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Trier: Kunstwerk auf dem Petrisberg auf 670 Quadratmetern

Kultur am Bau : Die größte „Musikbühne“ Triers - Dieses Kunstwerk auf dem Petrisberg sollte man nicht verpassen

Ein 60 Meter langer Bauzaun auf dem Petrisberg wird zu einem Festival für Musikliebhaber. Wie das geht und warum ihr nicht mehr allzu lange warten solltet, um es zu erleben:

Die Trierer Künstlerin Anja Streese lebt seit 2010 auf dem Trierer Petrisberg. „Hier oben ist es einfach wunderbar“, schwärmt sie von dem Quartier, das sich seit der Landesgartenschau 2004 von einem tristen Kasernenareal in einen attraktiven Wohnort mit hohem Freizeitwert verwandelt hat. Was alles geboten wird, die Geschichte des bereits zur Römerzeit genutzten Bergrückens und dessen jüngere Entwicklung hat sie auf dem 170 mal 38 Zentimeter großen Siebdruck-Kunstwerk „ENDwickelt“ verewigt. Die 670 Quadratmeter-Mega-Version davon ist seit Juli am Gerüst für den neuen Wohnungsbaukomplex „Ecole Maternelle“ gegenüber dem Turm Luxemburg zu bestaunen.

Kunst auf dem Petrisberg

Entstanden sind beide Kunstwerke im Auftrag der Projektentwicklungsgesellschaft EGP, die seit fast 20 Jahren die Verwandlung des Petrisbergs vorantreibt. „Wir haben uns vor zwei Jahren überlegt, was wir mit der großen Fläche anstellen können, die sich perfekt für Präsentationen eignet“, erinnert sich EGP-Geschäftsführer David Becker. „Dabei ist die Idee entstanden, unser Projekt aus der Sicht einer Künstlerin reflektieren zu lassen.“  

Tatsächlich gibt es auf dem überdimensionalen Wimmelbild aus Fotoreproduktionen, Handzeichnungen, Textstücken und Malerei jede Menge zu entdecken. „Die Idee dafür ist mit dem Auftrag gewachsen“, sagt Künstlerin Anja Streese. „Ich war sehr aufgeregt, als die große Version aufgehängt worden ist.“ Die riesige Reproduktion komme zwar an einigen Stellen nicht ganz an das Original heran. „Insgesamt ist es aber sehr gut umgesetzt worden.“

 Kunst auf dem Petrisberg: Andreas Ammer (Kulturstiftung Trier), Künstlerin Anja Strese und EGP-Geschäftsführer David Becker (rechts), präsentieren die Benefizaktion.
Kunst auf dem Petrisberg: Andreas Ammer (Kulturstiftung Trier), Künstlerin Anja Strese und EGP-Geschäftsführer David Becker (rechts), präsentieren die Benefizaktion. Foto: Rainer Neubert

Verkauf fördert auch Künstler in der Region Trier

Die 20 laserbedruckten Netzgitterplanen werden noch bis Ende Oktober als Staubschutznetze auf der Baustelle des neuen Wohnungsbaukomplexes benötigt. Danach werden daraus bis zu 500 Einzelteile geschnitten und verkauft. Denn die EGP hat der Kulturstiftung das Kunstwerk geschenkt. Der Erlös kommt Kulturschaffenden in der Region, Bildungsprojekten für Kinder und einem Teilhabeprojekt für Senioren zugute.

„Wir sind sehr froh, dass wir das Kunstwerk einer höheren Weihe zur Verfügung stellen können“, freut sich Andreas Ammer, Vorsitzender der Kulturstiftung Trier, bei der Vorstellung des Benefiz-Projekts auf dem Petrisberg. Wegen Corona sei in diesem Jahr keine Kulturaktie aufgelegt worden. Die zwischen 6 mal 2,5 Meter und 80 mal 100 Zentimeter großen Unikate – sie kosten zwischen 1000 und 50 Euro – sollen dafür Ersatz sein. Sie können als Subskription bestellt und mit einer Urkunde erworben werden. Wer größere Ausschnitte erwirbt, kann sich sein Wunschmotiv aussuchen. Reservierungen sind ab sofort möglich.

QR-Codes am Großkunstwerk

Doch bis die Bahnen abgenommen und nach Wunsch zugeschnitten werden, kommen auch Musikliebhaber auf ihre Kosten: Ab sofort zieren 24 Tafeln mit QR-Codes den 60 Meter langen Bauzaun vor dem Großkunstwerk. Jeder Code führt zu einem der individuellen Musikstücke, die von regionalen Künstlern, einer Band und einem Chor auf YouTube für das „KulturWERK Trier“ zur Verfügung gestellt worden sind. Jeder Besucher kann sich mit seinem Smartphone am Bauzaun kostenlos ein eigenes Medley zusammenstellen.

Auf der Digitalbühne spielen die Big Band Art of Music, Artists for Europe feat. Dynamite Funk, Steff Becker, B.Bones, Christmas Moments, Groove Improve, Uwe Heil, Heimspiel, Guildo Horn, das Musical Isabel, der Jugendchor des Theaters Trier, Thomas Kiessling & Emily, Hanna Landwehr, Leiendecker Bloas, Jochen Leuf und Band (OAZO) von der Kulturkarawane, Wolli Prinz, Frank Rohles, Julia Reidenbach, Luca Simonelli und Nils Thoma, Steilflug, Silvia & The H.A.T Boys, Andreas Sittmann, der Trierer Domchor & Kathedraljugendchor, Achim Weinzen, Wollmann und Brauner. „Eine Erweiterung ist jederzeit möglich – Mitmacher sind herzlich willkommen,“ betont Andreas Ammer.

Wer den Mix fast aller Stilrichtungen allerdings vor Ort mit Genuss hören will, sollte sich wegen der Nähe zur Straße Kopfhörer mitnehmen. Wer dazu nicht die Zeit hat, findet die Playlist der Aktion auch auf der Homepage der Kulturstiftung und hier.

Ausgegeben werden die Original-Ausschnitte des Kunstwerks „ENDwickelt“ ab Dezember. Der Verkauf der verbliebenen Exemplare erfolgt in der Galerie Netzwerk in der Neustraße. „Wir werden dann auch eine Möglichkeit finden, dort die QR-Codes zu präsentieren“, verspricht Galeristin Bettina Ghasempoor.