsammelsurium gelegt, um darüber zu informieren, dass es sich nicht etwa um illegal entsorgten Müll handele, sondern um Diebesgut auf der Suche nach seinen Besitzern. „Aber die Zettel waren irgendwie immer verschwunden, wenn wir das nächste Mal vorbeigeschaut haben“, sagt Meier.

Paul hat am heutigen Montag erst Schule und dann bis zum späteren Nachmittag weitere Termine und ist daher selbst erstmal nicht zu sprechen. „Aber er trägt die Sache mit Fassung“, beteuert Sabine Meier.

Aufgeben komme für ihn allerdings nicht infrage. Zumal Pauls kleine Schwester kürzlich selbst Opfer wurde. „Sie wollte abends nur noch mal kurz raus aufs Trampolin, zog dafür ihre Schuhe aus – beide weg“, berichtet Mama Sabine.

Die Suche nach den verschleppten Schuhen gestaltet sich mittlerweile allerdings schwieriger. Nachdem volksfreund.de Mitte August über den diebischen Fuchs, die Schuhe und den fleißigen Paul berichtet hatte, meldete sich nämlich der Besitzer des Weinbergs bei Familie Meier. Die Reben im Wingert seien mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt. Diese seien zwar nicht giftig. Dass Kinder dort herumlaufen und möglicherweise die Blätter anfassen, ohne sich danach gründlich die Hände zu waschen, sei allerdings nicht gut, teilten die Vereinigten Hospitien mit, eine kirchliche Stiftung, der die Weinlage gehört.

Seitdem ist Paul zumindest nicht mehr direkt im Weinberg auf Detektivtour. Auf einem anderen nahen Spazierweg ist Familie Meier allerdings kürzlich fündig geworden: Zumindest ein Turnschuh der kleinen Schwester ist wieder aufgetaucht.

Und was passiert mit den Schuhen, die der Fuchs weiter im Weinberg versteckt? „Wir kümmern uns drum!“, verspricht Tobias Reiland, kaufmännischer Direktor der Vereinigten Hospitien. Tatsächlich sei den zuständigen Mitarbeiter, die zurzeit regelmäßig wegen Weinbergsarbeiten vor Ort sind, schon auf Turnschuhe und Schlappen gestoßen. „Wir sammeln ab jetzt alles ein, und wer in Trier-Ost wohnt und Schuhe vermisst, kann sich bei uns melden – etwa unter dem Codewort Schuh-Fuchs “, sagt Reiland, „wir werden dann versuchen, Beute und Besitzer wieder zusammenzubringen.“

Wer Kontakt zu den Vereinigten Hospitien aufnehmen will, kann das per E-Mail unter weingut@vereinigtehospitien.de oder unter der Telefonnummer 0651/9451210.

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