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Trier: Per Fax zum Ersatz für den verlorenen Führerschein

Glosse : Per Fax zum Ersatz für den verlorenen Führerschein

Sie wohnen in Trier und haben Ihren Führerschein verlegt oder verloren? Dann halten Sie besser schon mal Kugelschreiber und Block bereit - Digital kommunizieren die zuständigen Behörden nämlich nicht miteinander. Manchmal hilft dann nur noch Humor:

Trier hat deutschlandweit die Nase vorn in Sachen Digitalisierung. Behaupten zumindest die Experten des Markforschungsinstituts Bitkom Research in einer aktuellen Analyse. Ich behaupte dagegen: Wer in Trier seinen Führerschein verliert, der hofft besser gar nicht erst auf die digitalisierte Verwaltung, sondern mietet am besten gleich eine Postkutsche, um die Dokumente für die Beantragung des Ersatzführerscheins von A nach B zu befördern.

Betroffen von dem Schlamassel ist – zum Glück für alle Beteiligten – mein sanftmütiger Mann und nicht ich. Dieser, ansonsten ein äußerst ordentlicher Mensch, hat also seinen Führerschein verloren, verlegt, verhusselt. Um Ersatz für das vermisste Dokument zu bekommen, muss man bei der Fahrerlaubnisbehörde eine eidesstattliche Erklärung ablegen, dass man beim besten Willen nichts über den Verbleib des alten Führerscheins weiß. Gebühr dafür: 30,70 Euro.

Alternativ und gratis ist eine Verlustanzeige bei der Polizei.

Auf der Wache will der Polizist wissen, wann genau und wo genau der Führerschein verloren gegangen sei. Wenn er das wüsste, würde er ihn dort abholen, meint mein Mann. „Aber irgendwas muss ich in die Felder eintragen“, sagt der Polizist. Die beiden einigen sich auf „verloren zu unbestimmten Zeitpunkt bei einer Radtour im Ruhrgebiet“, was möglicherweise stimmt. „Ruhrgebiet“ tippt der Polizist in seinen Rechner. Nach einer knappen Dreiviertelstunde hält mein Mann die ausgedruckte Verlustanzeige in Händen.

Bei der Fahrerlaubnisbehörde ist die Mitarbeiterin zufrieden mit dem Papier. Jetzt brauche es nur noch eine Karteiabschrift aus der Behörde, die vor rund 30 Jahren den Führerschein ausgestellt habe. Besorgen muss man diese Karteiabschrift selbst. Die Mitarbeiterin der Führerscheinbehörde diktiert meinem Mann eine Fax-Nummer, an die die Karteiabschrift gefaxt werden muss. Nein, per E-Mail oder auf anderen digitalen Wegen gehe das nicht, erklärt die Mitarbeiterin derjenigen Verwaltung, die von Martforschungsexperten gerade das Gütesiegel „Nase vorn“ in Sachen Digitalisierung erhalten hat.

Anruf also bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Ob mein Mann sicher sei, dass er damals in Bitburg seinen Führerschein gemacht hat, der Computer sei nämlich kaputt, sie könne nicht nachschauen, sagt die freundliche Mitarbeiterin der dortigen Führerscheinstelle. Ja, 100 Prozent, sagt mein Mann, der Bitburger. „Dann ist gut, dann nehme ich Ihre Daten jetzt auf und gucke so nach“, sagt die Frau.

Mein Mann bittet darum, die Karteiabschrift an die Trier Behörde zu faxen. „Äh, ja“, sagt die Frau. Nur klappe das mit dem Faxen leider seit ein paar Tagen nicht so gut, das Gerät im Büro habe irgendwelche Macken. Mein Mann bietet der Frau an, dass sie ihm die Karteiabschrift ja zumailen und er es dann selbst per Fax an die Trierer Fahrerlaubnisbehörde schicken könne. Das geht nicht, die Karteiabschrift dürfe nicht an privat rausgegeben werden, erklärt die Frau. Mein Mann überlegt, einen berittenen Boten nach Bitburg zu schicken, im Auftrag des Kaisers natürlich, nicht privat. Welchen Platz Bitburg im Städte-Digital-Ranking der Marketingexperten belegt, weiß ich nicht.

Die Bitburger Verwaltungsmitarbeiterin sagt meinem Mann jedenfalls zu, alles zu versuchen, damit das Fax möglichst bald rausgeht. Mein Mann liest ihr am Telefon die elfstellige Fax-Nummer der Trierer Behörde vor.

Jetzt nur noch fix zur Führerscheinstelle, um endlich den neuen (Plastik)-Lappen zu beantragen. Leider sind mittlerweile allerdings alle Termine bis Anfang November ausgebucht. Wir trösten uns: Da hat das Fax aus Bitburg wenigstens Zeit für die lange Reise. Ob’s bis November wohl angekommen ist?