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Trier: Outdoor-Laden Viking Adventures feiert Jubiläum

Einzelhandel : 25 Jahre Viking Adventures: Drei Freunde und ihr großes Abenteuer

Seit gut einem Vierteljahrhundert gibt’s den von einem Trierer Trio gegründeten Outdoor-Laden Viking Adventures. Aber was haben Jean Pütz und Hape Kerkeling damit zu tun?

Der Plan war ursprünglich ein anderer: 1990er Jahre, Erik Bohlander, Frank Hilmes und Stephanie Ott studieren Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier. Ein Dozent  animiert die Studenten, eine eigene Firma zu gründen, um Theorie praktisch zu erfahren. Was die drei waschechten Trierer zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Das Projekt ist der Grundstein für ein erfolgreiches Unternehmen und für den Abschied von der Uni.

Ein Vierteljahrhundert später lösen die Ex-Studis in dem 500 Quadratmeter großen Laden Viking Adventures in der Trierer Paulinstraße Probleme von Bergsteigern,  Wanderern, Pilgern, Jägern, Sportlern, Weltreisenden und Menschen, die vor der eigenen Haustür ins Grüne wollen. Bohlander, 49, betont: „Wir sind keine Verkäufer, wir sehen uns als Problemlöser.“

Zurück auf Anfang: Das Trierer Trio schaut sich 1992 in der damaligen Do-it-yourself-Kultsendung Hobbythek an, wie Moderator Jean Pütz Siebdrucke auf T-Shirts aufbringt. Sie kaufen eine Siebdruckanlage und legen los. Bald werden die Aufträge größer und der Keller zu klein. Die drei mieten eine Werkstatt plus Laden in der Maarstraße. Sie drucken Bilder, Logos und Namen auf T-Shirts für Silvesterläufer, Profi-Basketballer oder Abiturienten. Und weil Bohlander, Hilmes und Ott gerne draußen sind, bestücken sie den noch verwaisten Laden mit Outdoor-Kleidung und -Ausrüstung.

Das Geschäft mit den Menschen, die Erholung und Nervenkitzel rund um den Globus oder in heimischen Wäldern suchen, brummt. 1994 nennen sie es Viking Adventures. Angelehnt an die altnordische Schreibweise von Wikinger (vìkingr).

Der Norwegenfreak, wie Bohlander sich selbst nennt, hat das Logo entworfen. Wer genau hinschaut, entdeckt die Buchstaben des Firmennamens im Bart des gezeichneten Wikingers. Zehn Jahre später zieht der Laden in die Paulinstraße um. Die Siebdruckanlage steht mittlerweile still. Dafür setzt das Trio eine weitere Passion im Laden um: Whiskey.

Aber hauptsächlich findet man in dem Geschäft alles, was man braucht, wenn man irgendwohin reist, um sich besonderen Herausforderungen zu stellen. Oder was man braucht, wenn man Erholung im vertrauten Grün sucht.

Der aktuelle Trend zum Entschleunigen und ohne großen Aufwand Natur zu erleben, spiegelt sich in dem Laden wider, über dessen Schaufenster ein Riesenrucksack baumelt. Außerdem halte der „Hape-Effekt“ bis heute an, sagt Bohlander. Hape Kerkeling hatte die Erfahrungen seiner Reise auf dem Jakobsweg in das Buch „Ich bin dann mal weg“ gepackt – und mit dem Bestseller einen Hype ausgelöst.

Und was ist der meistverkaufte Artikel? „Eine Hose mit abtrennbaren Beinen“, sagt Bohlander. Zurzeit seien bei Frauen spezielle Leggings zum Wandern beliebt. „Sie sind robust, es gibt sie in Johannisbeerfarben bis Dunkelblau und sie sehen schnasig aus“, meint er.

Auf der Internetseite des Unternehmens gibt es einen winzigen Onlineshop. Bewusst. „Wir sind ein stationärer Laden“,  sagt Bohlander. Digital sei vieles nicht abbildbar und machbar. Die Welt der Onlinegeschäfte habe Viking Adventures bis heute zwei Arbeitsplätze gekostet. Für die Zukunft des Ladens wünscht er sich, dass in zwanzig Jahren noch alle der derzeit zehn Mitarbeiter morgens zur Tür reinkommen.

Zur Firmenphilosophie gehört: Der direkte Kontakt zum Kunden im Laden ist unersetzlich. Ebenso legen die drei Geschäftsführer Wert darauf, zu wissen, wer die Ware wo und wie produziert und dass Kleidung, Schuhe und Ausrüstung nachhaltig sind. Das sagt Stephanie Ott. Die 49-Jährige ist die Extrovertierte im Team, Bohlander der Introvertierte und Hilmes, 50, der Ausgeglichene. Gerade weil sie so verschieden seien, sich seit Studi-Zeiten vertrauten, zögen sei seit einem Vierteljahrhundert an einem Strang.

Ihre Diplomklausuren haben die „Trierer Vikinger“ trotz Zulassung damals übrigens nicht mehr geschrieben. Erik Bohlander sagt: „Wir haben zur richtigen Zeit die richtige Sache gemacht und die richtigen Entscheidungen getroffen.“